Neues Domizil für eine etablierte Neuköllner Institution

krishnamurthy_mengelkoch_eroeffnung tamilisches kulturzentrum neukoelln„Wir sind schon über 20 Jahre im Rollbergviertel“, begrüßte Vilwanathan Krishnamurthy (l.) vom Tamilischen Kulturzentrum e. V. nicht ohne Stolz die zahlreich erschienenen Gäste. Donnerstag-nachmittag eröffnete der Verein seine neuen Räume in der Kopfstraße 25, unweit des alten Domizils in der Rollbergstraße. Bezirksbürger-meisterin Dr. Franziska Giffey sowie die Stadträte Jan-Christopher Rämer und Bernd Szczepanski nebst Neuköllns Migrationsbeauf-tragtem Arnold Mengelkoch (r.) waren ebenso wie Ingo Malter, der Geschäftsführer des Wohnungsbauunternehmens Stadt und Land, zur Einweihung gekommen.

„Für mich ist Neukölln irgendwie Heimat geworden. Ich lebe hier seit 40 Jahren“, berichtete Krishnamurthy. Ursprünglich kam er als Gastarbeiter nach Berlin, um beim Elektronikhersteller AEG zur arbeiten. In den 1980er Jahren suchten jedoch viele tamilische Flüchtlinge Asyl in der Stadt. Sie brauchten dringend rechtliche und soziale Beratung sowie Kontakte mit Landsleuten im Exil. Vilwanathan Krishna-murthy spezialisierte sich als Einzelfall- und Familienhelfer und förderte früh mit der Gründung einer tamilischen Tanz- und Musikschule die Kultur seiner ursprünglichen tanz01_eroeffnung tamilisches kulturzentrum neukoellnHeimat in Neukölln.

„Es ist gut, wenn sich Menschen begegnen“, lobte Dr. Franziska Giffey die langjährige Arbeit des Tamilischen Kulturzentrums und dankte dem Verein für seine vielfältigen sozialen und kulturellen Angebote, die zur Festigung der demokratischen Grundwerte Freiheit, Frieden und Gleichberechtigung aller Menschen beitrü-gen. „Das Tamilische Kulturzentrum hat eine tolle Ausstrahlung in die Gegend. Sein Einsatz für gutes Miteinander ist im Rollbergviertel weit bekannt“, pflichtete Ingo Malter bei. Stadt und Land stelle deshalb dem Kulturverein sehr gerne einen Gewerberaum für das Büro günstig zum Betriebskostenpreis zur Verfügung, wie es laut Satzung für soziale Zwecke möglich sei, sagte der Geschäftsführer der Wohnbauten-Gesell-schaft. Auch das Ressort des Sozialstadtrates Szczepanski unterstützte mit Sachspenden die Einrichtung des Kulturzentrums großzügig: Stühle, Sessel, Laminat und Teppiche sorgen bei der Familien-, Ehe-, Sozialberatung zukünftig für eine gemütliche Atmosphäre. Für die Büroarbeiten wurde ein Computer aus Bezirksbeständen zur Verfügung gestellt.

Im Migrationsbeirat, einem beratenden Gremium im Rathaus ohne Stimmrecht, das zur politischen und sozialen Integration sowie zum freundschaftlichen Zusam-menleben der deutschen und nichtdeutschen Einwohner beitragen soll, ist Vilwanathan Krishnamurthy von Anfang an für sein Engagement bekannt, wie der Neuköllner Migrationsbeauftragte Arnold Mengelkoch hervorhob. Außerdem unterhält Krishnamurthy als Vize-Präsident des Vereins Sri Ganesha Hindu Tempel, der in der Hasenheide zum Zentrum für giffey_eroeffnung tamilisches kulturzentrum neukoellninterkulturelle und interreligiöse Begegnungen werden soll, gute Kontakte zu Christen, Moslems und Juden in Berlin. Im vergangenen Jahr war er beispiels-weise bei der Eröffnung des Kulturhauses der Sehitlik Moschee zu Gast. Einer der Höhpunkte dieser Einweihungsfeier in der Kopfstraße war deshalb der Moment, in dem Bezirksbürger-meisterin Giffey eine Kerze auf dem Altar entzündete, den zuvor ein Hindu-Priester feierlich geschmückt hatte. Anschließend führten zwei Tänzerinnen einen Tempeltanz im Bharatanatyam-Stil tanz02_eroeffnung tamilisches kulturzentrum neukoellnauf.

Viel Anerkennung findet die Arbeit des Tamilischen Kulturzentrums aber nicht nur in Neukölln – auch Indiens Botschaft hatte eine Delegation geschickt. An deren Spitze: Botschaftsrat R. madhan_eroeffnung tamilisches kulturzentrum neukoellnMadhan (r.), der in der diplomatischen Vertretung in der Tiergartenstraße für die Bereiche Wissenschaft und Technik zuständig ist, in denen Deutschland und Indien in vielen Sparten zwischen Biotechnologie und Weltraumforschung kooperieren. Krishnamurthy konnte bei der Vorstellung des Botschaftsrates eine Brücke zwischen den Kulturen schlagen: „In Neukölln fing kürzlich die Kampagne ‚Schön wie wir‘ an. Wir vom Hindu-Tempel sind bereit zu helfen, dass die Hasenheide sauber bleibt“, berichtete er Madhan. In Indien habe Premierminister Narendra Modi eine ähnliche Kampagne, die Clean India Mission, gestartet. „Der Premier hat selbst die Straße mit einem Besen sikhs_giffey_eroeffnung tamilisches kulturzentrum neukoellngefegt“, informierte Krishnamurthy seine Gäste.

Wie nötig die Arbeit vom Tamilisches Kultur-zentrum e. V. bleibt, wurde am Ende des Abends deutlich. Viele Sikhs, die aktuell ebenso wie die Hindu-Minderheit des Landes aus Afghanistan fliehen müssen, waren Donnerstag in die Kopfstraße gekommen und sammelten sich zu einem Gruppenfoto um Bezirksbürgermeisterin Giffey. Obwohl der Sikhismus eine eigenständige Religion ist, die sich im 15. Jahrhundert mit den Lehren des Religionsstifters Guru Nanak aus dem Hinduismus entwickelte, finden die Sikhs in der Beratungsstelle jetzt Hilfe und Unterstützung. „Wir müssen bedürftigen Menschen helfen. Das ist unsere Mentalität“, kommentierte Vilwanathan Krishnamurthy das Engagement.

=Christian Kölling=

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