Einblicke in Neuköllner Schlafzimmer

„Beziehungskiste“ heißt ein Theaterstück, das derzeit im Studio des Heimathafens  Neukölln gespielt wird. Geschrieben hat das Stück Constanze Behrends, die sicher beziehungskiste_heimathafen neukoellnvielen bekannt ist, die schon einmal im Prime Time Theater im Wedding  „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“ gesehen haben. Hier hatte sie für viele Folgen die Autorenschaft und spielte auch selbst mit. Auch im Fernsehen war sie in der Parodie-Show „Switch Reloaded“ zu sehen.

Behrends führte auch in „Beziehungskiste“ selbst Regie und spielt – was wenig verwunderlich ist – auch in mehreren Rollen des Stückes mit. Als Bühnenbild genügt hier ein Doppelbett, das sich mit ein paar Veränderungen und zusätzlichen Details blitzschnell in eine Therapiecouch, den Klunkerkranich auf den Neukölln Arcaden, eine Gefängniszelle u. v. a. m. verwandeln lässt. In dem Vier-Personen-Stück stellen kleine, meist zu zweit gespielte Szenen ganz unterschiedliche Beziehungsebenen dar. Sei es beim beziehungskiste_presse_8890_verena-eidel_heimathafen-neukoellnTherapiegespräch mit der Therapeutin, bei einem homoerotischen Erlebnis in Spanien oder beim SM-Spiel eines Paares im ehelichen Bett.

Zu Beginn der Handlung sind diese einzelnen Szenen noch unverbunden, doch im Laufe des Stückes kommen immer mehr Verknüpfungen zwischen den eigenen Figuren zu Tage. Und wer kennt das nicht selbst aus dem eigenen Leben: Wenn man eine Person plötzlich in einem gänzlich anderen Kontext wiedertrifft, kann dies für beide oder zumindest für eine Person ziemlich peinlich sein. Behrends gelingt es in ihrer Inszenierung wirklich, oftmals überraschende Beziehungs-geflechte auf die Bühne zu bringen, die zum Schluss der etwa zweistündigen beziehungskiste_presse_9230_verena-eidel_heimathafen-neukoellnVorstellung eine dramatische Wendung nehmen, die hier natürlich nicht vorweg genommen werden soll.

Constanze Behrends spielt ihre Rollen, besonders die Therapeutin, sehr überzeugend und glaubwürdig. Auch bei Tom-Veit Weber macht es Spaß, ihm als sächselnder Yogalehrer zuzuschauen; das ist einfach zum Amüsieren und Lachen. Ja, und wer sich anschließend,  noch weiter über das Kammerspiel über Blicke durch die Schlüssellöcher Neuköllner Schlafzimmer austauschen mag, dem bieten die zahlreichen Beziehungskisten, die im Foyer im 1. Stock stehen, dafür eine gute Möglichkeit.

Das Stück „Beziehungskiste“ wird wieder vom 13. bis 15. Oktober und am 10., 11., 15., 16. und 17. Dezember ab 19.30 Uhr im Studio des Heimathafen Neukölln (Karl-Marx-Str. 141) aufgeführt. Eintritt: 15 Euro (erm. 10) VVK, 17 Euro (erm. 12) Abendkasse; Vorverkauf im Heimathafen-Büro: Tel. 030 – 56 82 13 33

=Reinhold Steinle=