Weiterhin Proteste gegen den A100-Weiterbau

a100_stoppKaum 100 Unterstützer des „Aktionsbündnisses A100 stoppen!“ blockierten vorgestern für knapp 20 Minuten mit einer Protestaktion unter dem Motto „Lebensraum statt Autobahn! A100-Baustopp jetzt!“ die Autobahn-Auffahrt am Dreieck Neukölln.

Trotz kleiner Teilnehmerzahl und geringen Verkehrsaufkommens an der Bergiusstraße stieß die symbolische Aktion zur sonntäglichen Kaffeezeit auf ein großes Interesse der Medien. Schließlich ist die Verlängerung der Stadtautobahn zur Straße Am Treptower Park über die Frankfurter Allee bis hin zur Storkower Straße seit vielen Jahren ein a100_16abschnittkontrovers diskutiertes Thema.

Im Juni 2010 hatte die Berliner SPD mit einem denkbar knappen Ergebnis von 113 zu 108 für den Weiterbau der A100 von Neukölln nach Treptow votiert, nachdem der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit den Autobahnbau zur Chefsache erklärt hatte. 2011 waren Differenzen über die Verlängerung der A100 sogar mitverantwortlich für das Scheitern rot-grüner Koalitionsgespräche, weil die Grünen einen Weiterbau kategorisch ablehnten. Es kam stattdessen zur großen Koalition zwischen SPD und CDU. Im Mai 2013 erfolgte der erste Spatenstich für den umstrittenen 16. Bauabschnitt, dessen trommerFertigstellung nun für 2021/22 avisiert ist.

„Wir wollen den Baustopp des 16. Bauabschnitts mit einem qualifizierten Abschluss an der Sonnenallee. Der 16. und der 17. Bauabschnitt der A100 müssen aus dem Bundesverkehrswegeplan herausgenommen werden!“, forderte jedoch Tobias Trommer (r.) vom Aktionsbünbnis A100 stoppen weiterhin. Im Hinblick auf die laufenden rot-rot-grünen Koalitionsgespräche, die dem Vernehmen nach kurz vor dem Abschluss stehen, sagte Trommer: „Wir fordern von der neuen Berliner Koalition eine Wende hin zu einer nachhaltigen, menschengerechten und ökologischen Stadtentwicklung und Verkehrspolitik.“ Pläne, denen zufolge der 16. Bauabschnitt wie geplant bis zur Straße Am Treptower Park fortgführt werden solle, die rot-rot-grüne Koalition aber die Verlängerung der Stadtautobahn über die Frankfurter Allee bis zur Storkower Straße „auf Eis legen“ wolle, nannte Trommer dagegen eine „Mogelpackung“. Die A100-Kritikerin Jutta Matuschek, die Mitglied des Abgeordnetenhauses von 1995 bis 2016 für die Partei Die Linke war, warnte: „Wenn der 16. Bauabschnitt tatsächlich bis zum Treptower Park weitergebaut wird, dann ist der Park green_igelzvöllig entwertet.“

Berlin brauche Flächen für Wohnhäuser und für Gewerbe, forderten die Demonstranten, zu denen auch die Samba-Gruppe „Green Igelz“ gehörte. Würden die Bauabschnitte 16 und 17 der Autobahn aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen, stünden auf einem 7,2 Kilometer langen Abschnitt bis zur Storkower Straße über 70 Hektar wertvoller Fläche für Grünzüge, Wohngebiete und Gewerbe zur Verfügung, argmuentierten die Unterstützer des „Aktionsbündnisses A100 stoppen!“.

Am 22. November ruft das Bündnis um 15 Uhr zur Protestaktion „A100 abblasen!“ vor dem Paul-Löbe-Haus am Bundestag (Paul-Löbe-Allee/Konrad-Adenauer-Str.) auf. Einen Tag später stimmt der Bundestag darüber ab, ob der 17. Bauabschnitt der A100 von Treptow über die Frankfurter Allee bis zur Storkower Straße gebaut werden soll.

=Christian Kölling=