Projekte, die – auch in Neukölln – Leben retten

Der 25. November wird weltweit als „Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen“ begangen, der auch 35 Jahre nach dem ersten Aktionstag 1981 leider nicht an Aktualität verloren hat. Um in Neukölln auf ihn aufmerksam zu machen, wurden tag-gegen-gewalt-an-frauen_rathaus-neukoellnDienstag auf dem Rathausvorplatz vier Flaggen gehisst, was zugleich der Auftakt für einige Veranstaltungen rund um den Anti-Gewalt-Tag in Neukölln war. Doch was geschieht auf Bundesebene? Wir haben uns bei Christina Schwarzer und Dr. Fritz Felgentreu, den Neuköllner Bundestagsabgeordneten, erkundigt:

„Etwa 40 % aller Frauen erleben in ihrem Leben körperliche oder sexuelle Gewalt – die meisten von ihnen in den eigenen vier Wänden“, mahnte in dieser Woche Christina Schwarzer (CDU). Oft trauten die Betroffenen sich nicht, um Hilfe zu bitten. Auch würden Freunde, Nachbarn, Bekannte allzu oft wegschauen. „Umso wichtiger, dass der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen das Tabuthema aus der Versenkung holt und mit vielen Aktionen darauf aufmerksam macht“, sagte die Politikerin und fügte an: „Die Tabuisierung des Themas häusliche Gewalt war für christina-schwarzer_foto-anne-hoffmannmich einer der Hauptgründe, mich für das Projekt gewaltlos.de einzusetzen.“ Kürzlich hatte Schwarzer mitgeteilt, dass sie für drei Projekte im Etat des Familienministeriums zusätzlich 1,7 Millionen Euro zum Schutz von Kindern, Jugendlichen und gewaltbetroffenen Frauen durchgesetzt habe.

500.000 Euro von diesem Betrag seien für die für die bundesweite Online-Beratung www.gewaltlos.de vorgesehen, deren Angebote sich an von häuslicher Gewalt und Stalking betroffene Frauen richtet. „Hier erhalten Frauen unkompliziert und auf Wunsch anonym eine erste Beratung und Unterstützungsmöglichkeiten. Wichtig ist jetzt, dass das Angebot noch viel stärker bekannt gemacht wird“, sagte die CDU-Politikerin. Die Beratung findet ausschließlich im Internet in öffentlich nicht zugänglichen Einzelchats statt. Sie kann auch in englischer oder türkischer Sprache erfolgen.

Auch der Neuköllner Bundestagsabgeordnete Dr. Fritz Felgentreu (SPD)  begrüßt die Erhöhung im Etat des Familienministeriums, mit der zudem das Suizid-Präventionsprojekt U25 für Jugendliche und junge Erwachsene mit 400.000 Euro sowie eine geplante Kampagne gegen häusliche Gewalt an Kindern mit 800.000 Euro finanziert werden sollen. Zum heutigen Aktionstag sagte er: „Beim Thema Gewalt an Frauen denken viele Menschen, dass es nur wenige betrifft. Fakt ist aber, dass es sich auch in unserer Gesellschaft um ein weit verbreitetes Phänomen fritz-felgentreu_foto-helge-mundthandelt. Mich beschäftigen in diesem Zusammen-hang besonders die gesellschaftlichen Bedingungen, die immer wieder Gewalt an Frauen hervorbringen.“

Um Mädchen und junge Frauen besser zu schützen, habe die SPD-Fraktion auf eine gemeinsame Initiative von Familien- und Rechtsexperten hin beschlossen, dass in Zukunft nur noch Volljährige heiraten dürfen sollen. Auch im Ausland geschlossene Ehen sollten in Deutschland dann nur noch anerkannt werden, wenn beide Partner mindestens 18 Jahre alt sind. Neben dem Verbot sogenannter Kinder-Ehen fordert Felgentreu zweitens die Wiedereinführung der 2009 abgeschafften standesamtliche Voraustrauung, um Mädchen und Frauen vor den Abhängigkeiten zu bewahren, die mit Kinder- und Vielehen verbunden seien. „Auch Zwangsverheiratungen stellen eine schwere Menschenrechtsverletzung dar, die die persönliche Freiheit und eine selbstbestimmte Lebensführung der Betroffenen verletzen“, erklärte der SPD-Politiker: „Deshalb habe ich mich dafür eingesetzt, dass Modellprojekte in Kriseneinrichtungen finanziell gefördert werden. Ihre wertvolle Arbeit hat im wahrsten Sinne des Wortes schon Leben gerettet, auch in Neukölln.“

=Christian Kölling=

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