„Jetzt muss der Integrations-Turbo gestartet werden!“

Ganz im Zeichen der Flüchtlingspolitik stand der vergangene Freitag in Neukölln: Auf dem Alfred-Scholz-Platz hatten Bewohner und Mitarbeiter der Malteser-Notunterkunft bvv-saal_konferenz integration von fluechtlingen in neukoellnim ehemaligen C&A-Haus zu einem großen Fest der Begegnung eingeladen. Eine Straßenecke weiter, im Rathaus Neukölln, fand fast zeitgleich die mit weit über 100 Teilnehmern sehr gut besuchte Fachkonferenz „Integration von Flücht-lingen in Neukölln“ statt.

„Die aktuellen Entwicklungen der Migration nach Berlin und in den Bezirk Neukölln haben zu einem bedeutenden Engagement verschiedenster Akteure geführt. Um dieses künftig noch besser organisieren zu können, lädt das Bezirksamt Neukölln Akteure aus Zivilgesell-schaft und Unternehmen zur Fachkonferenz ein“, hieß es in einer Pressemitteilung von Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey, die das Symposion gemeinsam mit Sozialstadtrat Bernd Szczepanski ausrichtete. In fünf moderierten Workshops zu den arbeitsgruppen_konferenz integration von fluechtlingen in neukoellnThemen Arbeitsmarkt, Spracherwerb, Kinder- und Jugendfreizeitgestaltung, Wohnen sowie Werte, Zusammenleben und Demokratievermittlung sollten konkrete Ergebnisse erarbeitet und festgehalten werden, um die Zusammenarbeit im Bezirk dauerhaft zu verbessern.

„Es geht um Bildung, Arbeit, Wohnen“, benannte Giffey griffig die wichtigsten Handlungsfelder, ohne dabei zu verschweigen, dass in einem Teil der alteingesessenen Bevölkerung durchaus Zweifel und Ablehnung gegen die deutsche Flüchtlingspolitik herrschen, die bis hin zu offener Fremden-feindlichkeit reichen. „Es gibt viele Leute, die haben Vorbehalte. Es gibt auch die, die nicht ‚Willkommen‘ sagen wollen, sondern ‚Grenzen hoch!'“, charakterisierte sie die szczepanski_konferenz integration von fluechtlingen in neukoellnSituation. Auch Bernd Szczepanski (r.), der eine zehnminütige Einführungsrede hielt, betonte, dass bei allem Engagement für Geflüchtete nicht die Problem-lagen der ansässigen Bevölkerung vergessen werden dürften. „Es gibt viele fremdenfeindliche Übergriffe. Nicht alles ist Friede-Freude-Eierkuchen. Das hat auch mit sozialen Problemen zu tun“, sagte der Sozialstadtrat. Gefordert sei eine Integrations-politik, die die Fehler der Vergangenheit nicht wieder-hole. „Sie kennen sicherlich auch Menschen mit Migrationsgeschichte in Neukölln, die jahrzehntelang nur mit einer Duldung leben“, sprach er das Fach-publikum direkt an. Viele der Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, 8-bett-zimmer fluechtlings-uku_ehem c+a neukoellnseien dankbar für die Aufnahme und würden dem Land gerne etwas zurückgeben. „Wir dürfen die Menschen in den Flüchtlingsunterkünften nicht versauern lassen“, forderte Szczepanski.

Als dritte Rednerin stellte Laura Krause die Arbeit der Neuköllner Koordinierungsstelle für Flüchtlingsfra-gen vor. Die im vergangenen Jahr neu eingerichtete Stelle sei sowohl Schnittstelle innerhalb des Bezirksamtes und zur Senatsebene als auch Kontaktstelle für ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, Initiativen und für Flüchtlingsunterkünfte. Eine der derzeit wichtigsten Aufgaben sei es, die immer noch als Notunterkunft genutzten Turnhallen in Neukölln freizuziehen. Große Hoffnungen setze der Bezirk deshalb auf die zu errichtende Unterkunft in der Gerlinger Straße im fest der begegnung neukoellnSüden Neuköllns, um die Unterbringungssituation der Geflüchteten zu entspannen.

