Britz erwartet einen „historischen Erntejahrgang“

britzer weingut_neukoellnZum Feiern war ihnen letztes Wochenende offenbar nicht zumute: Keine Blüten, sondern nur einige schüchterne Knospen trugen die Weinstöcke am Koppelweg zum diesjährigen Britzer Weinblütenfest bei. Dabei gab es durchaus einen Grund zum Feiern, denn es sah lange nicht gut für die Zukunft des Weinanbaus in Neukölln aus, der 2002 begann. Zwischenzeitlich schien sogar eine Räu-mung und Bebauung des Geländes wahrscheinlicher als die Möglichkeit, dort weiter winzern zu können. Doch dann kam mit einer Reform des deutschen Weingesetzes und einer Veränderung in der Neuköllner Bezirkspolitik alles anders.

Nachdem die Rebfläche 2015 per Pflegevertrag mit dem Verein zur Förderung des Britzer Weinguts über die Runden gebracht wurde, übernahm zum Jahresbeginn der Agrarbörse Deutschland Ost e. V. das etwa 4.000 Quadratmeter große Gelände – britzer weinkultur_agrarboerse deutschland ost_neukoellnsamt des Winzers Viktor Sucksdorf, der das Weingut aufbaute. Unter dem Namen „Britzer WeinKultur“ soll es nun sukzessive ausgebaut werden, kündigt der britzer weingut neukoellnneue Pächter an, der dabei nicht nur auf Sucksdorf, sondern auch auf die Kooperation mit dem Förderverein setzt. „Aus dem bisher eher hobbymaßigen Weinanbau wird mit der Ernte 2016 erstmals ein offizieller Wein gekeltert und abgefüllt“, beschreibt er das Nahziel. „Ab 2017 dürfen wir unseren Wein endlich auch ganz offiziell verkau-fen“, teilte berger_toepfer-katow_sucksdorf_britzer weinbluetenfest neukoellnAchim Berger (l.) vom Vorstand des Fördervereins mit, als er das Weinblütenfest eröff-nete, zu dem auch Sabine Toepfer-Kataw (M., neben Sucksdorf), Berlins Staatssekretärin für Verbraucher-schutz gekommen war. Statt vom Britzer Weingut müsse man jedoch vom Britzer Weingarten spre-chen, buehnenprogramm_britzer weinbluetenfest neukoellnverwies er auf die bürokratischen Blüten. Als Weingut dürfe sich eben nur bezeichnen, was auch ein Gut ist, ergänzt Bertil Wewer, der ebenfalls dem Förderverein-Vorstand angehört: „Und weil in Deutschland alles geregelt und genormt ist, weinfass_britzer weingut neukoellndarf unser Wein erstmal nicht Land-, Tafel- oder Prädikatswein, sondern nur ‚Deutscher Wein‘ genannt werden.“ Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Berlin seit Januar diesen Jahres zu Deutschlands Weinanbaugebieten zählt, was maßgeblich der Initiative von Sabine Toepfer-Kataw zu verdanken ist. Traditionell, sagt sie, sei Britz ja eher ein Rosengebiet, sucksdorf_britzer weingut neukoelln„aber der Weinanbau zeigt, dass man dem Klima-wandel auch etwas Positives abgewinnen kann“.

Die 4.000 Quadratmeter-Rebfläche am Koppelweg ist das größte aller Berliner Weinareale. Für Viktor Sucksdorf (r.) ist sie allerdings quantitativ ein Klacks, denn in seiner Heimat Moldawien betreibt der Winzer nach wie vor das vier Hektar große Weingut seiner Eltern. Doch Wein brauche viel Pflege, weiß er. Daher habe man in Britz, wo vor einigen Jahren noch 28 Traubensorten wuchsen, die Artenvielfalt reduziert. weinstoecke_britzer weingut neukoelln 77 Mal werde jeder Weinstock zwischen dem Rebschnitt im März und der Lese im Oktober gepflegt; Trauben für die Herstellung von fünf Weinsorten sollen im Herbst geerntet werden. Wird schautafeln_britzer weinbluetenfest neukoellnein neuer Rebstock ge-pflanzt, müsse man mit drei bis vier Jahren bis zum ersten Ertrag rechnen. Adäquate Witterungs-bedingungen vorausgesetzt, wobei in Britz auch bereits ganze Ernten durch Frost während der britzer weinkultur neukoellnBlütezeit verhagelt wurden.

Auch wegen des Auffangens solcher und diverser anderer Risiken ist die Kooperation zwischen dem Förderverein und der Agrarbörse Deutschland Ost von Vorteil. Sie solle, so die Planungen, durch regelmäßige Events, Angebote zur Umweltbildung und die Zusammenführung von Information und Naturerlebnis „das traditionelle Handwerk des Winzers und den faszinierenden Ort künftig noch erlebbarer machen“.

Am 28. Mai wird im Britzer Weingarten das Fest der Weinkultur gefeiert. Für Kindergruppen werden Veranstaltungen wie „Rebenzwerge auf Entde-ckungsreise“ und „Des Winzers Reben“ angeboten; Hobbywinzer sind am 16. Juli zum Sommerrebschnitt eingeladen.

=ensa=

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