Mal schon nah, mal noch fern: Welche Veränderungen stehen dem Neuköllner Schillerkiez bevor?

plakat_zukunftswerkstatt-schillerkiez_neukoellnDas Interesse an der Zukunft des Schillerkiezes, die am vergangenen Sonnabend auf Einladung des Quartiers-managements in den Räumen der Kinderwelt am Feld erörtert wurde, war eher dürftig. Die Gegenwart in Form eines milden, sonnigen Septembertages verschaffte dafür dem Tempelhofer Feld umso mehr Andrang.

Wie wird es im Kiez zwischen Columbiadamm und Silbersteinstraße, Tempelhofer Feld und Hermann-straße in fünf oder 10 Jahren aussehen? Was wird geplant, um den Engpass auf dem Wohnungsmarkt zu entzerren und die Kapazitäten der Schulen zu erweitern? „Die wichtigsten Veränderungen wird es auf den Friedhöfen an der Hermannstraße geben“, kündigte Rolf Groth. Nur noch ein kleiner Teil werde weiterhin für Grab-stellen groth_zukunftswerkstatt-schillerkiez_neukoellngebraucht und genutzt, so der Leiter des Neuköllner Stadtplanungsamts, auf großen Flächen friedhoefe-hermannstrasse_zukunftswerkstatt-schillerkiez_neukoellnwerde es hingegen eine andere Nutzung geben.

Bereits begonnen hat die Zukunft des zwi-schen Hermann- und Oderstraße gelegenen neuen St. Thomas-Friedhofs: Im letzten Sommer starteten die Vorbereitungen für die Nutzung als naturnahe Grünfläche; am 1. Oktober geht das Areal, das Ausgleichsfläche für den A100-Bau ist, vom Besitz des Evangelischen Friedhofs-verbands Berlin Stadtmitte (EVFBS) an den Bund über. Den ursprünglich geplanten planung-st-thomas-friedhof_zukunftswerkstatt-schillerkiez_neukoellnTermin für die Eröffnung des Parks mit integriertem Hundeauslaufgebiet könne man jedoch nicht halten. informierte Quartiersmanager Gunnar Zerowsky: „Sie wird erst im Frühsommer 2017 statt im Frühling sein.“

Auch die Vergangenheit eines Teils des Friedhofs Jerusalems und Neue Kirche V soll relativ kurzfristig in die Zukunft geführt werden: Dank eines erleichterten Baurechts-Verfahrens für die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften könne man ob des gerade erfolgten Beschlusses des Friedhofsentwicklungskonzepts (IFEK) an der Netzestraße schon im Februar nächsten planung-jerusalems-friedhof_zukunftswerkstatt-schillerkiez_neukoellnJahres mit der Errichtung von Wohnungen für etwa 220 Geflüchtete beginnen. „Die Eröffnung“, so Rolf Groth, „ist für Juli 2017 geplant, und im November dieses Jahres soll eine Informa-tionsveranstaltung für die Anwohner stattfinden.“

Mehr Zeit wird indes vergehen, bis die Bagger für den Neubau von Mietwohnungen anrollen können, weil es dafür auch bei massiver Wohnungsknappheit keine Sonderregelungen gibt und das reguläre Baurecht gilt. „Insgesamt sind circa 820 Wohneinheiten in mehrgeschossigen Häusern mit Sozialwohnungen-Anteil auf vier ehemaligen Friedhofsflächen teilnehmer_zukunftswerkstatt-schillerkiez_neukoellngeplant“, verkündete der Stadtplaner. „Wir nehmen Aussagen der Kirche ernst, dass sie eine soziale Mischung will“, reagierte er auf Befürchtungen, dass das Vorhaben nicht in der Realität ankommen könnte.

Entspannung soll die Entwidmung der Friedhofsareale auch für die Bildungsland-schaft im Neuköllner Norden bringen. Auf dem Alter St. Thomas-Kirchhof lege man außer einer Ost-West-Durchwegung einen Erweiterungsstandort mit Pausen- und raemer_zukunftswerkstatt-schillerkiez_neukoellnBewegungsflächen für die Konrad-Agahd-Schule an, avisierte Groth. Noch augenfälliger werden indes die Veränderungen auf dem Neuer St. Jacobi-Friedhof, wo der Neubau für eine dreizügige Grundschule samt friedhof-der-st-jacobi-gemeinde_hermannstrasse-neukoellnsozialer Infrastruktur entsteht.

„Vermutlich wird die Peter-Petersen-Schule an den neuen Schulstandort verlegt“, stellte Stadtrat Jan-Christopher Rämer in Aussicht, dessen eigene Planung derzeit ob des Beginns einer neuen Legislaturperiode am 28. Oktober entsprechend kurzfristig verläuft. Überzeugt ist er jedoch davon, dass der Bezirk in den nächsten Jahren „qualitativ große Schritte im schulischen Bereich“ machen werde. Ebenso müsse planung-neuer-st-jacobi-friedhof_zukunftswerkstatt-schillerkiez_neukoellnman quantitativ liefern, weil derzeit allein bei den Grundschulen 1 1/2 Züge fehlen. Im Vergleich mit dem Bezirk Pankow, wo zur adäquaten Beschulung 10 bis 15 Züge gebraucht würden, stehe Neukölln aber noch einigermaßen passabel da. Gebraucht werde der neue Schulstandort, der nun auf einem ehe-maligen Friedhof statt auf dem Tempelhofer Feld errichtet wird, allerdings definitiv: „Zusätzlich läuft eine stadtplatz oderstraße_neukoellnMachbarkeitsstudie zur Erweiterung der Schülerkapa-zität an der Regenbogen-Schule.“

Positive Aussichten konnte Stadtplanungsamts-Leiter Rolf Groth auch für die verkehrsmäßige Infrastruktur im Kiez vermelden: In der Selchower- sowie der Mahlower Straße ist die Gehwegsanierung bereits im Gange bzw. zeitnah geplant. Noch etwas warten müsse man jedoch auf die Aufwertung der Oderstraße zwischen Columbiadamm und Silbersteinstraße, die im Rahmen des neuen Fördergebiets Tempelhofer Feld durch Mittel vom Bund und der EU in die Tat umgesetzt werden soll: „Dadurch wird die Situation für Fußgänger und Radfahrer erheblich verbessert.“

Während die Zukunftsmusik für den Schillerkiez also in weiten Teilen noch aus weiter Ferne erklingt, ist sie partiell schon sehr nah: Samstagmittag wird im Beisein von Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey auf dem St. Thomas-Friedhof ein alevitisches Gräberfeld eröffnet.

=ensa=