Nachfeier des 7. Schillermarkt-Geburtstags

aenderungsschneiderei herrfurthplatz_neukoellnMan schrieb das Jahr 2009, und der Schillerkiez war Neuköllns trister Vorposten zu einem großem Nichts, dem Tempelhofer Feld. Dort war der Flugverkehr zwar bereits 2_eroeffnung schillermarkt 2009-05-16_neukoellneingestellt, aber bis zur Öffnung des Freizeitareals sollte noch ein Jahr vergehen. Auf dem Herrfurthplatz stand noch eine Telefonzelle und rund um den Platz gab es einen Supermarkt, die Filiale des Beschäftigungsträgers Bequit eine Apotheke, eine Kita, eine Änderungsschneiderei, das SPD-Bürgerbüro, einen Kulturverein und eine Eckkneipe.

Noch trostloser sah es allerdings in anderen Straßen des Kiezes aus. Kurzum – mit dem Schillerkiez von heute hatte der Schillerkiez damals kaum etwas gemeinsam: Die Mieten waren im Keller, der Gewerbeleerstand auf seinem Höhepunkt, und als am 16. Mai 2009 erstmals seit fast 20 Jahren wieder ein Wochenmarkt auf dem 6_eroeffnung schillermarkt 2009-05-16_neukoellnHerrfurthplatz stattfand, hielten sich Hoffnungen und Zweifel, ob er Anklang finden würde, die Waage. Wobei letztere vor allem dadurch genährt wurden, dass ausschließlich qualitativ hochwertige Produkte 5_eroeffnung schillermarkt 2009-05-16_neukoellnangeboten werden und sich zudem regelmäßig Künstler, Kunsthandwer-ker und in Neukölln beheimatete Communitys mit kulturellen Beiträgen präsentieren sollten.

Die Idee für das Revival des Marktes, den es rund 80 Jahre in der Schillerpromenade gegeben hatte, stammte von Beate Hauke und ihren Mitstreitern vom Pro Schillerkiez e. V.. Für die Durchführung holte sich der Verein nicht nur Kooperationspartner aus dem Kiez, sondern auch die Marktverwaltung Perske mit 1_eroeffnung schillermarkt 2009-05-16_neukoellnins Boot. Zudem gelang es ihm, den alljährlichen Wettbewerb der Zentren-Initiative MittendrIn Berlin! und somit eine Anschubförderung zu gewinnen. Etwa 140 Stände reihten sich bei der Schillermarkt-Premiere rund um den Herrfurthplatz; auf 15.000 Besucher 7_eroeffnung schillermarkt 2009-05-16_neukoellnschätzten die Organisa-toren die Zahl derer, die das reaktivierte Markttreiben samt Bühnenprogramm miterlebten.

Nach dem Auftakt sackte der Zuspruch jedoch ab. „Der 4_eroeffnung schillermarkt 2009-05-16_neukoellnMarkt lief mit seinem mehr als Qualität als auf Niedrigpreise setzenden Angebot nicht gut an“, wird Marktverwalter Rainer Perske in einer Dokumentation zitiert, die im Dezember 2010, nach einer Veranstaltungsreihe zum 650. Geburtstag Rixdorfs, vom Pro Schillerkiez heraus-gegeben wurde. Die Zukunft des Marktes sah er aber schon damals durchaus optimistisch, nicht zuletzt wegen des begünstigenden Faktors Tempelhofer Feld. Nur: Diverse Anbieter hatten nicht die Geduld oder finanziellen Polster, um auf die Zukunft zu warten. weinhandlung landsmann_neukoelln„Von den Händlern der ersten Stunde sind nur noch eine Handvoll dabei“, sagt Mario Landsmann, der anfangs an einem Stand auf dem Schillermarkt Wein verkaufte und angelmuehle fischraeucherei schillermarkt_neukoellninzwischen seit Jahren einen Laden am Herrfurthplatz hat. Insbesondere, dass der Fisch-händler weg ist, der direkt auf dem Markt frisch räucherte, bedauern viele Anwohner, die es nicht erst sind, seit der Schillerkiez boomt. Sondern sich noch an die Zeit erinnern können, als Immobilien keinen reißenden Absatz fanden, die Zwischennutzungsagentur zur Bekämpfung des Gewerbe-Leerstands eingeschaltet wurde, Gastronomie rar war und der Markt aus nur schillermarkt2010_neukoellnwenigen Ständen bestand.

Heute habe sich der Schillermarkt „als Einkaufs-stätte und Ort der Begegnung erfolgreich etabliert“, wobei die Grundidee, regelmäßig Einrichtungen aus dem Kiez vorzustellen, beibehalten wurde, resümiert Rainer Perske in einer Pressemitteilung anlässlich des bevorstehenden Kulturenfests zum siebenjäh-rigen Bestehen. In diesem Jahr werde die Marktfläche sogar erweitert, das Angebot vergrößert, und donnerstags gebe es einen zweiten Markttag, teilt der Marktverwalter weiter mit. Für Mitte August/Anfang September sei letzteres geplant und eine entsprechende Genehmigung des Ordnungsamts schon mündlich avisiert, 3_eroeffnung schillermarkt 2009-05-16_neukoellninformiert er auf Nachfrage. Für die Flächenerweiterung des Marktes am Samstag liege die behördliche Genehmigung hingegen bereits vor: „Wir werden diese Fläche Stück für Stück in Betrieb nehmen.“ Damit nähert sich die Größe des Marktes weiter der Vision an, die Perske Ende 2010 gegenüber dem Pro Schillerkiez schon für 2015 geäußert hatte, indem er von „jeden Samstag etwa 30 bis 40 Stände“ sprach.

Morgen, beim Schillermarkt-Kulturenfest in Anwesenheit von Bezirksbürgermeisterin Giffey, sollen es gut 100 Stände sein. Außerdem erwartet die Besucher als Highlight eine Streetopera von O-Filia sowie ein – von der Markt-verwaltung nicht näher benanntes – „abwechslungsreiches Rahmenprogramm auf zwei Bühnen mit Musik, Tanz und Spielen“. Ins Leere gelaufen sind indes die Planungen einer Eisparade, die parallel zum Kulturenfest stattfinden sollte: Sie hätte zwar gut zum morgigen Vanilleeis-Tag gepasst, da der aber wiederum genau in die Berliner Sommerferien fällt, passte der Termin zu wenigen potenziellen Mitmachern.

=ensa=

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