Konkrete Pläne trotz ungewisser Zukunft

check-in_foto-olympiade_young-arts-neukoelln„Brauchst Du eine Kamera?“, fragt Susanne Britz den Jungen, der im Young Arts Neukölln in der Donaustraße bei der Anmeldung  gerade die Teilnahmebedingungen der vierten Foto-Olympiade unterschreibt. „Arbeitet ihr zusammen?“, will sie von den beiden Mädchen wissen, die dahinter stehen und sich ebenfalls anmelden wollen. Neun unterschiedlich große Teams  kommen an diesem Sonnabend-vormittag beim Check-In schließlich zusammen. Wer keine Kamera hat, kann eine für den Wettbewerb borgen.

Einige Jugendliche haben bereits bei der Foto-Olympiade #3 im vergangenen Jahr mitgemacht, andere sind heute zum ersten Mal hier. Paula Niehof und Lilli Kosiol gewannen 2015 mit ihrem Foto, das das Plakat paula_lilli_foto-olympiade_young-arts-neukoellnder diesjährigen Foto-Olympiade #4 schmückt, den 2. Preis. Die Aufnahme zeigt bunte Tücher, die durch die Luft wirbeln. Je nach eigener Fantasie sind verschiedene Formen im Motiv zu erkennen. „Wir sind in einem Modegeschäft gewesen und haben unterschiedliche Stoffe gesucht. Dann sind wir in die große Umkleidekabine für Behinderte gegangen und haben die Fotos gemacht“, erklären foto-olympiade_young-arts-neukoellndie beiden jungen Fotografinnen zur Entstehungsgeschichte ihrer Aufnahme.

Auch in diesem Jahr werden den Teams neun Themen angeboten, aus denen sie drei auswählen müssen, um sie in 3 Stunden zu bearbeiten. Es können zwei Einzelfotos und eine Foto-Serie mit drei oder vier Aufnahmen für die Beurteilung durch die Jury abgegeben werden. Bevor die jungen Fotografinnen und Fotografen jedoch auf die dreistündige Motivsuche gehen, werden sie mit Tipps von Sabine Alex versorgt, die ebenso wie Susanne Britz  auf Kunst und Pädagogik spezialisiert ist.  „Wie mache ich ein gutes Foto?“, fragt Sabine Alex  in die Runde. „Zum einen kommt es auf das Licht an“, startet sie ihren Kurzlehrgang. Es folgen Hinweise, was bei Bildauschnitt und Hintergrund der Fotos zu beachten ist, worin der Unterschied zwischen einer Dokumentation und einer Inszenierung besteht und wodurch  eine gute Foto-Serie sich auszeichnet. „Ihr könnt beim Wettbewerb farbig oder schwarzweiß fotografieren. Ihr dürft aber keine zusätzlichen Filter verwenden und die Bilder nicht alex_britz_foto-olympiade_young-arts-neukoellnnachbearbeiten“, schärft Alex, die ein Fan der altertümlichen analogen Fotografie ist und eine mobile Dunkelkammer betreibt, den Teilnehmern abschließend ein.

Die neun vorgegebenen Themenvorschläge tragen teils konkrete Titel wie „Unter meinen Füßen“, „Meer aus Beton“ und „Wildgewächse“ oder geben mit vagen Titeln wie „Heimelig und unheimlich“ und „Abgetaucht“ der Fantasie viel Raum.

Drei Stunden später muss die Jury, der Katia Kuhl, Leiterin der Jugendkunstschule, vorsteht, die Fotos auf den abgegeben Speicherkarten sichten. Während sich das Gremium, das aus Erwachsenen und Jugendlichen zusammengesetzt ist, für eine Stunde zur Beratung  zurückzieht, um die besten Bilder zu ermitteln,  wird parallel ein Dokumentarfilm über die Anfänge der Fotografie gezeigt. Doch die Anspannung der Teilnehmer, die auf ihr Ergebnis warten,  ist spürbar und kaum einer sieht richtig zu.

Lilli Kosiol und Paula Niehof belegen mit ihrer Foto-Serie „Wildgewächse“ diesmal Platz 3. Der 1. Platz wird zweimal für die Serie „Unter meinen Füßen“ von Finn und praesentation_sieger_foto-olympiade_young-arts-neukoellnBenedict Drouven sowie für Serie und Einzebild zum Thema „Abgedreht“ von Elias Kirsten und Lukasz Spryngacz vergeben.

Ob es im kommenden Jahr wieder eine Foto-Olympiade geben wird, ist noch ungewiss. Katia Kuhl hat aber trotzdem ganz konkrete Pläne. „Wir wollen rund um das Young Arts eine Fotoszene aufbauen“, gibt sie am Ende des Wettbewerbs bekannt. Die Gruppe „Mit Fotografie gestalten“ trifft sich mittwochs von 15 bis 16.30 Uhr. „Wir suchen noch Schülerinnen und Schüler aus Neukölln, die mitmachen wollen“, sagt Kuhl. In drei Stufen werden die Grundlagen der Fotografie, die experimentelle Weitergestaltung von Bildern sowie Präsentationsformen der Fotos vorgestellt. Verbindliche Anmeldung für das Bildungsangebot, das für Schülerinnen und Schüler aus Neukölln kostenlos ist, unter info[at]youngarts-nk.de oder Tel.: 030 / 68 97 54 22.

=Christian Kölling=