„Republica Colapsada“: Eindrücke aus einem kollabierten Land in einer Neuköllner Galerie

Das Auswärtige Amt rät derzeit von Reisen nach Venezuela ab: Die Regierung des lateinamerikanischen Staates hat am 13. Mai 2016 den Ausnahmezustand über das foto panzer_republica colapsada_lite-haus galerie neukoellngesamte Land verhängt. Bei politischen Protesten gegen die schlechte Wirtschafts- und Versor-gungslage kam es zu gewaltsamen Auseinander-setzungen, bei denen wiederholt auch Schusswaffen eingesetzt wurden. Reisenden wird nachdrücklich empfohlen, sich von den weiterhin stattfindenden Demonstrationen fern zu halten und große Menschenansammlungen zu meiden. Aufgrund der weit verbreiteten, hohen Gewaltkrimi-nalität, der immer wieder auch Ausländer zum Opfer fielen, sei zusätzlich besondere Vorsicht geboten. Ausgenommen von dieser Warnung sind nur einige Touristenziele, foto serie_republica colapsada_lite-haus galerie neukoellnsofern sie im Rahmen organisierter Reisen besucht werden.

Die Galerie LiTE-Haus nahe der Neuköllner Sonnenallee, die ihren Schwerpunkt auf enga-gierte Kunst und Kunstaktivismus gelegt hat, zeigt seit vergangenen Sonnabend die Ausstellung „Republica Colapsada“ . Mit ihr wollen die drei venezuelanischen Kunstaktivistinnen Helena Acosta, Violette Bule und Gina Monc einen Einblick geben, wie sich der in Deutschland kaum beachtete innenpolitische Konflikt auf das Leben der normalen Bürger auswirkt. „Trotz Chavez‘ früheren gewaltsamen Versuchen, an die Macht zu kommen, sind wir uns einig, dass er schließlich mit demokratischen Mitteln an die Macht gekommen, indem er ein Establishment besiegte, dem die Fähigkeit fehlte, sich den Herausforderungen der Globalisierung zu stellen“, teilte Gina Monc, die ebenso wie die Kuratorin Helena Acosta und die Künstlerin Violette Bule jetzt in New York lebt, in einer Presseerklärung mit. Obwohl die venezuelanische Bevölkerung schon früh die Hinweise auf das diktatorische Gesicht des Chavismus, ein vom früheren Präsidenten Hugo Chávez proklamierter „Sozialismus des 21. Jahrhun-derts“, video-endlosschleife_republica colapsada_lite-haus galerie neukoellnwahrnahm, sei dies erst durch den Aufstieg seines Nachfolgers Nicolás Maduro offenbar geworden.

In den drei Räumen der Galerie sind einige Dutzend Fotos, schwarz-weiß und farbig, in unterschiedlichen Formaten ausgestellt. Daneben läuft das Video „Demontage der Simulation“ in einer Endlosschleife. Entstanden im Februar 2014 aus der experimentellen Facebook-Gruppe „La Meta es destomar la simulacion“, mündete das 20-minütige Werk in eine digitale Guerillabewegung des partizipativen visuellen Aktivismus.

Obwohl die ausgestellten Fotos erkennbar oft unter großer Gefahr und mit hohem persönlichen Einsatz der verschiedenen Fotografen entstanden sind, sticht nur die schwarz-weiß Aufnahme von Anthony Ascer Aparicio deutlich hervor: Ein junger Mann, der auf dem Bauch liegend von Sicherheitskräften zu Boden gedrückt wird, hebt angestrengt seinen Kopf und schaut zwischen Polizeistiefeln, die mit Schienbein-schützern fotos gefaengnis_republica colapsada_lite-haus galerie neukoellnbewehrt sind, in die Kamera. Ihrem eigenen Anspruch, einen klaren Einblick in die aktuelle Geschichte der venezolanischen wirt-schaftlichen und sozialen Krise zu geben, wird die Ausstellung aber nicht gerecht. Selbst Zeit und Ort der Aufnahmen oder die Namen der Fotografen fehlen in aller Regel, ebenso wie andere Orientierungsdaten. Gute Englisch- und vor allem Spanisch-Kenntnisse sind zum Verständnis der Ausstellung nützlich, helfen aber auch nur bedingt.

Die Ausstellung „Republica Colapsada“ ist noch bis zum 30. August in der LiTE-HAUS Galerie (Mareschstr. 4) zu sehen; Öffnungszeiten: Di. – Fr. 12 – 18, Sa. 12 – 17 Uhr.

=Christian Kölling=