Ein neuer, würdiger Platz für eine neue Gedenktafel

weigandufer16_wildenbruchstr_neukoellnAm Weigandufer 16, gegenüber vom Wilden-bruchpark, wohnten von 1926 bis 1933 der sozialdemokratische Politiker Franz Künstler und sein Ehefrau Margarete in einer Wohnung im dritten Stock. Seit Freitag erinnert wieder eine Berliner Gedenktafel an Künstler, der am 13. Mai 1888 im Kreuzberger Kiez SO36 geboren wurde.

Eine Gedenktafel, die 1993 in Neukölln am Haus Elsenstraße 52 montiert wurde, wo Künstler von 1933 bis zu seinem Tod am 10. September 1942 wohnte, verschwand 2013 nach Renovierung der Hausfassade spurlos. „Ich freue mich, dass es gelungen ist, wieder einen Platz für die Gedenktafel giffey_enthuellung gedenktafel franz kuenstler_neukoellnfür Franz Künstler zu finden“, sagte die Neuköllner Bezirks-bürgermeisterin gedenktafel franz kuenstler_neukoellnvor der Enthül-lung der neuen Tafel. „Ein herzlicher Dank geht daher an die GEWOBAG für die Bereit-schaft dem Gedenken an Franz Künstler an der Wohnanlage am Weigandufer 16 einen würdigen Platz zu bieten“, so Dr. Franziska Giffey (l.) weiter. „Mit Unterstützung des Museums Neukölln erfährt der ehemalige Neuköllner Stadtverordnete, Reichstagsabgeordnete und Vorsitzende der Berliner SPD wieder die nötige Anerkennung.“

gruppenfoto_enthuellung gedenktafel franz kuenstler_neukoellnNeben einigen Bezirksverordneten der Neuköllner SPD-Fraktion waren auch Bezirksstadtrat Jan-Christopher Rämer, der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Fritz Fel-gentreu sowie Dr. Udo Gößwald, Leiter des Museums Neukölln, giffey_fricke_rackles_enthuellung gedenktafel franz kuenstler_neukoellnunter den Gästen.

Mark Rackles (r.), Staatssek-retär in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft und Dr. Heinrich-Wilhelm Wörmann, Vorsitzender der Historischen Kommission der SPD Berlin. würdigten den Gewerkschafter und Sozialdemo-kraten, der im Ersten Weltkrieg Soldat und Kriegsgegner war, ab 1917 der USPD angehörte und erst 1922 zur SPD zurückkehrte, nachdem es fricke_woermann_enthuellung gedenktafel franz kuenstler_neukoellnihm nicht gelungen war, einen eigenständigen Kurs zwischen MSPD und KPD zu vertreten, ebenfalls in kurzen Reden.

Dr. Ingrid Fricke (l., neben Wörmann), Historikerin und Biografin von Franz Künstler, erinnerte in ihrer Laudatio, dass der gelernte Maschinenschlosser, der 1907 Mitglied der SPD in Neukölln wurde und neben seiner umfangreichen poli-tischen treptower str 23_neukoellnTätigkeit regelmäßig in einem Chor sang, einen großen Teil seines Lebens in Neukölln verbrachte.

Vor 1926 wohnten er und seine Frau bereits nur einige Ecken entfernt vom Weigandufer 16 in der Treptower Straße 23 (r.). Während der Nazizeit war Franz Künstler nach seiner KZ-Haft zunächst ab Oktober 1934 als Arbeiter in der Maschinenfabrik Hans Blache in der Neuköllner Hobrecht-straße hobrechtstr67_neukoelln67 (l.) tätig, bis er 1938 in die Gestapo-Haftanstalt in der Prinz-Albrecht-Straße kam.

Bei Kriegsbeginn im September 1939, musste Künstler, der durch die Misshandlungen in zwei Haftzeiten schon gesundheitlich schwer geschädigt war, als Lastenträger für das Wehrmachts-Versorgungsdepot in Berlin-Tempelhof zentnerschwere Säcke schleppen. Auf dem Heimweg von dieser Zwangsarbeit erlitt er am 10. September 1942 in der Straßenbahn einen Herzschlag. Franz Künstler wurde nur 54 Jahre alt.

=Christian Kölling=

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