Geschäftsmann, Gründer, Gönner, Gelegenheitsarchäologe und Gärtner: Wer war Franz Körner?

Franz Körner_undatiert_Archiv Museum NeukoellnHeute vor 105 Jahren starb Franz Wilhelm Sebastian Körner. Wer war dieser Mann, nach dem der körnerpark neuköllnNeuköllner Körnerpark benannt wurde, dessen 100-jähriges Bestehen ab übermorgen groß gefeiert wird?

Wikipedia ist hier wenig hilfreich. Weder sind sein dritter Vorname noch der Geburtsort richtig angegeben. Und mit Catérine Elisabeth, geborene Josty, war Franz Körner auch nie verheiratet. Zutreffend ist aber, dass er am 1. März 1838 – allerdings in Spandau – geboren wurde. Sein Vater Wilhelm betrieb dort eine kleine Mahl- und Schneidemühle, die ihn, seine Frau Marie und die 15 (!) gemeinsamen Kinder nur kärglich ernährte.

Die einfachen Verhältnisse, in denen Franz aufwuchs, führten möglicherweise zu seinem späteren ausgeprägten sozialen Verständnis gegenüber der ärmeren Bevölkerung. Nach dem Willen des Vaters sollte er einen kaufmännischen Beruf erlernen, um die Firma später weiterzuführen. Seine Ausbildung führte ihn nach Hamburg, später auch nach England. Von 1883 bis 1885 war er tatsächlich Mitinhaber der Spandauer Firma W. Körner & Sohn. Das versetzte ihn offenbar in die kms188 neukoellnLage, sich auf eigene Füße zu stellen und im Dezember 1885 das Grubengelände an der Bergstraße 50/52 (heute: Karl-Marx-Straße 188-200) für 30.000 Mark zu kaufen. Nach zwei Jahren war diese Grube ausgebeutet und er erwarb kga blaschkotal neukoellndeshalb von den Jansaschen Erben noch einen etwas seitwärts hinter seiner bisherigen Grube gelegenen Landstreifen, den heutigen Körnerpark, hinzu.

Im gleichen Jahr erstand Franz Körner zusammen mit den Kommerzienräten Preuss und Pintsch, ein vom Rittergut Britz überlassenes Terrain zwischen der heutigen Buschkrugallee, dem Britzer Damm, der Blaschkoallee und der Franz-Körner-Straße mit der Absicht, hier einen neuen Britzer Ortsteil entstehen zu lassen. Das klappte jedoch so nicht, so dass er – wie in Rixdorf – das Gelände als Sand- und Kiesgrube unter der Bezeichnung Britzer kga blaschkotal_neukoellnKies- und Sandgruben-Gesellschaft von Körner & Co. nutzte. Heute ist die Mehrzahl der Gruben zugeschüttet und bebaut; lediglich zwischen Blaschkoallee und Hannemannstraße lässt die Kleingartenkolonie Blaschkotal Archäologischer Fund_Franz Koerner_Archiv Museum Neukoellnlässt die ehemalige Topografie erahnen.

Die Kiesgruben, die Franz Körner viel Geld einbrach-ten, waren auch der Anlass, sich für prähistorische Funde zu interessieren. Im Vorwort seiner 1904 mit dem Titel „Eine Fahrt ins Wunderland“ heraus-gegebenen Beschreibung einer Reise durch Ägypten begründet er seine Sehnsucht nach dem Reich der Pharaonen: „Woher diese Vorliebe? Die zahlreichen Funde aus prähistorischer Zeit, welche in meinen cover eine fahrt ins wunderland_spreehund-verlagKiesgruben zutage gefördert wurden und nun eine Zierde vieler öffentlicher Museen und meines kleinen Privat-museums bilden, haben in mir das Interesse für vergangene Zeiten erweckt und mich zum eifrigen Sammler gemacht.“

Dieses archäologische Interesse ließ Körner Mitglied des einst sehr bekannten Geschichtsvereins Brandenburgia werden, dem er bis zum Tode angehörte. Obwohl Laie, blieb es nicht aus, dass er mit bedeutenden Männern der Archaeologischer Fund_Franz Koerner_Archiv Museum NeukoellnWissenschaft zusammenkam, die in seinen Gruben die neuesten Funde besichtigen und begutachten wollten. In seinem Gästebuch verewigten sich u. a. Rudolf Virchow, der Begründer der modernen Pathologie,  der Botaniker Paul Ascherson und Ernst sonnenblumen neukoellnFriedel, nach dem die Neuköllner Friedelstraße benannt wurde.

Neben dem Steckenpferd Archäologie betätigte sich Franz Körner auch als Gärtner. Im Rahmen der Körnerschen Obstbaumkultur züchtete er den 500 Gramm schweren Zwedenapfel, der als eine neue Apfelsorte nur an dieser Stelle gezogen wurde. Auch die Tomate wurde in Rixdorf wohl erstmalig in seinem Garten angebaut. Berühmt geworden sind insbesondere seine Riesensonnenblumen. Sie wurden vom Berliner Botaniker Ludewig Wittmack auf den Namen „Helian-thus annuus Bismarckia“ getauft. In der Humoristischen Kultur-Anweisung für Körners Riesen-Sonnenblume koernerpark neukoellnheißt es: „… Wie eine Bratenschüssel groß, vollkommen schön und tadellos …“

Eine Sehenswürdigkeit Rixdorfs war die in Körners ausgebeuteter Kiesgrube hergerichtete Parkanlage, Vor-gängerin des heutigen Körnerparks. Vom September 1892 an konnte die Anlage vor- und nachmittags besichtigt werden. „Den wenigsten Einwohnern unseres Ortes dürfte es bekannt sein, dass sich in der Hauptstraße hierselbst, in der Bergstraße, ein reizendes Fleckchen Erde befindet, welches sich zu einem dankbaren landschaftlichen Motiv für Franz Körner_um 1905_Archiv Museum Neukoellneinen Maler eignen würde“, schwärmte damals ein Journalist.

