„Neuköllner Modell“ reloaded: Neues Handlungskonzept für den Umgang mit „kiezorientierten Mehrfachtätern“

Dass Neukölln ein hartes Pflaster ist, ist längst zum unumstößlichen Allgemeinplatz geworden. Doch als im Frühjahr 2015 die bezirkliche Stadtbücherei wegen Drogen-handels, pk handlungskonzept intensivtaeter neukoellnSex und Brandstiftung bundesweit in den Medien zur „Bibliothek des Grauens“ avancierte, war das wohl etwas übertrieben. Ein sehr viel ernsteres Thema beschäftigte die Bezirkspolitik allerdings schon damals: Im Dezember 2014 wurde erstmals öffentlich in der Bezirksverordne-tenversammlung über die Einrichtung einer Abteilung für Intensivtäter aus Großfamilien im Jugendamt beraten. Deren Zielgruppe sollen nicht jugendliche Rowdies wie in der Stadtbibliothek, sondern sogenannte „kiezorientierte Mehrfachtäter“ sein, die zwar eine zahlenmäßig relativ kleine Gruppe seien, aber einen großen Wirkungskreis auf andere Jugendliche hätten und im öffentlichen Raum durch die Wohnbevölkerung liecke_schulz-spirohn_pk handlungskonzept intensivtaeter neukoellnund Gewerbetreibende besonders negativ wahr-genommen würden.

Gestern stellte Jugendstadtrat Falko Liecke (l.) nun gemeinsam mit Innensenator Frank Henkel sein „Neuköllner Handlungskonzept für integrative Hilfen und Interventionen in Familien junger Mehrfachtäter“ bei einer sehr gut besuchten Pressekonferenz im Kinder- und Jugendzentrum Lessinghöhe der Öffentlichkeit vor. Kernstück des neuen Handlungskonzeptes ist die beim Jugendamt angesiedelte AG Kinder- und Jugendkriminalität. „Mit diesem Handlungskonzept beziehen wir alle relevanten Partner von Jugendamt und Schule bis zu Polizei und Justiz mit ein. Den jugendlichen Straftätern und ihren Familien wird so verständlich gemacht, dass in unserer Gesellschaft kein Platz für Kriminalität ist“, erklärte Liecke. Die Aufgaben der AG Kinder- und Jugendkriminalität, die bis zum Sommer mit drei Mitarbeitern besetzt wird, sind die aufsuchende soziale Arbeit sowie die Funktion eines Ansprechpartners und Vermittlers für Schulen, Jugendämter, juergens-el hansani_henkel_rehfeldt_pk handlungskonzept intensivtaeter neukoellnandere Behörden, Freizeiteinrichtungen, Sport-vereine, Moscheen und Träger. „Ich unterstütze es immer sehr, wenn Bezirke Ansätze entwickeln, die der Sicherheit in der Stadt dienen“, begrüßte Innensenator Henkel (M.) die Initiative: „Wenn junge Menschen die Konsequenzen ihres Handelns nicht schnell erfahren, dann lernen sie es nie“, sagte Henkel. Das sei auch die Essenz des Neuköllner Modells der verstorbenen Jugendrichterin Kirsten Heisig gewesen. Der Senator lobte: “Dass dieser Ansatz jetzt in Neukölln weiterentwickelt wird, ist giffey_pk handlungskonzept intensivtaeter neukoellnfolgerichtig und birgt eine Chance für die ganze Stadt.“

Die ebenfalls zur Pressekonferenz erschienene Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey wies darauf hin, dass die Einrichtung der AG Kinder- und Jugendkriminalität im Bezirksamt einstimmig beschlossen worden sei. Außerdem begrüßte sie das Pilotprojekt „Staatsanwaltschaft für den Ort“ in Neukölln noch einmal und sagte: „Ich würde mir wünschen, dass wir den Staatsanwalt eines Tages direkt vor Ort haben.“ Thomas Schulz-Spirohn, Staatsanwalt für den Ort, wies auf seine verbesserten Arbeitsbedingungen hin: „Wir kennen die Jugendrichter jetzt genauer und die Zusammenarbeit mit der Jugendgerichtshilfe konnte wesentlich verbessert werden.“

Vorbild bei der Erarbeitung des Neuköllner Handlungskonzeptes für junge Mehr-fachtäter waren neben dem Modell der Jugendrichterin Heisig vor allem Erfahrungen, vereinbarung daten-weitergabe_handlungskonzept intensivtaeter neukoellndie in der Stadt Essen seit 2010 gemacht wurden. Da im Bereich der Jugendhilfe besonders hohe Anforde-rungen des Datenschutzes bestünden, sei es für die erfolgreiche Arbeit der AG Kinder- und Jugendkriminalität grundsätzlich erforderlich, dass einsichtsfähige junge Menschen, das sind Jugendliche, die mindestens 15 Jahre alt sind, bzw. ihre gesetzlichen Vertreter eine Einverständniserklärung vereinbarung schweigepflichtsentbindung eltern_handlungskonzept intensivtaeter neukoellnzur Weitergabe personenbezoge-ner Daten bzw. eine Schweige-pflichtenentbindungserklärung abgeben. Auch in Neukölln, so waren sich die Politiker auf der Pressekonferenz einig, sei aufgrund der Essener Erfahrungen von einer sehr hohen Zustimmungsbereit-schaft der Eltern auszugehen.

Und was passiert mit den Jugendlichen aus der Helene-Nathan-Bibliothek, die eindeutig nicht zu den „kiezorien-tierten Mehrfachtäter“ und somit den Adressaten des Neuköllner Handlungskonzepts für Kinder- und Jugendkriminalität gehören? Gestern Mittag meldete sich am Ende podium_pk handlungskonzept intensivtaeter neukoellnder Pressekonferenz im Kinder- und Jugendzent-rum Lessinghöhe Carsten Stahl zu Wort und warb für sein Camp-Stahl. Seit geraumer Zeit habe sich das Gewaltpotenzial der Jugendlichen stark gesteigert. Es würde immer wieder darüber berichtet, dass Mitbürger von ihnen gemobbt, geprügelt und sogar totgeschlagen würden, so Stahl. Die Politik sei mit der anwachsenden Gewaltbereitschaft überfordert und die Polizei aufgrund der Gesetzeslage ebenso machtlos. Carsten Stahl, der bei vielen durch die Fernsehserie „Privatdetektive im Einsatz“ bekannt ist, bot seine Hilfe an. „Ich habe schon mehrere E-Mails an das Bezirksamt geschrieben, aber noch keine wurde beantwortet“, beklagte er sich nun öffentlich. Immerhin: Auf der Webseite des Jugendstadtrates Falko Liecke ist bereits ein mehr als 15-minütiges Video über die Arbeit des Camp-Stahl eingestellt.

=Christian Kölling=

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