Brüste, Wodka und ein Zeitlimit von fünf Minuten

saalslam_heimathafen neukoellnBerlin gilt nicht zu Unrecht als Hauptstadt des Slam, und so war am vergangenen Dienstag auch der erste Saalslam dieses Jahres im Heimathafen Neukölln restlos ausverkauft. Im Gegensatz zum Publikum, bei dem das Geschlechterver-hältnis ausgewogen war, standen auf der Bühne den sechs Slammern nur zwei Slammerinnen gegenüber.

Mit Tilman Birr und Sarah Bosetti führten zwei, vornehmlich in der Lesebühnen-Szene bekannte Gesichter, durch den Abend. Die Vorgabe beim Slam ist das Vorlesen oder freie Vortragen eigener Texte innerhalb eines Zeitrahmens. Wird das vorgegebene Limit von fünf Minuten überschritten, beenden die Moderatoren den Slam – was aber nur wenige Male vorkam. Die vorherige Bitte von Sarah Bosetti, keinen der acht Teilnehmer auszubuhen, erwies sich als überflüssig. Denn man merkte allen an, dass sie Bühnenerfahrung hatten, und keiner der Texte war qualitativ peinlich. „Wir wählen die Slammer so gut wie gar nicht selbst aus, sondern vergeben sieben von neun Startplätzen ohne Ansehen von Person oder Text an jeden, der sich über die E-Mail-Adresse auf unserer Homepage bewirbt“, erklärte mir Tilman Birr das Prozedere. Die restlichen zwei Startplätze bleiben für Spontan-Anmeldungen frei, wobei bei mehr als zwei Bewerbern das Los entscheidet.

Die Themenbereiche, über die geslamt wurde, waren durchaus vielfältig, auffallend war aber, dass auch in diesem Genre der Slogan „Sex sells“ gilt. Drei Texte an dem Abend handelten von Brüsten, das war dann doch für meinen Geschmack etwas zu tilman birr_sarah bosetti_saalslam heimathafen neukoellnviel des Guten. Nach den acht Auftritten stimmte das Publikum mittels zweier Chips ab, die in aufgestellte Boxen zu stecken waren, welche vier Vortragskünstler in die Endrunde kommen. In dieser trug jeder einen neuen, ebenfalls maximal fünfminütigen Text vor. Der Sieger wurde schließ-lich per Publikumsapplaus ermittelt: An diesem Abend war es Daniel Hoth, der beim Finale in Reimform über das abstruse Leben eines Dinosauriers slamte. Ein sehr witziger, origineller und skurriler Text – von einem Performer, der sich selbst sehr gekonnt in Szene zu setzen weiß.

Die Preise – der Sieger hatte die Wahl zwischen einer Flasche Wodka und einem Büchergutschein im Wert von 15 Euro – dürften es nicht sein, die zur Teilnahme am Saalslam animieren. Eher die Lust am Schreiben und daran, mit dem Darbieten eigener Texte auf der Heimathafen-Bühne zu einem unterhaltsamen Abend fürs Publikum beizutragen. Manchmal sind auch Wiederholungstäter unter ihnen: „Einige Slammer, die wir schon länger kennen, laden wir auch selbst ein, wenn wir glauben, dass sie mal wieder bei uns antreten sollten und die Show bereichern würden“, ist von Tilman Birr zu erfahren.

Am 16. Februar um 20.30 Uhr findet der nächste Saalslam im Heimathafen Neukölln statt; Eintritt: 6 Euro.

=Reinhold Steinle=

 

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