Von der Retrospektive zur Perspektive

koerner-dich-in-die-zukunft_koernerpark-neukoellnDie Vergangenheit des Körnerparks ist seit vorgestern Vergangenheit. Mit einem Blick in die Zukunft endete das Jubiläumsprogramm anlässlich des 100-jährigen abschlussfest-100-jahre-koernerpark_neukoellnBestehens des Neuköllner Gartendenkmals.

Welche Pflanzen werden im Jahr 2116 im Körnerpark wachsen und wie wird er dann aussehen? Welche Bilder, Fortbewegungsmittel und Kommunikationsmög-lichkeiten wird es geben und wie wird man dann leben? Mit solchen Fragen hatten sich junge Leute, die im Kiez wohnen oder zur Schule gehen, beschäftigt, um ihre Antworten beim Abschlussfest unter dem Motto „Körner Dich in die Zukunft“ präsentieren zu können. Dabei beließ es die Generation derer, die auf dem Sprung zum Tragen gesellschaftlicher Verant-wortung zeitreise-pavillon_abschlussfest-100-jahre-koernerpark_neukoellnist, aber nicht. Der Politikkurs am benachbarten Albrecht-Dürer-Gymnasium hatte beschlossen, auch erfahren zu wollen, welche Perspektiven amtierende Neuköllner Politiker sehen, und deshalb die Bezirksbür-germeisterin und den Bildungs- und Kulturstadtrat zum raemer_giffey_ado-schueler_zukunftstalk-abschlussfest-100-jahre-koernerpark_neukoellnGespräch eingeladen.

Da Dr. Franziska Giffey (2. v. r) es nicht ge-schafft hatte, pünktlich zu ihrem neunten Termin des Tages zu kommen, war Jan-Christopher Rämer (l.) zunächst allein mit den Fragen der Jugendlichen konfrontiert. Was ihn mit dem Körnerpark verbinde, lautete der Einstieg. „Es ist wie ein Nachhausekommen“, antwortete der Stadtrat, der 10 Jahre in Buckow, 10 in Britz und weitere 10 im Körnerkiez wohnte, bevor er seiner Frau zuliebe nach raemer_ado-schuelerin_abschlussfest-100-jahre-koernerpark_neukoellnFriedrichshain zog. „Mit der Frage pulen Sie in meiner Herzwunde“, reagierte Rämer auf das Nachhaken der Schülerin, ob er wieder nach Neukölln zurückziehen wolle. Er arbeite daran und zeige seiner Frau regelmäßig die Wohnungsangebote, die ihm ein Immobilienportal zuschicke. Illusionen, dass er wieder – wie damals vor 12 Jahren – etwas zum Preis von knapp 4 Euro pro Quadratmeter findet, macht sich Jan-Christopher Rämer nicht, der vor der Übernahme seines Amts im Bundesbauministerium arbeitete: „Das Problem beim Wohnraummangel in Neukölln ist, dass es im Bezirk an großen, leeren Flächen abschlussfest-100-jahre-koernerpark_neukoellnfür den Neubau fehlt. Deshalb liegt das größte Poten-zial in der Nachverdichtung durch Dachausbauten.“

„Sie haben gesagt, dass es 2030 in Neukölln 11.000 Wohnungen mehr geben wird. Wie wollen Sie das umsetzen?“, gab die Jugendliche die Frage an die Bezirksbürgermeisterin weiter. „Es ist wichtig“, sagte die, „dass Neubau wirklich passiert. Ich hoffe, dass der Eigentümer vom Blub-Gelände mal langsam loslegt.“ Rund 450 Wohnungen sollen unter dem Namen GreenPark auf dem Areal entstehen, das kürzlich erneut durch einen Großbrand in die Schlagzeilen geriet. giffey_ado-schuelerin_zukunftsgespraech-koernerpark-neukoelln„Laut einer Vorgabe des Senats für Neubauten müssen bei privaten Investoren 25 Prozent davon Sozialwohnungen sein“, erinnerte Giffey.

Sorgen bereiten den Jugendlichen auch fehlende Freizeitmöglichkeiten für ihre Altersgruppe im Bezirk. „Es gibt viele Jugendeinrichtungen, aber viele sind nicht so bekannt. Wichtig ist also, sie bekannter zu machen“, merkte Jan-Christopher Rämer an. Darüber hinaus müsse man sich allerdings fragen, was an den Schulen geleistet werden kann, die sich zu wichtigen zukunfts-accessoires_abschlussfest-100-jahre-koernerpark_neukoellnPartnern für die Jugendarbeit entwickelt hätten, ergänzte Dr. Franziska Giffey.

Beim Thema Bildung war die heutige Bezirksbürger-meisterin und vorherige Bildungsstadträtin ebenfalls in ihrem Element. Dass die Abi-Noten-Durchschnitt in Neukölln schlechter als in anderen Bezirken ist, liege nicht an den Schulen, sondern vor allem daran, dass kleine Kinder innerhalb ihrer Familien eine schlechtere Unterstützung erführen. Entsprechende Defizite müssten in der Schule erst wieder aufgeholt werden. „Wäre die Wiedereinführung der Vorschule eine Option?“, hakten die Jugendlichen nach. Das würde sie definitiv begrüßen, ein verbindlicher Kitabesuch begünstige den Schulstart aber ebenfalls, antwortete Giffey. Zwiege-spalten raemer_giffey_ado-schueler_abschlussfest-100-jahre-koernerpark_neukoellnsei sie hingegen, was den Erfolg vom Prinzip des jahrgangsübergreifenden Lernens betrifft, das in Neukölln von der Hälfte der Grundschulen abgelehnt werde: „Viele Kinder brauchen eine gewisse Grund-ordnung in der Schule.“

Einen Zukunftswunsch an die Schüler habe er noch, meldete sich Bildungsstadtrat Rämer abschließend zu Wort. Schulische Gremien zur Mitbestimmung seien früher hart erkämpft worden, gegenwärtig sei es aber „nicht so, dass sie wegen Überfüllung geschlossen werden müssen. Bitte nutzt diese Rechte, mitbestimmen zu können!“, appellierte er. Einer der sehnlichsten Zukunftswünsche seiner Interviewerin hat die Wurzeln ebenfalls in der Vergangenheit: Sie lebt mit ihrer Familie in einer asbestbelasteten Wohnung in der Weißen Siedlung und hofft, dass der Bezirk, dem das Problem von rund 4.000 Menschen seit nunmehr zwei Jahren bekannt sei, endlich tätig wird.

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