Keimzelle Körnerkiez

ehem tanzschule meisel jonasstr neukoellnVor etwa 100 Jahren begannen Emil August Paul Berthold Meisel und seine Ehefrau Johanne Olga Emilie ihre Tanzschule in einem Saal des Hinterhauses in der Jonasstraße 22 im Neu-köllner Körnerkiez zu betreiben. Diese Tanz-schule wurde bis 1982 von der Familien geführt: Ingeborg Meisel-Karras und ihr Ehemann, die in den 1950er Jahren die ersten TV-Tanzlehrer im deutschen Fernsehen waren, taten es in dritter Generation. Anschließend wurden die Räume noch eine Zeit lang als Tanzschule genutzt, dann wurden sie 2006 vom jüdischen Theater BIMAH übernommen, das bis zum Herbst 2011 hier spielte. Seitdem stehen die Räume nun leer.

Am Vorderhaus der Jonasstraße 22 befindet sich eine Berliner Gedenktafel für Will Meisel. Dieser, ein Sohn von Emil und Johanne Meisel, war ein beruflicher Tausendsassa. Schon mit gerade einmal 5 Jahren wurde er Mitglied des Kinder-balletts der Königlichen Hofoper in Berlin. Mit 15 Jahren gründete er, im Jahr der Umbenennung von Rixdorf in Neukölln, sein eigenes Tanzinstitut, und nannte dieses folgerichtig „Tanzclub Neukölln 1912“. Als Komponist schrieb er Musik zu vielen berliner gedenktafel_will meiselTonfilmen und Operetten.

Sehr erfolgreich war Will Meisel auch mit der Gründung eines Musikverlages. Dieser wurde Anfang der 1960er Jahre von seinen Söhnen Peter und Thomas übernommen und weitergeführt, die beispielsweise Titel von Marianne Rosenberg, Drafi Deutscher sowie alle Lieder von Boney M. verlegten. 1998 stieg Thomas Meisels Sohn Sven als dritte Generation mit in das Geschäft ein; 2014 wurde er alleiniger Geschäftsführer des Meisel Musikverlags, der heute rund 50.000 Titel im Repertoire hat. Zugleich wurde Sven Meisel Chef des berühmten Hansa Tonstudios, wo u. a. U2, R.E.M., Nick Cave & The Bad Seeds und auch David Bowie legendäre Alben produzierten. 1977 nahm hier David Bowie sein berühmtes Album „Heroes“ auf, auf dem auch der Instrumentaltitel „Neuköln“ erschien.

Am 6. Januar ist nun Will Meisels Enkel Sven mit gerade einmal 49 Jahren gestorben, vier Tage später starb David Bowie 69-jährig.

=Reinhold Steinle=

Bei meiner Führung „Geschichte(n) im Körnerkiez“, die am 31. Januar um 14 Uhr an der leuchtstoff-Kaffeebar (Siegfriedstr. 19) beginnt, werde ich näher auf die Geschichte der Tanzschule eingehen: mit Anekdoten, was eine Tanzstunde zur Inflation in den 1920er Jahren kostete, und welchen Bezug sie zu Rolf Eden hat.

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