„Kinder und Jugendliche sollen nicht in Schrottheimen ihre Freizeit verbringen“: Zwicke wird komplett saniert

schaukasten_kinderclubhaus-zwicke-neukoellnJottwede, janz weit draußen, liegt am Zwickauer Damm im Neuköllner Ortsteil Rudow an der Grenze zu Großziethen das presserundgang-zwicke_archivaufnahme-bezirksamt-neukoelln3.500 Quadratmeter große Grundstück vom Kinder-clubhaus Zwicke. Bereits im August 1947 wurde hier der Grundstein gelegt. Die Zwicke gilt als ältester Jugendclub und erstes Jugendfreizeitheim in Berlin.

Zur Zeit wird das Kinderclubhaus für insgesamt 850.000 Euro aus SIWA II-Mitteln vollständig saniert. Jugendstadtrat Falko Liecke lud am vergangenen Donnerstag zu einem Presse-rundgang mit der Möglichkeit, einen Blick in das fast fertige Gebäude zu werfen, und schleef-ruppert_liecke_sommer_kinderclubhaus-zwicke-neukoellnberichtete zusammen mit Architekt Till Zander über die Baumaßnahme.

„Kinder und Jugendliche sollen nicht in Schrott-heimen ihre Freizeit verbringen. In den letzten 20 Jahren ist gefühlt hier nichts passiert“, begrüßte Bezirksstadtrat Liecke (M.) gemeinsam mit den beiden Erzieherinnen Tanja Schleef-Ruppert (l.), Leiterin der Einrichtung, und ihrer Mitarbeiterin Hanna Sommer (r.) die Medienvertreter im Kinderclubhaus Zwicke. Es roch nach frischer Farbe, ein Maler pinselte die Decke und helles Baustellenlicht beleuchtete den Raum. „Der Neuköllner Süden ist mit Jugendeinrichtungen unterversorgt“, beklagte Liecke. „Wir bräuchten eigentlich zwei zwickauerdamm112_kinderclubhaus-zwicke-neukoellnbis drei neue Einrichtungen und müssen zusätzlich die Bestandseinrichtungen dringend stärken.“

Mineralwolle statt Styropor für die Wärmedämmung, Holz-Alumininum statt Plastik für die Fenster, eine mit Öko-Strom betriebene Luft-Wasser-Wärmepumpe-Heizung, die die alte Ölheizung ersetzt: Architekt Till Zander erklärte detailiert, wie die energetische Sanierung des Gebäudes mit einer Nutzfläche von insgesamt 340 Quadratmetern durchgeführt wird. „Unsere Zielvorgaben waren energetische Sanierung und Inklusion.“ Alle Zugänge werden in Zukunft barrierefrei sein – auch an eine behindertengerechte Toilette wurde gedacht.

„Das Schöne ist, dass wir als Mitarbeiterinnen in die Planung involviert waren“, hoben Tanja Schleef-Ruppert und Hanna Sommer unisono hervor. Einige Ergebnisse der Mitarbeiterbeteiligung: Der große Saal wird in Zukunft eine akustisch gedämmte Decke haben, und ein zusätzliches Fenster in der Wand ermöglicht, dass der Raum jetzt auch vom Büro aus einsehbar ist. Unterstützt werden die beiden Erzieherinnen, die mit insgesamt 1 3/4 Stellen Regelarbeitszeit tätig sind, bei ihrer Arbeit von einigen Honorarkräften und etwa einem halben Dutzend ehrenamtlichen Helfern. „Der Rechnungshof hat kürzlich moniert, dass wir zu viele Honorarkräfte und zu wenig festes Personal beschäftigten“, verriet Erzieherin Sommer beim anschließenden Rundgang auf der Erdgeschossfläche, wo einmal ein Multi-Media Raum mit fünf Computern, Gemeinschaftsräume und eine Küche eingerichtet werden sollen. „Der Rechnungshof hat nicht Unrecht“, pflichtete Bezirksstadtrat Liecke ihr bei. Das Abgeordnetenhaus habe aber bei der Personalausstattung eine Grenze von Vollzeitäquivalenten festgelegt, nach der der Bezirk sich richten müsse. „Ich habe dem Rechnungshof gerade eine 20-seitige Antwort geschickt. Wir brauchen 60 neue eingang_kinderclubhaus-zwicke-neukoellnKollegen im ganzen Bezirk, um den Qualitätsstandards gerecht zu werden“, fügte er hinzu.

Das Kinderclubhaus Zwicke wird voraussichtlich ab März 2017 den Betrieb wieder nach und nach aufnehmen. Der Höhepunkt wird am 20. Mai ein presserundgang-zwicke_archivbild-bezirksamt-neukoellngroßes Fest zum 70-jährigen Jubiläum sein. Das Kinder- und Familienzentrum am grüngelegenen Rand der Gropiusstadt spricht mit seinem Leitgedanken bewegen-erleben-begreifen nicht nur Kinder und deren Familien aus der unmittelbaren Nachbarschaft an. Schon lange besteht eine Kooperation mit den 7. und 8. Klassen der Helmholtz-Oberschule, die nach der Sanierung fortgeführt werden soll.

=Christian Kölling=
(Archivaufnahmen vom Bezirksamt Neukölln)

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