Auch sonst war Franz Körner (l.) recht umtriebig. Politisch zwar kaisertreu mit den in dieser Zeit üblichen kolonia-listisch-rassistisch gefärbten Ansichten, agierte er gleichermaßen liberal und schien auch republikanischem Gedankengut nicht abgeneigt. Vielleicht war letzteres der Grund, dass ihm die von ihm heißersehnte Verleihung eines kaiserlichen Ordens versagt blieb. Von den Kommunalbehörden in Rixdorf und Britz war er jedenfalls sehr geachtet, haben sie von seiner Freigiebigkeit doch stark profitiert. So ließ er im Winter von 1887/88 erstmals für die Rixdorfer Bevölkerung auf seinem Grundstück eine Eisbahn anlegen. Das nach ihm benannte Körnersche Wäldchen in Britz stellte er dem Musikverein Allegro für sein 10. Stiftungsfest zur Verfügung. Im Juli 1910 überließ Körner dieses Wäldchen für einen provisorischen Spielplatz. Körner half, wo er nur konnte, armen Kindern und betagten Leuten. Im September 1891 verteilte er auf seinem Rixdorfer Grundstück an 40 Familien Kartoffeln und Gemüse. Die Britzer Schule erhielt mehrmals von ihm Zuwendungen, damit die Lehrer mit den Schülern Ausflüge unternehmen konnten. Und in aller Munde waren die seit 1891 veranstalteten Weihnachtsfeiern, bei denen regelmäßig 100 bis 250 Personen beschenkt wurden. Einem Bericht aus dem Jahre 1894 zufolge „hatte jeder Platz des Gabentisches ein Lichtlein, Christstolle, Äpfel und Nüsse, dazu Kleidungsstücke, Wirtschaftsgeräte, für die Kinder außerdem Schulutensilien und Spielzeug. Zum Beschluss des Festes bekam jede Frau noch Berechtigungsmarken für einen Festbraten, für Presskohlen und Gemüse.“

Auch für seine Grubenarbeiter, Gärtner und das Dienstpersonal wurde gesorgt. So bekamen seine zahlreichen Arbeiter schon mal neben anderen passenden Geschenken Sparkassenbücher mit Spareinlagen. Für die Gemeinde Britz rief er die F. W. Körner-Stiftung ins Leben, die 1909 auf 20.000 Mark erhöht wurde. Die Stadt Villa Clara_Jonasstrasse_Archiv Museum NeukoellnRixdorf erhielt 1911 ein Legat von 3000 Mark. Die Zinsen beider Stiftungen, bestimmte Körner, sollten den Orts-armen zufließen.

Clara, geb. Neumann, war seine zweite Frau. Er heiratete die damals 40-Jährige im August 1890, nachdem seine erste Frau ein Jahr zuvor gestorben war. Aus der ersten Ehe gingen vier, aus der zweiten ein Kind hervor. Im Jahre 1905 ließ Körner für sich und seine Familie unweit des wohnhaus franz koerner_jonasstr 66 neukoellnKörnerparks das Haus in der Jonasstraße 66, die Villa Clara, als Sommersitz bauen. Hier richtete er auch ein Museum ein, in dem er seine gesammelten Fundstücke aus den Kiesgruben, aber auch andere von ihm zusammengetragene Raritäten und Kuriositäten ausstellte. Die Wohnung in der heutigen gedenktafel franz koerner_jonasstr 66 neukoellnHändelallee in Tiergarten diente von da ab nur noch als Winterdomizil.

Eine verblasste Gedenktafel soll in der Jonasstraße des einstigen Bauherrn gedenken. Bis Ende 2012 gab es an der Ecke zur Karl-Marx-Straße noch die Körner-Apotheke; jetzt befindet sich dort ein Schnellrestaurant. Aber es gibt ja noch die Franz-Körner-Straße, franz-koerner-str neukoellndie an den erfolgreichen Geschäftsmann erinnert, denn die Britzer hatten sie noch zu seinen Körner im Kreis der Familie_Archiv Museum NeukoellnLebzeiten nach ihm benannt.

In seinen letzten beiden Lebensjahren wurde der Mann, der mit Kies zu Reichtum kam, wie auch seine Frau zum Pflegefall. Franz Körner starb am 2. Juni 1911 in seiner Wohnung. Sein Leichnam wurde zunächst in der Villa Clara aufgebahrt und später auf dem Parochialfriedhof bestattet. In der Trauerrede sagte Superintendent Kritzinger: „Mit dem Weggang des Grubenbesitzers Franz Körner ist eine Persönlichkeit von uns geschieden, eine bekannte und vielgeliebte und auch hoch verehrt. Eine Persönlichkeit, die niemand, der mit ihr in Beziehung gekommen ist, um ihrer eigenartigen Charaktereigenschaften willen vergessen konnte. Ein Mann, der ein Leben geführt hat, reich an Arbeit, aber auch reich an Segen, … Ja, sein Leben ist eine schöne und große Illustration zu dem Dichterwort, wie er selbst an den Giebel seines Hauses hat schreiben lassen: Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis.“

=kiezkieker/Reinhold Steinle=

(Veröffentlichung der Archivbilder mit frdl. Genehmigung des Museums Neukölln)

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