Orte und ihre Geschichte(n): Kiezkunde für Anfänger und Fortgeschrittene

Ausgerechnet an diesem Wochenende, wenn wegen des Rixdorfer Weihnachts-markts besonders viele Menschen am Richardplatz 1_ausstellung-geschichte-richardplatz_frauenzentrum-neukoellnsind, die besonders wenig über die Gegend dort wissen, ist der Frauentreffpunkt Affidamento nur für geladene Gäste des Neuköll-ner Bezirksamts geöffnet – und somit auch die sehenswerte Ausstellung „Geschichte(n) im Quartier Richardplatz Süd“.

Zehn Adressen im Kiez hat sich das Team von Stadträumliches Lernen herausgepickt, um an ihnen einerseits den Wandel über Jahrhunderte hinweg bis in die Gegenwart in Texten und Bildern zu veranschaulichen und andererseits verschiedene thematische Aspekte zu beleuchten. Zwei Jahre lang recherchierte es mit Zeitzeugen und Geschichtsexperten, in Archiven sowie bei Projektwochen mit Grundschülern aus dem Kiez die 2_ausstellung-geschichte-richardplatz_frauenzentrum-neukoellnEntwicklung der Gegend: Herausgekommen ist ein „Panop-tikum greifbarer, lebendiger und persönlicher Geschichte(n)“, das mit Erzählungen realer oder fiktiver Personen angereichert wurde.

Während die Geschichte rund um die Glaubensflüchtlinge aus Tschechien, die sich einst im Böhmischen Dorf niederließen, wo noch heute viele ihrer Nachfahren leben, hinlänglich bekannt ist, wissen die Erkenntnisse über andere Orte schon mehr zu überraschen. So gehört selbst unter Kiezkennern wahrlich nicht zur Allgemeinbildung, dass es in den 1950er Jahren am Böhmischen Platz ein Textilkaufhaus gab, das Klein Hertie genannt wurde, und dass Erich Otto Bading 1919 die nach wie vor existierende Musikalienhandlung in einer bis dato von 3_ausstellung-geschichte-richardplatz_frauenzentrum-neukoellnseinen Eltern geführten Eckkneipe eröffnete. Wem ist bekannt, dass die Fleischerei Gleich, Vormieter der Blutwurstmanufaktur, lange als West-Berlins modernstes Fleischereifachgeschäft galt und am Karl-Marx-Platz die Pads für die erste Burger-King-Filiale am Kudamm hergestellt wurden? Wer weiß, dass an der Sonnenallee auf dem Gelände der Kleingartenkolonie NCR e. V. während des 2. Weltkriegs ein Zwangsarbeiterlager existierte, geschichten-im-quartier-richardplatz-sued_neukoelln_stadtraeumliches-lernenund dass einst mit Ottilie Baader eine Vorreiterin der sozialistischen Frauenbewegung in der Brusendorfer Straße wohnte? Und etwa zeitgleich wurde in der Kanner Straße, wo im März 1878 die Pipping’sche Gasanstalt eröffnet hatte, die erste Kindervolksküche Rixdorfs einge-richtet.

Weihnachtsmarktbesucher, die durch die Ausstellung mehr über den Kiez und seinen geschichtlichen Wandel erfahren wollen, müssen also wiederkommen, wenn die schild_s-bahnhof_460x460mmBuden und Stände rund um den Richardplatz abgebaut sind. Ergänzend sind jedoch auch dauerhaft installierte Schilder im Quartier geplant. „Mit einem QR-Code, der per Smartphone lesbar ist und zur Website des Quartiersmanage-ments verlinkt“, kündigt Birgit Zschunke von Stadt-räumliches Lernen an. Nächste Woche, schätzt sie, dürfte vorab schon die Kiezkarte samt Downloads erreichbar sein. Ebenfalls in der Mache ist eine Broschüre, mit der man sich die Ausstellung in die Tasche stecken kann, um die Geschichte der Gegend rund um den Richardplatz auf eigene Faust zu erkunden.

Die Ausstellung „Geschichte(n) im Quartier Richardplatz Süd“ kann noch vom 6. bis 9. Dezember im Frauenzentrum Affidamento (Richardplatz 28)   besichtigt werden; Öffnungszeiten: Di. 12.30 – 16, Fr. 10 – 16 Uhr.

=ensa=

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