Begegnungen im Neuköllner Schilderwald

parteien-mix_wahlplakate-berlinwahl2016_neukoellnHübsch aufgereiht sind im Straßenbild seit Ende Juli die bunten Plakate der Parteien für die Wahlen zum giffey_bayrak_wahlplakate-berlinwahl2016_neukoellnBerliner Abgeordnetenhaus und zur Bezirksverordneten-versammlung. Echte Über-raschungen gibt es bis heute – fünf Tage vor dem Urnen-gang am Sonntag – im Laternen-Wahlkampf nicht. Nur eine Aktion der Initiative Hufeisern gegen Rechts fiel Anfang August in Britz positiv auf. Bald sind die Werbetafeln, die teilweise schwer gelitten haben, wieder verschwunden – aber im nächsten Jahr sind Bundestagswahlen. Ein Grund mehr, um die Bildmotive der liecke_wahlplakate-berlinwahl2016_neukoellnParteien noch einmal kritisch anzusehen.

Skandalisierung ist in der Politik für die Erzeugung von Aufmerksamkeit ein beliebtes Mittel. Und niemand sollte sich im Kampf um die Stimmen der Wählerinnen und Wähler kleiner machen als er ist. Dass Berliner Politiker mit Ämtern werben, die sie nicht haben, wie die BILD-Zeitung monierte, onur-bayar_cdu-neukoelln_wahlplakate-berlinwahl2016_neukoellnregt deshalb in Neukölln kaum jemanden auf. Über die Parteigrenzen hinweg blicken fast alle Kandidatinnen und Kandidaten mal entschlossen, mutig oder zuversichtlich, kompetent und hoffnungsvoll werbend den Menschen im Problem-bezirk ohne Scheu ins Gesicht. Geboten werden den Neuköllnern die Ansichten Halbfigur, Brustbild oder Kopfbild, in Frontalansicht oder hier-koennte-ein-nazi-haengen_die-partei-neukoelln_wahlplakate-berlinwahl2016_neukoellnals Halb-, Viertel- bzw. Dreiviertelprofil. Pessimistische czaja-fdp-tegelPrognose für die Bundestagswahl: Der Trend zum Bewerbungsfoto ist 2017 nicht zu stoppen.

Das Aufregerplakat „Hier könnte ein Nazi hängen“ der Satire-Partei Die Partei schockiert selbst auf dem Alfred-Scholz Platz in Neukölln nicht wirklich. Bezirksbürgermeister Scholz wurde 1933 am Ende der Weimarer Republik von den Nazis aus dem Amt gejagt. Wenn das niemand im Bezirk aufgreift, keine-pflanze-ist-illegal_piraten-neukoelln_wahlplakate-berlinwahl2016_neukoellnum an die Bedeutung von Toleranz und Gewaltfreiheit in politischen Auseinandersetzungen zu erinnern, dann hätte der Platz seinen alten Namen Platz der Stadt Hof besser behalten sollen, oder?!

rechenkuenstler_die-linke-neukoelln_wahlplakate-berlinwahl2016_neukoellnHoffnung auf mehr Kreativität im Schilderwald des kommen-den Bundestagswahlkampfes regen nur wenige Bildmotive an. „Psst!“, sagt die Geste der Repräsentantin der Piraten-Partei, die im Bild (Halbfigur, Frontalansicht) ihren Zeigefinger auf die geschlossenen Lippen legt. Die Linke verewigt auf alter-schuetzt-vor-armut-nicht_piraten-neukoelln_wahlplakate-berlinwahl2016_neukoellneinem Plakat die typische Geste eines Flaschensammlers, der mit dem Arm in der menschen-vor-profite_die-linke-neukoelln_wahlplakate-berlinwahl2016_neukoellnMülltonne nach einer weggeworfe-nen Pfandflasche fischt. Ein älterer Pirat greift sich fassungslos an den Kopf und hält die leere Hand schüchtern auf. Der kurze Text in der Bildmitte erklärt die eigentlich unmissverständliche Bewegung. Ein deutliches Zeichen setzt im Doppelportrait der Linken die junge Frau in der Jeansjacke mit Kopftuch, die neben ihrem Genossen mit geballter Faust so-kannste-doch-nich-zur-arbeit_piraten-neukoelln_wahlplakate-berlinwahl2016_neukoellndie Betrachter grüßt.

Ebenfalls nur zwischen allen Stühlen fühlt sich wahr-scheinlich die-partei-alt-treptow-neukoellnder Bürgermeister-kandidat der Piraten wohl, der für das Bedingungslose Grundeinkommen wirbt: Er ist wie ein zombiehafter Nachtschwärmer geschminkt und macht Faxen.

In Neukölln kann die Nonsens-Partei Die Partei diesen Nonkonformismus schwerlich toppen. Ihr eingängiger Slo-gan „Lieber ALT-Treptow als NEUkölln“ hängt … raten Sie mal! … in Treptow.

=Christian Kölling=

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