Alte Bäume müssen neuer Kanalisation in der Weserstraße weichen

noerdliche Straßenseite_BWB Baumfällungen Weserstr Neukoelln„Uns ist klar, dass die Anwohner den Eindruck haben müssen, dass wir da wie die Axt im Walde wüten“, bekennt Stephan Natz. „Aber es geht nicht anders.“ Vier mächtige, über ein halbes Jahrhundert alte Linden auf der nördlichen Gehwegseite der Weserstraße zwischen der Kreuzung Weichselstraße und der Hausnummer 192 werden in der nächsten Woche gefällt. Und mächtig empört sind die Anwohner – wegen der Fällungen an sich, aber auch wegen der suboptimalen Kommunika-tion und Information im Vorfeld der Maßnahme.

Seitens des Neuköllner Bezirksamts, kritisieren sie, wurde diesbezüglich gar nichts unternommen und von den Berliner Wasserbetrie-ben (BWB), die im Kiez in einer groß angelegten Aktion die unter den Bürgersteigen verlaufenden Kanalisationsrohre sanieren, habe es lediglich lapidar formulierte Aushänge an den Haustüren gegeben. „Es ist sehr wohl möglich, dass es zur BWB-Info Baumfällungen Weserstr NeukoellnBaumfällung keine andere Option gibt. Aber ich will dies als mündigeR Bürger*in erklärt, begründet und damit gerechtfertigt haben (…), dass alle Bäume in meiner unmittelbaren Umgebung gefällt werden“, wirft der BaL e. V. im Landwehrkanal-Blog den Verantwortlichen vor. Da sei in der Tat nicht gut gelaufen, räumt BWB-Pressesprecher Stephan Natz ein: „Die Folge ist, dass der örtliche Bauleiter etliche Protest-Info_BWB Baumfällungen Weserstr NeukoellnTelefonate mit aufgeregten Anwohnern zu führen hat.“

Auch Jochen Biedermann, Vorsitzender des BVV-Ausschusses für Stadtentwicklung, geriet gestern, „von mehreren Anwohner*innen angesprochen“, unversehens in den Sog der Ereignisse und begann zu recherchieren. Bei Kontrollen der Leitungen stellten die Wasserbetriebe „massive Setzungen in der Weserstraße“ fest, die dazu führten, dass die Rohre teilweise undicht seien und an mehreren Stellen Abwasser in den Untergrund austrete, erfuhr Biedermann. Es handele sich zwar um keine konkrete Havarie, betroffen sei aber der gesamte Bereich zwischen Weichsel- und Pannierstraße, weil dort im Untergrund eine Torflinse verlaufe, auf die beim Bau der Weserstr_BWB Baumfällungen_NeukoellnKanalisation vor 100 Jahren wohl keine Rücksicht genommen wurde.

Eben diese Torflinse ist es auch, die Arbeiten im größeren Ausmaß erforderlich macht. „Grabenloses Bauen in Verbindung mit einer Schlauchsanierung funktioniert dort nicht“, erläutert Stephan Natz. Stattdessen müssten zur nachhaltigen Stabilisierung der neuen Kanalrohre Stützpfeiler ins Erdreich gerammt werden: „Das Problem ist, dass der Einsatz von schwerem Gerät nicht nur die Kronen, sondern auch die Wurzeln der vier Linden so massiv schädigen würde, dass sie die Standsicherheit verlieren.“ Ob, wie im Landwehrkanal-Blog vermeldet, Fledermäuse in den Bäumen kanalbauarbeiten neukoellnleben, werde in den nächsten Tagen vom zuständigen ökologischen Baubetreuer kontrolliert. „Wenn welche da sind, werden sie umgesiedelt“, kündigt der BWB-Pressesprecher an.

Dass lediglich die vier Linden im ersten Bauabschnitt zu Opfern der Kanalisationssanierung werden, schließt Natz schon jetzt aus. Insgesamt dürfte die Zahl derer, die in der Weserstraße zu fällen sind, bei etwa 30 liegen, bestätigen auch Jochen Biedermanns Recherchen. „Pro gefälltem Baum zahlen die Wasserbetriebe 5000 Euro für eine Ersatzpflanzung, die durch das Neuköllner Natur- und Grünflächenamt erfolgt. Das“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Neuköllner Grünen, straßenbaum-bewässerung_neukölln„scheint ein normaler Wert für eine Baumpflanzung einschließlich dreijähriger Anwuchskontrolle zu sein.“

Etwa 700 Meter Kanal werden im Kiez demnächst in offener Bauweise erneuert, weitere 220 Meter per Schlauchsanierung fit für die Zukunft gemacht. „Bis Mitte nächsten Jahres soll alles fertig sein“, avisiert Stephan Natz. Noch in 2016 ist der Weserstraße-Bereich zwischen Weichsel- und Rütlistraße dran, 2017 folgt der bis zur Pannierstraße. „In beiden Bauabschnitten wird es eine Vollsperrung für den Individual-Autoverkehr geben“, teilt Biedermann ergänzend mit.

Nachgeholt werden soll auch, was bisher versäumt wurde: Innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen wollen die Berliner Wasserbetriebe die Anwohner zu einer Versammlung einladen, um über die Bauvorhaben zu informieren.

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