Von irgendwo ins Nirgendwo

bvg-haltestelle_radweg_neukoelln-rudowEingeschlossen zwischen zwei Radwegen in gegenläufiger Richtung müssen Fahrgäste an der Haltestelle der BVG-Buslinien 373 und 744 auf der baustelle u7 rudow_neukoellnGroß-Ziethener Chaussee am U-Bahnhof Rudow auf ihre Busse warten.

Der Gehweg ist an dieser Stelle praktisch nicht vorhanden und wurde dem Radverkehr geopfert. Die erste Vermutung, dass diese Behinderung des Fuß- und ÖPNV-Verkehrs zumindest dem Radverkehr nutzen würde, stellt sich allerdings als ein Irrtum heraus. „Der Radweg ist falsch gezogen. Hier gibt es immer wieder Zank und Streit zwischen Fußgängern und Radfahrern“, schimpft eine ortskundige Passantin. Hinter der Biegung an der Imbissbude endet radfahreuzen_drogerietuer_neukoellnder gelb markierte Fahrradstreifen nämlich plötzlich im Nichts.

Direkt gegenüber der Tür eines Drogeriemarktes steht das Gefahrenzeichen 138, „Radfahrer kreuzen“ – ein rot umrandetes, dreieckiges Verkehrsschild mit Fahrradsymbol auf weißem Grund. Nur weil Sonntag ist und die Tür deshalb geschlossen bleibt, radweg_fussweg_tuer_neukoelln-rudowist an dieser Stelle heute kaum Betrieb.

Nähert man sich dem Gefahrenpunkt vor der Ladentür aus der entgegengesetzten Richtung, ist leicht zu erkennen, warum hier unter der Woche so viele Radler unterwegs sind: Fahrräder, die vom Radweg neben dem Fußweg der Neuköllner Straße kommen, werden auf den ausgeschilderten Gehweg in Richtung Groß-Ziethener Chaussee weitergeleitet, denn unter dem runden blauen Verkehrszeichen ist das Zusatzschild „Radfahrer frei“ angebracht und ein gelber Strich auf dem Pflaster scheint einen separaten Radstreifen anzudeuten. Ob es Zufall oder Absicht radweg_fussweg_gegenverkehr_neukoelln-rudowist, dass der schriftliche Zusatz „frei“ unter dem Fahrrad-Piktogramm von einem hellbraunen Klebe-band etwas verdeckt wird? Unzweifelhaft ist nur: Der gelb markierte Streifen wird immer enger, bis er schließlich ganz verschwindet. „Is‘ ja Wahnsinn“, flucht ein Mann, der nahe der Tür des Wettbüros an der Baustelle seinen Fahrradlenker herumreißt, um einer rot-weiß-gestreiften Absperrung auszuweichen, die eine Aufasphaltierung sichert.

Auf die Gefahrenpunkte der Baustelle am U-Bahnhof Rudow hatte das FACETTEN-Magazin schon einmal im Mai, nach einem Ortstermin des BVV-Ausschusses für Verkehr und Tiefbau, aufmerksam gemacht. Weil sicheres Radfahren an Baustellen überall in der Stadt zu einem drängenden Thema geworden ist, hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt inzwischen eine berlinweite Beschwerdemöglichkeit eingerichtet. „Bei der Ausweisung von Baustellen kommt es leider immer wieder zu fehlerhaften oder missverständlichen Ausschilderungen oder Verkehrsführungen“, räumt die Verwaltung in einer kürzlich veröffentlichten Pressemitteilung ein: „Die Verkehrslenkung Berlin will dies stärker kontrollieren, ist dabei aber auch auf die Mithilfe der Verkehrsteilnehmenden angewiesen. Schicken Sie uns eine E-Mail an Rad+Baustelle@Senstadtum.berlin.de“, bittet die Behörde. Gefragt sind eine kurze Beschreibung des Verkehrsproblems, ein Foto und die neukoellner str_grossziethener str_neukoelln-rudowgenaue Lage der Baustelle.

Keine Gefahrenmeldung soll unbearbeitet bleiben. „Die VLB wird die Sachlage, die zu der Gefährdung geführt hat, zunächst prüfen und dann Abhilfe schaffen oder den Hinweis bei Zuständigkeit der Bezirksämter dorthin weiterleiten. Bei Abgabe an einen Bezirk gibt es eine entsprechende Information für die Hinweis-gebenden“, verspricht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

Eigene Lösungsvorschläge müssen die Bürgerinnen und Bürger nicht unbedingt machen. Trotzdem sei am Ende angemerkt: Vielleicht wäre es das Beste, die gelben Markierungen auf dem Gehweg einfach zu entfernen. Überprüft werden sollte ferne, ob die Radwege-Benutzungspflicht an der Kreuzung Neuköllner/Groß-Ziethener Straße nicht wenig-stens bis zum Ende der Bauarbeiten am U-Bahnhof Rudow aufgehoben werden kann.

=Christian Kölling=

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