„Die Jugendlichen im Rollbergviertel wachsen in einer Kultur der totalen Männlichkeit auf, aber es gibt keine richtigen männlichen Vorbilder“

Gilles Duhem vom Morus 14 e. V. und Dr. Dominik Wullers, Vorsitzender des Vereins Deutscher Soldat, lernten sich vor anderthalb Jahren kennen. Weil der Nachbar-schaftsverein duhem_deutscher soldat-podi integration_st clara neukoellnaus dem Rollbergviertel immer ehrenamtliche Mentoren für seine Jugendarbeit sucht und dem Bundeswehr-Hauptmann Wullers die Art gefiel, wie Duhem (r.) die Sozialisations-defizite seiner Klientel im Kiez verringern will, kam zwischen beiden eine Kooperation zustande.

Jüngstes Ergebnis dieser Zusammenarbeit: Dienstagabend richteten beide Vereine gemein-sam im Pfarrhaus der katholischen St. Clara-Gemeinde eine Diskussion unter dem Titel „Migrant. Schwarz. Deutsch. Soldat. – Wie Integration Deutschland besser macht“ aus. Prominenter Gast des Expertenaustausches, für den Soldaten aus ganz Deutschland, vom Obergefreiten aufwärts, in Neukölln zusammentrafen, war Dr. Peter Tauber, Generalsekretär der CDU Deutschland.

„Die Jugendlichen im Rollbergviertel wachsen in einer Kultur der totalen Männlichkeit auf, aber es gibt keine richtigen männlichen Vorbilder“, begründete Gilles Duhem in seiner Begrüßungsrede, weshalb er aktive Soldaten oder Reservisten sucht, die sich als Mentoren für die Kinder und Jugendlichen aus dem Rollbergvietel engagieren wollen. Die Vorbildfunktion sei aber wichtig, damit die Jugendlichen nicht auf die schiefe Bahn gerieten. „Die Bundeswehr ist nicht für jeden wullers_pokatzky_deutscher soldat-podi integration_st clara neukoellnetwas“, räumte anschließend Dominik Wullers (l., neben Klaus Pokatzky) ein. „Meine Mutter kommt aus dem links-pazifistischen Milieu. Mein Vater wurde in der Karibik geboren. Ich habe ihn aber nie gesehen“, sagte Wullers. „Bei der Bundes-wehr haben sie mich geradegezogen“, blickte der Soldat zurück, der bereits 13 Dienstjahre hinter sich hat und an seinem ersten Tag mit Afrolook-Frisur vor dem Kasernentor erschien: „Rassismus habe ich in meiner Dienstzeit noch nie erlebt. Mein Problem war eher bei der Grundausbildung, dass ich tauber_deutscher soldat-podi integration_st clara neukoellnein dicker Gymnasiast war.“

Peter Tauber (r.), Generalsekretär der CDU, forderte ein klares politisches Bekenntnis zur Nation, das sich sowohl von populistischen oder gar rechtsextremen Reden ebenso deutlich unterscheiden müsse wie von linkem Antinationalismus. „Natürlich ist Deutschland ein Ein-wanderungsland“, sagte Tauber, der 2007 als hessischer Landesvorsitzender der Jungen Union eine Kampagne mit dem Titel „Aische und Giovanni in die JU“ machte. Am Beispiel Hessens, dem Bundesland aus dem er stammt, illustrierte Tauber, wie ein Gefühl der Zusammengehörigkeit neu geschaffen werde konnte. „Hessen ist 1945 als Kunstland erfunden worden.“ Dem Bundesland fehle deshalb eine lange geschichtliche Tradition, die es beispielsweise in Bayern gebe. Trotzdem sei es wichtig, eine regionale Identität zu schaffen, deshalb sei u. a. der Hessentag eingeführt worden. „Hesse ist, wer Hesse sein will“, erklärte Tauber und wünschte sich, dass in ähnlicher Weise alle, die in Deutschland leben, die Möglichkeit zur Integration in die Gesellschaft haben sollten. „Die Bundeswehr ist duhem_wullers_tauber_deutscher soldat-podi integration_st clara neukoellneine Integrationsmaschine“, schilderte Dominik Wullers seine Erfahrung, die er mit vielen Mitgliedern seines Vereines teilt.

Nur einmal brachte ihn Moderator Klaus Pokatzky, der ehemalige Kriegsdienstverweigerer und heuti-ge Bundeswehr-Medientrainer, kurz aus dem Konzept: Als er Wullers auf Oberstleutnant Uwe Junge, den Spitzenkandidat der AfD – Alternative für Deutschland in Rheinland-Pfalz ansprach. „Er hat jedes Recht dazu, sich politsch zu engagieren, aber er sollte dabei nicht als Offizier auftreten“, urteilte Wullers. Er habe Junge einen offenen Brief via Facebook geschrieben, weil der die Äußerungen von Frauke Petry zum Schießbefehl gegen Flüchtlinge nicht verurteilt habe.

In der anschließenden Diskussion wurde gefragt, ob die AfD eine Gefahr für die deutsche Konsensdemokratie ist und wie ihr begegnet werden muss. Ein Fragesteller wies daraufhin, dass in der Außendarstellung der Bundeswehr „oft nur biodeutsche Soldatinnen und Soldaten in Filmen und auf Fotos zu sehen“ seien. Peter Tauber entgegnete, dass der Weg zur Gleichstellung und die Umsetzung des Diversity Managements oft mühevoll und langwierig ist. „Wir haben inzwischen aber nicht nur eine Verteidigungsministerin, sondern auch eine Staatssekretärin“, erinnerte der CDU-Generalsekretär.

=Christian Kölling=

 

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Eine Antwort

  1. Gilles Duhems Formulierung ist treffend, aber leider, wie das Problem auch schon, recht alt, ohne dass sich etwas geändert hätte.

    In Kindergärten und Grundschulen besteht das Problem sehr deutlich schon seit den frühen 80er Jahren. Sogar die GEW war schon mal aufmerksam geworden. Doch der Frauenanteil in Kindergärten und Grundschulen hat sich weiter -meiner Kenntnis nach- auf 90% sogar erhöht! Für eine Unterrrichtseinheit hatte ich vor Jahren mal 87 % ermittelt.
    Schön, wenn die Bundeswehr noch helfen kann! Wollen wir es ihr für die Zukunft wünschen!
    (Sagt heute ein damals erst in der Berufungsinstanz in Kulmbach mit Hilfe seines ehrlichen, schwerkriegsbeschädigten Vaters anerkannter Kriegdienstverweigerer)

    Richard .

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