Der Anfang ist gemacht, jetzt soll es weitergehen

„Ich hatte schon länger die Idee, ein kreatives Projekt mit geflüchteten Frauen zu machen“, berichtete Annette Heppel (l.), Kursleiterin des Nähkurses „Kreativcafé Al-Huleh“ heppel_naehgruppe_kreativcafe-al-huleh_neukoellnbei der Abschlusspräsentation ihres Projektes am vergangenen Sonnabend in den Räumen des Wohltätigkeitsvereins Al-Huleh in der Neuköllner Weisestraße.

Fast 10.000 Euro konnte Heppel in Zusammen-arbeit mit Samira Tanana (2. v. r.), der stellver-tretenden Vorsitzenden des palästinensischen Vereins einwerben. Al-Huleh übernahm die Projektträgerschaft des Kreativcafés und stellte die Räume zur Verfügung. „Im Sommer 2016 haben wir den Projektantrag bei der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales gestellt – damals noch bei Senator Czaja“, sagte Heppel. Die Mittel seien zur Umsetzung des Masterplans Integration und Sicherheit bereitgestellt tanana_kreativcafe-al-huleh_neukoellnworden, um ehrenamtliches Bürgerengagement langfristig zu etablieren und könnten auch jetzt nach dem Regierungs-wechsel weiterhin beantragt werden.

„In den vergangenen sechs Wochen haben zehn Frauen freitags und sonnabends von 10 bis 16 Uhr den Nähkurs besucht“, erzählte die Leiterin. Zur Hälfte nahmen geflüchtete Frauen aus Syrien teil, die übrigen Teilnehmerinnen – mit und ohne Migrationshintergrund – lebten bereits länger in Berlin und kamen aus der Nachbarschaft. Ziel des sozialintegrativen Projektes war es, dass sich die Geflüchteten in einer angenehmen Atmosphäre kreativ entfalten können. Erstens habe das positive Effekte auf die Psyche. Zweitens helfe es dabei, sich durch berufliche Weiterbildung neue Zukunftsperspektiven zu schaffen. Die Tische im Versammlungsraum wurden deshalb immer zu einem großen Gruppentisch zusammengeschoben, an dem gemeinsam gearbeitet wurde. „Zu quilt-tasche_kreativcafe-al-huleh_neukoellnBeginn haben wir am großen Tisch gefrühstückt. Wir waren auch mal zusammen einkaufen und sind gemeinsam auf dem Stoffmarkt am Maybachufer gewesen“ erzählte Heppel weiter.

Für das Nähen interessiert die gelernte Politikwis-senschaftlerin sich bereits seit ihrer Kindheit: „Meine Oma hatte eine alte Nähmaschine, eine versenkbare Pfaff mit gusseisernem Schwungrad. Nähen habe ich als Teenager von meiner Mutter gelernt.“ Zusammen mit den Teilnehmerinnen entwarf und nähte sie aus alten Kleidungs- oder umhaengetasche_kreativcafe-al-huleh_neukoellnWäschestücken modische Stofftaschen, Decken und Topflappen für den Alltagsgebrauch. Für ihre bunten dreifarbige Nähmaschinen-Transporttasche schnitt Heppel 90 Quadrate aus drei alten Leinenhemden aus und fertigte eine Skizze an, bevor sie die Teile zusammennähte. „An der Tasche habe ich bestimmt drei oder vier Stunden gesessen“, räumte sie ein. Andere Arbeiten seien sehr viel schneller fertig gewesen und die meiste Zeit sei im Nähkurs für Anleitungen und Entwürfe aufgewandt worden. Samira Tanana, die als Sozialberaterin in einem Flüchtlingsheim arbeitet und die Kontakte zu geflüchteten Frauen herstellte, konnte am Ende des Kurses beispielsweise ihre selbst entworfene tablet-tasche_kreativcafe-al-huleh_neukoellnund genähte Tablet-Hülle präsentieren, für die Anfängerinnen rund eine Stunde brauchen, während Fortgeschrittene in der Hälfte der Zeit fertig sind.

Patchwork- und Quilt-Techniken, die im Kreativcafé Al-Huleh vermittelt und angewendet wurden, sind nicht nur im Internet auf den einschlägigen Seiten ein großes Thema. Mit der Aufforderung „Aus Sakko mach Rucksack“ stellte sich bereits im September 2015 ein Projekt der caritas young arts aus stoffe_kreativcafe-al-huleh_neukoellnPrenzlauer Berg auf der 2. Möbeltauschbörsche in Nord-Neukölln vor. In den USA sind Quilterinnen und Patchwork-Frauen längst ein Motiv in Literatur und Film.

„Die Frauen wollen Tunikas nähen lernen“, sagte Annette Heppel am Ende ihrer Abschlusspräsentation. Einen Antrag für die Fortführung des Nähkurses Kreativcafé Al-Huleh will sie deshalb gleich nach Weihnachten stellen.

Auch für andere Projektideen kann die niedrigschwellige Unterstützung derzeit noch beantragt werden; weitere Informationen beim Netzwerk „Berlin hilft“.

=Christian Kölling=

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