Ein Aufzug, sechs Bäume, 15 Bänke, über 40 Fahrradbügel, rund 100 Poller: Was gibt’s Neues auf der Karl-Marx-Straße?

3.bauabschnitt karl-marx-strasse neukoelln

Als Mitte Juni 2010 zwischen Lahn- und Jonasstraße mit dem Umbau der Karl-Marx-Straße begonnen wurde, war Thomas Blesing schon seit fast vier Jahren Baustadtrat auftakt 3.bauabschnitt karl-marx-strasse neukoellnvon Neukölln. Franziska Giffey hatte damals noch keinen Dok-tortitel und arbeitete als Europa-beauftragte im Bezirksamt. Stadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport wurde sie erst, als die Arbeiten im ersten Bau-abschnitt schon in vollem Gange waren.

Jetzt ist Giffey seit fast einem Jahr Bezirksbürgermeisterin, Blesing immer noch Baustadtrat, und bei der Umgestaltung der Karl-Marx-Straße wurde gestern der dritte Bauabschnitt zwischen Uthmann- und Briesestraße in Angriff genommen. „Offiziell ist es aber der zweite, weil der erste genau genommen ein Realisierungs-abschnitt war, da er aus anderen Mitteln finanziert wurde“, erklärt Thomas Blesing (l.) das Naturell der Bürokratie. Dass aus blesing_giffey_luetke daldrup_auftakt 3.bauabschnitt karl-marx-strasse neukoellndem Städteförderprogramm Aktive Zentren 14 Millio-nen Euro für den in drei Etappen aufgeteilten Umbau der Karl-Marx-Straße zwischen Jonas- und Weichselstraße fließen, hatte vorher, beim offiziel-len Teil, bereits Staatssekretär Prof. Dr. Engelbert Lütke Daldrup (r.) verkündet. Die Karl-Marx-Straße sei eben besonders, dort lebten ganz viele giffey_hoehne_auftakt 3.bauabschnitt karl-marx-strasse neukoellnMenschen, gebe es viel Handel und Aktivität und eine riesengroße Tradition, begründet der Senatsvertreter die Höhe der Investition.

„Nach dem Umbau erwacht die Straße zu neuem Leben und es entsteht Aufenthaltsqualität“, meint auch Bezirksbürgermeisterin Giffey. „Irgendwann isses fertig und dann isses schön.“ Vorher stelle die Magistrale Neuköllns jedoch eine Herausforderung für alle Beteilig-ten, für Händler, Anwohner und Kunden, dar. „Die engen Verhältnisse sind das Problem“, fasst Bauleiter Karsten Höhne (r.) von der Firma Matthäi die Situation aus seiner Sicht zusammen. Nicht mal 40 Meter liegen zwischen den Häuserzeilen beider Straßenseiten, wobei die Breite einer giffey_auftakt 3.bauabschnitt karl-marx-strasse neukoellnFahrspur für den Autoverkehr stadteinwärts unangetastet bleibt. Nach unten, bis zur Tunneldecke der U7, die gleich mit saniert wird, ist noch erheblich weniger Platz. Entsprechend 1.rammstoss_auftakt 3.bauabschnitt karl-marx-strasse neukoellnzaghaft ging Dr. Franziska Giffey zur Sache, als sie in den Bagger geklettert war und nach kurzer Einweisung mit dem ersten offiziellen Rammstoß in den Asphalt die Arbeiten am 3. bzw. 2. Bauabschnitt der Karl-Marx-Straße für eröffnet erklärte. Ihr „Highlight des Tages“, wie sie später auf ihrer Facebook-Seite schrieb. Ihr Sohn – und nicht nur er – werde sie darum beneiden, hatte Thomas Blesing prophezeit, bevor er zum weitaus weniger spektakulären, symbolischen Spatenstechen schritt, in das sich außer Giffey spatenstich_auftakt 3.bauabschnitt karl-marx-strasse neukoellnund Lütke Daldrup noch das Neuköllner Abgeordneten-haus-Mitglied Joschka Langenbrinck (SPD) einreihte.

Aber was wird nun genau bis Ende 2017 auf den 380 Metern zwischen Uthmann- und Briesestraße zur „Attrakti-vitätssteigerung der Karl-Marx-Straße“ geschehen? „Wo immer es möglich ist, werden die Gehwege verbreitert“, sagt der Baustadtrat. Zudem werden 15 Bänke entlang der Straße montiert. Etwas mehr Grün ist außerdem fester Bestandteil der Planung: Sechs Bäume – fünf Eschen und ein Amber – werden gepflanzt, das Gros vor dem Wool-worth-Gebäude.3.bauabschnitt karl-marx-strasse neukoelln „Mehr geht nicht“, so Blesing, „weil Bäume Platz für ihre Wurzeln brauchen, der aber wegen des U-Bahn-Tunnels nicht da ist.“ Um Autofahrer zu disziplinieren, würden rund 100 von Detlef Mallwitz künstlerisch gestaltete Poller, einzeln oder in Wolken stehend, installiert. „Die Zahl der ursprünglich geplanten 40 Fahrradbügel auf der Karl-Marx-Straße wird definitiv erhöht“, weiß Blesing schon jetzt. Ergänzend werden auch 20 Abstellplätze in den Nebenstraßen montiert. Fakt ist außerdem, dass es 3. bauabschnitt karl-marx-strasse neukoellnnach der Fertigstellung des Bauabschnitts neben den beiden Fahrspuren Radangebotsstreifen und endlich mittig zwischen den U7-Treppenzugängen einen behindertengerechten Aufzug geben wird.

Bis dahin haben die Geschäftsleute, Bewohner und Nutzer der Karl-Marx-Straße aber noch viel auszu-halten: „Ich hoffe, dass das Ergebnis alles rechtfer-tigt.“ Ab 2018 sei dann das letzte Teilstück zwischen Briese- und Weichselstraße dran, das – so die tanzendes paar_hermannplatz_neuköllnTermintreue fortgesetzt werden kann – spätestens 2021 fertig sein soll, kündigt Thomas Blesing an.

Und was ist mit der seit langem geplanten Umgestaltung des Hermannplatzes? Die werde, so Neuköllns Baustadtrat, frühestens 2021 angegangen, aktuell gebe es allerdings noch Probleme mit den Kreuzbergern, die – weil drei ihrer Straßen den Platz tangieren – auch in die Finanzierung des Mammutprojekts involviert werden sollen: „Doch die lehnen sich entspannt zurück und sagen, sie haben dafür kein Geld.“ Thomas Blesing gibt die Hoffnung trotzdem nicht auf, dass der Knotenpunkt zwischen beiden Bezirken in absehbarer Zeit architektonisch im 21. Jahrhundert ankommt. „Ich werde schon Rentner sein, wenn alle Baumaßnahmen abgeschlossen sind“, sagt der 60-Jährige, „aber erleben möchte ich es noch.“

=ensa=

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