„Im Schwarzen treffen sich alle Möglichkeiten der Wahrnehmung“

transnaisanceÜber 300 Besucher sahen gerade die Ausstellung „Gebetsteppiche“ in der St. Christophorus Kirche in Neukölln. Ob die gestern in der katholischen Kirche am Reuterplatz eröffnete Ausstellung von Detlef Günther mit dem Titel „Grund, Trans-naissance no. 2“, die einen Zyklus von sechs schwarzen Bildern zeigt, ähnlich erfolgreich wird?

Black Painting ist zumindest ein Begriff in der Kunstgeschichte und eine anerkannte Technik. „Wie Farbfelder entfalten sich die dunkelgrauen bis schwarzen Flächen in den Seitenschiffen. Beim genauen Hinsehen entdeckt das Auge feine Strukturen, die auf einen langen Malprozess hindeuten“, wird im Begleittext zur Ausstellung erläutert.

Der Maler Detlef Günther, der Kunst an der UDK sowie Philosophie, Soziologie, Psychologie und Kommunikationswissenschaften in München und Berlin studierte, erklärte im Künstlergespräch mit Kuratorin Prof. Celia Caturelli: „Im Schwarzen treffen sich alle Möglichkeiten der Wahrnehmung. Schwarz ist die Basisempfindung des guenther_caturelliSehorgans. Als unbunte Farbe beinhaltet es die Dualität von Licht und Dunkelheit.“

Pater Kalle Lenz SAC beschrieb in seiner Einführung, warum ihn die beiden Worte „trans“ und „naissance“  im Titel der Ausstellung besonders ansprächen. „Das Präfix ‚trans‘ eirnnert mich sofort an Transzendenz. Bei ’naissance‘ denke ich an Geburt“, sagte er. „Es geht mir nicht um das Nichts“, stellte wiederum der Maler zu seinen Arbeiten klar. „Religio heißt, ich trete zurück, um zu betrachten“, beschrieb er sein Verhältnis zur Religion. Vergangenheit und Zukunft seien nur Gedankenkonstruktionen. „Ich will mit meiner Wortneuschöpfung ‚Transnaissance‘ darauf hinweisen, dass nur die Gegenwart wirklich ist“, sagte Detlef Günther (l.). Kuratorin Caturelli (r.) warnte jedoch davor, über die Bilder zu viel zu reden. „Es geht um das Auge. Anschauen!“, forderte sie knapp. Nicht zuletzt fiel Pater Kalle Lenz, der sich scherzhaft „Dorfpfarrer vom Reuterplatz“ nannte, bei der Farbe Schwarz aber auch der Saisonbeginn im Nachtcafé der Obdachlosenhilfe ein, wo die Helferinnen und Helfer sich über ehrenamtliche Unterstützerinnen und Unterstützer freuen.

Die Ausstellung „Grund, Transnaissance no. 2“ wird noch bis zum 17. November in der St. Christophorus-Kirche (Nansenstr. 4) gezeigt. Öffnungszeiten : Do. 16 – 19, Fr. 19 – 22, Sa. 16 – 18, So. 11 – 17 Uhr sowie nach Vereinbarung

=Christian Kölling=