Gebiet zwischen Spree und Neuköllner Schiffahrtskanal unter der Lupe: „Es ist wirklich massiv, was jetzt verschwindet“

Berlin ist ein Hotspot der Artenvielfalt, und das Grün trägt viel zur Attraktivität der Stadt bei. Davon sind Andrea Gerbode vom ehrenamtlich arbeitenden Arbeitskreis grafik neukoelln_treptowStadtnatur des BUND-Berlin und Christian Hönig, hauptamtlicher Baumschutz-Fachreferent des Umwelt-verbandes, überzeugt. Damit Berlin die „grüne Metropole Europas“ bleibt, hat der BUND gemeinsam mit Berliner Naturschutzverbänden und dem Berlin der Gartenfreunde e. V. die Kampagne „Immer.Grün“ initiiert. „Hektische Wachstumspolitik und kleinteilige Stadtentwicklung zerstören grüne Lebensqualität in Berlin“, kritisierten Gerbode und Hönig gestern auf einer Pressekonferenz in der Geschäftsstelle des BUND-Landesverbandes.

Beide nahmen speziell das Gebiet zwischen Spree und Neuköllner Schiffahrtskanal unter die Lupe, das zwischen dem 16. Bauabschnitt der Stadtautobahn A100 im Osten und dem Lohmühlenufer im Westen liegt. Ein Teil des Gebietes ist im Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030, das der Senat vorgelegt a100_dieselstr_sonnenallee_neukoellnhat, zwischen Sonnenallee und der Straße Am Treptower Park wegen der A100-Verlängerung als sogenannter Transformationsraum ausgewiesen.

„Wir erleben im Gebiet einen sehr kleinteiligen Grünflächenverlust, aber es ist wirklich massiv, was jetzt verschwindet“, erläuterte Christian Hönig die vielen rotmarkierten Flächen auf einer Karte des Lupengebietes. Er und Andrea Gerbode, die auch Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung von Treptow-Köpenick ist, klagten über eine Vielzahl von Fehlentwicklungen seit dem Mauerfall. „Übergeordnete Belange wie Stadtklima, Erholung, Natur und Umwelt werden nicht im Zusammenhang berücksichtigt, sondern jedes Vorhaben wird wie eine Briefmarke dieselstrasse_neukoellnbetrachtet“, veranschaulichte Gerbode das Dilemma aus der Sicht der Grünflächenschützer.

Im Neuköllner Teil des Lupengebietes ist beispiels-weise nur die Kleingartenanlage Loraberg gegenüber der Hans-Fallada Schule in der Harzer Straße ausdrücklich im Flächennutzungsplan als Grünfläche ausgewiesen. Die Laubenpieper schräg gegenüber in den Kleingartenanlagen Harztal, Weidental, Wilde Rose und Petersbaude liegen auf einem Grundstück, auf dem irgendwann einmal eine sportliche Nutzung vorgesehen ist. Konkret am stärksten gefährdet sind die Kleingärtner der Kolonie Rübezahl: Ihre Parzellen zwischen der an der Dieselstraße ruebezahl neukoellnim Bau befindlichen A100-Trasse und den Wohngebäuden Teupitzer Straße standen schon Ende 2013 kurz vor dem Aus.

Berlinweit wollen Gerbode und Hönig nun einen Dialog über die Bedeutung der Grünflächen für Klima, Stadtnatur und Erholung anstoßen. Im Jahr 1915 habe ein breites gesellschaftliches Bündnis den historischen bedeutsamen Dauerwaldvertrag für Berlin erstritten, ohne den der Grunewald heute wahrscheinlich vollständig abgeholzt wäre. „Wir brauchen jetzt wieder genau so einen neuen Ansatz“, forderte Christian Hönig.

Zeit, um über diesen neuen Ansatz zu diskutieren, ist heute bei der Veranstaltung „Berlin baut… sich zu! Wie können die grünen Freiflächen gesichert werden?“. Um 18 Uhr lädt der BUND zur Diskussion mit den Stadtentwicklungspolitikern der Abgeordnetenhaus-Fraktionen und Senator Geisel ins TAK-Theater im Aufbau Haus (Prinzenstr. 85, Eingang F) ein.

=Christian Kölling=