Zerbrechliche Schätze der Weltliteratur im Schloss Britz

ausstellung-literatur-auf-porzellan_schloss-britz-berlin-neukoellnDer Name ist ein wenig irreführend: „Literatur auf Porzellan, Steingut und in anderem Kunsthandwerk“ heißt die Ausstellung im Schloss Britz, die gestern von Bezirksbürgermeisterin Giffey und Kulturstadtrat Rämer reineke-fuchs_-literatur-auf-porzellan_schloss-britz-berlin-neukoellneröffnet wurde. Genau genommen sind es aber Bilder, die Werke von Weltliteraten erzählen, die die dort auf Geschirr, Pfeifenköp-fen und weiterem Zierrat zu sehen sind.

Etwa 80 Exponate präsentieren sich den Besuchern, dazu ebenso viele Bögen und Bücher mit Grafiken, die Aufschlüsse über die Herkunft der auf fragile Utensilien aufgetragenen Bilder geben. So soll zum Vergleichen angeregt werden, wer durch die Räume schlendert. „Oft sind die Unterschiede zwischen den Illustrationen im Buch brinker_kramer_-literatur-auf-porzellan_schloss-britz-berlin-neukoellnund auf Porzellan groß“, weist Aneta Brinker (l., neben Sonja Kramer) hin. Manchmal ist jedoch das genaue Gegenteil der Fall – und wird die These der Kuratorin untermauert, dass es sich bei den Tassen, Tellern, Zuckerdosen, Milchkännchen, Vasen und Pfeifenköp-fen quasi um Fanartikel handele: „Gebrauchsgegen-stände mit exponate_-literatur-auf-porzellan_schloss-britz-berlin-neukoellnliterarischen Motiven waren vom ausgehenden 18. bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beliebte Geschenke.“ Um die Pfeifen überhaupt benutzen zu können, mussten allerdings zunächst Holzgestelle erfunden werden, weil der glimmende Tabak das Porzellan gleich mit erhitzte. Taschenbücher populärer Werke deutscher, englischer und französischer Schriftsteller, ergänzt sie, hätten damals ohnehin in keinem bürgerlichen Haushalt gefehlt. Ab 1757, mit der Entstehung von Porzellan-Manufakturen in Thüringen, Franken und Böhmen, hielt defoe_robinson-crusoe_literatur-auf-porzellan_schloss-britz-neukoellndort auch feineres Tee- und Kaffeegeschirr Einzug.

„Heute bietet literarisches Porzellan einen hervor-ragenden Impuls für Schulen, durch die vermitteln-de Rolle der Grafiken einen anderen Zugang zur Weltliteratur zu bekommen“, sagt Aneta Brinker. Es seien viele romantische Geschichten, uhr-und-illustration_-literatur-auf-porzellan_schloss-britz-berlin-neukoellnvon denen die Exponate erzählen, aber nur wenig Happy Ends, bemerkt Sonja Kramer, die Geschäftsführerin der Kulturstiftung Schloss Britz.

Wer weniger bewandert in der Weltliteratur ist, erhält in der logisch gegliederten Ausstellung, nicht nur Infor-mationen über die relevanten Schriftsteller, sondern goethe_werther_-literatur-auf-porzellan_schloss-britz-berlin-neukoellnkann auf Texttafeln auch mit Hintergründigem ergänzte Zusammenfassungen ihrer Meisterwerke nachlesen. „Shakespeare war Kult, Daniel Defoes Protagonist Robinson Crusoe der erste bürgerliche Romanheld und Goethes Werther schon zu seiner Zeit so populär wie zuletzt Harry Potter“, bemerkt Aneta Brinker. Doch ihre Geschichten madame-de-stael_-literatur-auf-porzellan_schloss-britz-berlin-neukoellngäben nach wie vor Anlass zum Hinterfragen des Gesell-schaftsbildes, zumal etliche Romanfiguren – egal ob berühmte Liebespaare, glückliche oder tragische Helden – als Motivvorlagen oder Originale auch die Gegenwart prägen. Die französische Literatur spiegele indes durch bedeutende Vertreter der Romantik, wie z. B. Bernandin de Saint-Pierre, druck-weltliteraten-weimar_-literatur-auf-porzellan_schloss-britz-berlin-neukoellnFrancois-René de Chateaubriand Atala und Madame de Staël, Aspekte von Exotismus, Religiosität und vitrine-porzellanherstellung_-literatur-auf-porzellan_schloss-britz-berlin-neukoellnMelancholie wider.

Zudem wird in einer Extra-Vitrine der komplizierte Prozess der Porzellanher-stellung veranschaulicht. „Die Proportionen ändern sich durch das Brennen ganz erheblich und auch die richtige Farbe zeigt sich erst, wenn die Verarbeitung des Materials abgeschlossen porzellanherstellung_-literatur-auf-porzellan_schloss-britz-berlin-neukoellnist“, erklärt Sonja Kramer. Mit diesem Wissen verstehe man auch, weshalb Porzellan so teuer ist und als weißes Gold bezeichnet wird.

Die zerbrechlichen Schätze, die im Schloss Britz erstmals öffentlich gezeigt werden, wobei die renommierten Leihgeber anonym bleiben wollen, vermitteln den Zeitgeist einer Epoche, in der der bebilderte Werkstoff mehr als Dekoration war, weil er außerdem einen hohen didaktischen Stellenwert besaß. Folglich bietet die Sonderausstellung Liebhabern ausstellungsraum_-literatur-auf-porzellan_schloss-britz-berlin-neukoellnvon Porzellan gleichermaßen imposante Eindrücke wie auch Kunst- und Literatur-Interessierten.

Die Ausstellung „Literatur auf Porzellan, Steingut und in anderem Kunst-handwerk“ wird bis zum 19. Februar 2017 im Schloss Britz (Alt-Britz 73) gezeigt. Öffnungszeiten: Di. – So. 11 – 18 Uhr, Eintritt: 7 Euro / erm. 4 Euro / Kinder bis 12 Jahre frei. Sonntags um 14 Uhr kann für ein Entgelt von 3 Euro an Führungen durch die Ausstellung teilgenommen werden.

Das begleitende museumspädagogische Programm bietet von dienstags bis freitags zwischen 10 und 15 Uhr einstündige Ausstellungsführungen für Schulklassen (max. 20 Kinder) an; Kostenbeitrag: 1 Euro pro Kind. Darüber hinaus werden für Kinder Führungen mit anschließendem Porzellanmalen veranstaltet. Anmeldung und weitere Informationen telefonisch unter 030 – 60 97 92 30.

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