Erst Schillerkiez, dann Sonnenallee, nun Gropiusstadt

lipschitzplatz_neukoelln„Es geht in den Parteien jetzt um die innerparteiliche Positionierung für die Bundestagswahl im nächsten Jahr“, antwortet Dr. Fritz Felgentreu auf die Frage, ob die Vorbereitungen zum Bundestagswahlkampf 2017 bereits begonnen haben.

Kürzlich war das FACETTEN-Magazin bei der Neu-köllner CDU-Bundestagsabgeordneten Christina Schwarzer im Wahlkreisbüro: Jetzt hat der SPD-Bundestagsabgeordnete in sein Bürgerbüro eingeladen, das in einem Flachbau gegenüber vom Gemeinschaftshaus Gropiusstadt am U-Bahnhof Lipschitzallee liegt. „Ich bin in Neukölln politisch sozialisiert worden. Der Schillerkiez ist mein Heimatkiez“, bekennt Felgentreu, der 1968 in Kiel geboren wurde und 1989 zum Studium nach Berlin kam. Von 2001 bis ehem. buergerbuero_herrfurthplatz neukoelln2011 war er als Direktkandidat des damaligen Wahl-kreises 2 im Berliner Abgeordnetenhaus.

Fast mit Pionierstolz sagt er: „Ich war in Neukölln der erste Abgeordnete, der ein Bürgerbüro hatte.“ Die Miete für das Büro am Herrfurthplatz habe er sich mit der Neuköllner SPD geteilt, erklärt Felgentreu. Aus der Kiezgeschichte plaudert der Parlamentarier weiter: „Der Laden war vorher ein Puff, den ein Transsexueller betrieben hatte. Wir mussten erst einmal gründlich entrümpeln und renovieren.“ Die Miete sei nach dem Einzug immer weiter gestiegen. Daher zog Felgentreu 2013 nach der Bundestagswahl zunächst als Untermieter in Büroräume der SPD-Geschäftsstelle in der Sonnenallee, gegenüber vom Sportplatz an der Innstraße. ehem wahlkreisbuero felgentreu_geschaeftsstelle spd neukoelln„Mein Büro war im ersten Stock und nicht zentral gelegen. Deshalb bin ich an den Lipschitzplatz gezogen. Hier kommt viel mehr Laufkundschaft aus der Gropiusstadt, und das Büro direkt am U-Bahnhof ist für alle in Neukölln gut zu erreichen“, begründet er seinen noch nicht lange zurückliegenden zweiten Umzug, in den Süden Neu-köllns. Der Laden am Herrfurthplatz stehe nach wie vor leer. „Der Vermieter hat sich wohl verspekuliert“, meint der Politiker.

Viele Gropiusstädter seien als junge Leute mit Kindern in die Siedlung gezogen und inzwischen hier alt geworden. „Die Gropiusstadt ist ein eigener Kulturraum“, stellt Fritz Felgentreu fest. Das Zusammenleben der Menschen mit unterschiedlicher Herkunft sei unaufgeregt, nicht so hektisch und aggressiv wie im Neuköllner Norden. „Als Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses hatte ich weniger Kontakt. Heute kommen Menschen in die Bürgersprechstunde, die sich oft akribisch darauf vorbereitet haben, mit mir über ein politisches Problem zu diskutieren.“ Felgentreu, der Mitglied im bundestag kuppelVerteidi-gungsausschuss sowie im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Bundestages ist, muss ebenso zu allgemeinen Themen wie TTIP und der Riester-Rente Rede und Antwort stehen, wie bei speziellen Fragen, beispielsweise zu den Arbeitsbedingungen im Wissenschaftsbetrieb.

„Die Gropiusstadt war einmal eine CDU-Hochburg. Eberhard Diepgen erzielte hier als Regierender Bürgermeister fast 60 Prozent. Wir haben die CDU-Hochburg geschleift“, sagt der Sozialdemokrat selbstbewusst. Bei der Bundestagswahl 2013 errang Dr. Fritz Felgentreu im Wahlkreis Berlin-Neukölln 32,3 Prozent der Erststimmen, gefolgt von der CDU-Kandidatin Christina Schwarzer mit 30,6 Prozent. Die Direktkandidaten der Grünen und Linken lagen abgeschlagen bei jeweils 11,7 Prozent der Erststimmen.

„Die AfD könnte ein Problem werden“, vermutet Felgentreu. Er denkt dabei sicherlich nicht nur an die Bundestagswahl 2017, sondern vor allem an die im September stattfindenden Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und zu den Bezirksver-ordnetenversammlungen. Es gebe ein diffuses Unsicherheitsgefühl in der Bevölkerung, obwohl objektiv betrachtet die Kriminalitätsrate in der Gropiusstadt nicht marks_felgentreu_huebers_hartmann-boudol_wahlkreisbuero felgentreu_neukoellnbesonders hoch sei. Erneut versichern Fritz Felgentreu (2. v. l.) und seine Mitarbeiterin Konstanze Hartmann-Boudol (r.), Praktikantin Lisa Marks (l.) sowie Mitarbeiter Sebastian Hübers (2. v. r.), wie unaufgeregt und entspannt das Zusam-menleben in der Gropiusstadt sei. Die aus Polen und Russland gekommenen Menschen seien ebenso wie die türkischen und arabischen Gemeinschaften im wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben in der Gropiusstadt gut verankert. Auch Presseberichte über eine Jugendgang, die Anfang des Jahres einen Kioskbesitzer in der Gropiusstadt bedrohten, weil er Alkohol im Angebot hat, sollten nicht überbewertet werden. Ursache des Konfliktes, gibt der Bundestagsabgeordnete zu bedenken, sei vielleicht weniger das islamistische Gedankengut der Jugendlichen als ihre Langeweile aufgrund fehlender Freizeit-angebote in den Ferien gewesen.

Am 20. Mai um 16 Uhr wird das Bürgerbüro von Fritz Felgentreu feierlich mit Live-Musik, Leckereien vom Grill und kühlen Getränken eröffnet. Als Gäste haben sich u. a. Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, Neuköllns Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey und Karin Korte, Kandidatin der SPD Gropiusstadt für das Abgeordnetenhaus von Berlin, angekündigt.
Informationen und Anmeldung zur Bürgersprechstunde und zu Führungen im Bundestag mit Fritz Felgentreu: Tel. 030 – 568 21 111 (Di. – Fr. 9 – 14 Uhr)

=Christian Kölling=

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