Während anschließend die Teilnehmer der Konferenz in ihre Workshop-Räume gelotst wurden, um sich für die anderthalbstündige Arbeit in Gruppen zurück-zuziehen, lief das Fest der Begegnung auf dem Alfred-Scholz-Platzduetemeyer_giffey_nowak_fest der begegnung neukoelln schon auf Hochtouren. Gegen 15 Uhr war Bezirksbürger-meisterin Giffey für eine kurze Ansprache gekommen. Sie erinnerte an die Zeit, in der täglich tausende Flüchtlinge in Berlin eintrafen. „Nach der Notversorgung kommt nun die Phase der Integration“, erklärte Giffey und dankte Raphael Dütemeyer (l.), dem Leiter der Notunterkunft im ehemaligen C&A Haus, die kurz vor Weihnachten in Betrieb genommen wurde, für das Engagement seiner hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Matthias Nowak (r.), der die Arbeit aller Flüchtlingsunterkünfte der Malteser in Berlin koordiniert, giffey_nowak_fest der begegnung neukoellnfreute sich darüber, dass inzwischen 90 Kinder der Notunterkunft einen Schulplatz gefunden hätten. „Jetzt muss der Integrations-Turbo gestartet werden! Wir brauchen Arbeits- oder zumindest Praktikumsplätze für Geflüchtete“, forderte er. Mit der Facebook-Seite „New Faces of Berlin“ werden einige der Neu-Neuköllner kurz hau den lukas_fest der begegnung neukoellnporträtiert, um sie und ihre Schicksale den Berlinern näher zu bringen.

Damit die Menschen beim Fest miteinander in Kontakt kommen, halfen Angebote wie Kinderschmin-ken, Ballonmodellage, Töpfern und eine Hüpfburg. Der Hau-den-Lukas nebenan – international unter dem englischen Wort Strongman bekannt – war Publikumsmagnet bei den Älteren. Für das abwechslungsreiche Kultur-Programm, zu dem eine Kinder-Choreographie der „Vogelhochzeit“ ebenso wie Streetperformer, Kinder-Yoga, Akrobatik, Trommelgruppen und syrische Volksmusik gehörten, stand die Bühne des Fujiama Nightclubs bereit. Außerdem gab es Essen und Getränke an verschiedenen Buden sowie Informationsstände der Malteser und anderer Initiativen. Das Kulturlabor Trial & Error stellte seinen Tauschladen und die Foodsharing Initiative sowie das neue Projekt Solidarische Landwirtschaft vor, das einmal wöchentlich frisches Gemüse vom Auenhof Havelland nach Neukölln bringt. Der Künstlerverein Artistania warb für seine Kurse für Deutsche in Arabisch, Kurdisch und der westafrikanischen Sprache Bambara. Weniger exotisch waren dagegen die Angebote der Deutsch-Arabisch Unabhängigen Gemeinde und der Bildungswerk in Kreuzberg GmbH, szczepanski_konferenz integration von fluechtlingen in neuköllndie über Deutsch- und Integrationskurse sowie über von der Agentur für Arbeit geförderte Fortbildungskurse informierten.

Im Rathaus fanden sich gegen 19 Uhr die Besucher der Fachkonferenz „Integration von Flüchtlingen in Neukölln“ noch einmal gemeinsam im BVV-Saal zur Vorstellung der Workshop-Ergebnisse durch Moderator Kemal Hür ein. Bezirksstadtrat Bernd Szczepanski machte ausführlich Notizen und sprach kurz zum Abschluss, da die Bezirksbürgermeisterin wegen eines Paralleltermins verhindert war. Es wurde in Aussicht gestellt, das bezirkliche Integrationskonzept aus dem Jahr 2009 zu aktualisieren. Die Tagung endete harmonisch beim Get-together mit einem kleinen Buffet.

Mit Brote aus der Heimat will Sozialstadtrat Szczepanski in Kooperation mit Domberger Brot-Werk am 20. Juli von 11 bis 16 Uhr auf dem Alfred-Scholz-Platz ein weiteres kulinarisches Zeichen für die Völkerverständigung und Integration Geflüchteter im Bezirk Neukölln setzen.

=Christian Kölling=

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