Premiere fernab des Südens

So weit im Norden Neuköllns wie gestern war er noch nie. „2008 gab es den ersten Kreiskirchentag in der Gropiusstadt, wo er 2010 wieder stattfand“, berichtet kreiskirchentag2016 neukoellnEbba Zimmermann, die Öffentlichkeitsbeauftragte beim Ev. Kirchenkreis Neukölln. 2012 war er dann in Königs-Wusterhausen, weil seit einer Fusion auch einige Gemeinden in Brandenburg Mitglieder des Neuköllner Kirchenkreises sind: „Und 2014 fiel er wegen einer anderen Großveranstaltung ganz aus.“

Nun also die Premiere in Nord-Neukölln, mit dem Motto „Weltweit – weltoffen“ und der Genezareth-Kirche am Herrfurthplatz als Gast-geberin. „Gemeinden, die so optimale örtliche Bedingungen bieten, haben wir auch nicht viele“, sagt Zimmermann. Der Platz, der ohnehin an Sonnabenden wegen des herrfurthplatz_kreiskirchentag2016 neukoellnSchillermarkts nur stückweise befahrbar ist, wurde wegen des Fests kurzum ganz gesperrt. Es werde „ein großes Fest“ werden, hatte Superintendentin Viola Kennert die Anwohner bereits Wochen vorher infor-miert – undkreiskirchentag2016_neukoelln eingeladen mitzufeiern, um zu „erle-ben, wie bunt unsere Evangelische Kirche ist“. Denn eine weitere Besonderheit des zusammen mit dem Berliner Missionswerk ausgerichteten Kreiskirchentags sei diesmal, neben der örtlichen, so Ebba Zimmermann, genezareth-kirche_kreiskirchentag2016 neukoellndie Vielzahl der teilnehmenden Partnergemeinden: Christliche afrikanische, indonesische, koreanische und rumänische Glaubensgemeinschaften, die regel-mäßig kistenklettern_kreiskirchentag2016 neukoellnin Neuköllner Kirchen ihre Gottesdienste feiern.

Knapp 50 Stände mit internationalem Streetfood, Informationen, Aktionen und Bewegungs-, Denk- und Geschicklichkeitsspielen für Klein und Groß hatten sich um die Genezareth-Kirche gruppiert und den Herrfurthplatz zu einem quirligen Ort der Begegnung gemacht. Auch muesli-stand_kreiskirchentag2016 neukoellnNeuköllns Kommunalpolitik war in beschlussfähiger Stärke präsent. Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey kinder-programm_kreiskirchentag2016 neukoellneröffnete – zwischen Gropiuslauf und einer Führung durch Alt-Rudow – nicht nur das Fest, sondern auch die Reihe der Talkrunden auf den roten Sofas. Der Neuköllner Bundestagsabgeordnete Dr. Fritz Felgentreu (SPD), die Stadträte Falko Liecke (CDU), Jan-Christopher sofagespraeche kreiskirchentag2016 neukoellnRämer (SPD) und Bernd Szczepan-ski (Grüne) mischten sich ebenso unter die Besucher wie Kandidaten, die Neukölln nach der Wahl im Abgeordneten-haus vertreten wollen.

Das Global Village des Berliner Missionswerks, in dem Projekte der weltweiten Ökumene vorgestellt wurden, befand sich passenderweise in direkter Nachbarschaft zu den Sofagesprächen. „Rund 80 Geflüchtete konnten von Kirchenkreis-Gemeinden in Wohnungen vermittelt werden, sofagespraech mit giffey_kreiskirchentag2016_neukoelln35 Patenschaften sind zwischen Gemeindemitgliedern und Flüchtlingen entstanden“, führte Alix Rehlin-ger (r.), Leiterin des Fachbereichs Integra-tionshilfe beim Diakoniewerk Simeon, in die erste Talkrunde ein. Auf den Sofas außer-dem zwei Geflüchtete, Neuköllns Bezirksbür-germeisterin und eine Patin (l.), die seit Herbst letzten Jahres einen Yeziden betreut.

„Er besucht uns oft und sieht, wie wir leben, das ist das Wichtigste, weil unsere alltäglichen Dinge den Flüchtlingen fremd sind und wir sie ihnen zugänglich sofagespraech giffey_rehlingermachen müssen“, beschrieb Gudrun Lenzendorf die praktische Seite der Patenschaft. Inzwischen sei fast so etwas wie eine familiäre Beziehung daraus sofagespraech fluechtlingeentstanden, die sie und ihr Mann als sehr bereichernd empfän-den. „Der Kontakt zu Deutschen ist wichtig“, bestätigte auch der junge Yezide, der seine Sprachkenntnisse inzwischen erheblich ausbauen konnte und in wenigen Tagen ein Praktikum in einem Berliner Krankenhaus beginnen wird. Sein Ziel sei es, Medizin zu studieren, erklärte er. Bereits mitten auf dem Weg zu einem akademischen Abschluss war indes die 24-jährige Syrerin, die auf dem Sofa Platz nahm. Sie habe Soziologie studiert und wolle ihr Studium hier fortsetzen, umriss die mukketierbande_kreiskirchentag2016 neukoellnsie – gestört vom Sound der in der Nähe aufspielen-den Mukketier-Bande – ihre Pläne. Mit Herausfor-derungen anderer Art sah bzw. sieht sich hingegen Dr. Franziska Giffey konfrontiert: Etwa 10.000 Geflüchtete würden aktuell noch in Berliner Sporthallen leben, und das müsse ein Ende haben. „Ihre Integration in Bildung und Arbeit ist unsere Hauptaufgabe, deshalb ist es wichtig, dass die Berufe Geflüchteter anerkennt werden“, konstatierte die Bezirksbürgermeisterin, die am Freitag zu einer Konferenz mit fast 200 Teilnehmern im Rathaus einlädt, um Zukunft zu gestalten: „Entscheidend ist, dass wir die Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen.“

Am frühen Abend endete der diesjährige Kreiskirchentag mit einem Open Air-Gottesdienst. Die Veranstaltung nicht im Neuköllner Norden zu wiederholen, wo gänzlich andere Themen als im Süden den Alltag prägen, wäre durchaus ein Fehler.

=ensa=

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