Kein Ersatz, sondern eine Ergänzung: Mit Bürger-Engagement gegen Neuköllns Vermüllung

besen_sauberkeitskampagne schoen wie wir_neukoellnRund 800 Tonnen illegal abgelagerten Sperrmüll hat die Berliner Stadtreinigung (BSR) allein 2015 im Auftrag des Ordnungsamts von Neuköllns Straßen geholt. Beim Anliegen-Management des Ordnungs-amtes im Bezirk gehen täglich bis zu 200 Meldungen online ein.

„Es ist nicht in Ordnung, Müll einfach auf die Straße oder in den Park zu kippen“, bringt Bezirksbürger-meisterin Dr. Franziska Giffey das Problem auf den Punkt und fordert: „Um etwas zu verändern, braucht es mehr als das klassische Bußgeldverfahren und die fleißige Arbeit der BSR-Beschäftigten. Menschen müssen ihr Verhalten ändern. Sie müssen sich verantwortlich fühlen und einen Stolz auf ihren Bezirk entwickeln.“ Gestern Mittag griff deshalb die Bezirksbürgermeisterin (l.) im Hof des Rathauses selbst zum gelben Besen giffey_hoehn_sauberkeitskampagne schoen wie wir_neukoellnmit den pinkfarbenen Borsten, um die Kampagne „Schön wie wir“ zu starten.

Alle sind aufgerufen mitzumachen und gemein-sam mit STADT UND LAND sowie weiteren Partnern der Wohnungswirtschaft, den Entsor-gungsunternehmen BSR und Remondis, dem Quartiersmanagement sowie mit vielen anderen Akteuren wie Wolfgang Höhn (2. v. l.), geschäfts-führender primel paula_sauberkeitskampagne schoen wie wir_neukoellnGesellschafter von Höhn Brot, ein Zeichen für mehr Sauberkeit und Ordnung im Bezirk zu setzen.

Die Drehorgelspielerin Primel Paula rief im gut besuchten Festzelt, das eigens zum Hoffest aufgestellt worden war, alle Leute dazu auf, ein bisschen besser auf ihren Kiez acht zu geben: „Wenn irjendwo Müll rumliecht und nich wegjeräumt wird, kommt imma mehr Müll hin“, fasste sie ihre Neuköllner Alltagserfahrung zusammen. Cordula Simon (l.), im simon_sauberkeitskampagne schoen wie wir_neukoellnBezirk für Europa-Angelegenheiten und Innova-tionsprojekte zuständig, wies daraufhin, dass das Ordnungsamt für illegale Müllablagerungen bis zu 5.000 Euro Bußgeld verhängen könne. Es sei aber schwer, die Verursacher zweifelsfrei festzustellen. „Im Jahr 2015 wurde 598 Verfahren eingeleitet, aber nur sieben mit Bußgeldbescheiden beendet, weil kein Nachweis über die Täterschaft erbracht werden konnte“, sagte sie. Unmissverständlich betonte Bezirksbürgermeisterin Giffey, dass mit der zweijährigen Kampagne „Schön wie wir“ die Verantwortung für die Sauberkeit in den Kiezen keinesfalls auf die Bürgerinnen und Bürger abgewälzt werden soll: „Es ist nicht so, dass jetzt alles nur der Bürger macht und das war‘s dann. Wir brauchen das giffey_primel paula_sauberkeitskampagne schoen wie wir_neukoellnBürger-Engagement vielmehr als etwas Drittes neben Ordnungsamt und Berliner Stadtreinigung.“

Nachdem das vom Technischen Hilfswerk zubereitete Buffet eröffnet war, berichtete Wolfgang Hecht, Bezirksverordneter der SPD aus den für die Sauberkeit des öffentlichen Raumes zuständigen Ausschüssen. Die BSR sei inzwischen aufgrund einer Initiative, die vom Land Berlin unterstützt werde, für die Sauberkeit im Buschkrugpark und in einem Grünzug in der Gropiusstadt zuständig. Das Grünflächenamt und die Bezirkskasse würden somit gleichermaßen entlastet. Noch 2014 waren nach Informationen aus dem Rathaus insgesamt 1,2 Millionen Euro allein in die Entsorgung von Bauschutt, Sondermüll und die Entfernung von „gefährlichen Abfällen“ oder Vandalismusschäden in den Grün-anlagen geflossen.

=Christian Kölling=

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