Neukölln, ein Wintermärchen

winterdienst_maschinelle schneeraeumung neukoellnStatt weniger zu werden, werden es von Jahr zu Jahr mehr. Waren es im letzten Winter noch die Gehwegbereiche von 32 Straßen und Plätzen in Neukölln, die nicht maschinell von Schnee und Eis befreit werden durften, sind es in dieser Saison bereits 36.

Auf dem zu Neukölln gehörenden Abschnitt des Columbiadamms müssen die Bürger-steige beidseitig mit Schneeschieber oder Besen und Sand oder Split rutschfrei gemacht werden. Gleiches gilt für den westlichen Zipfel der Flughafenstraße, den Gerlachsheimer- und Jan-Hus-Weg sowie den Alfred-Scholz- und Siegfried-Aufhäu-ser-Platz. Hand anzulegen ist auch zwischen Jonasstraße und Grenzallee auf der Karl-Marx-Straße und auf der gesamten Lahnstraße. In anderen Straße und Wegen im Bezirk ist es mal die eine und mal die andere Gehwegseite oder nur der Bereich von einer Straßeneinmündung bis zur nächsten, die bzw. der laut „Liste der Gehwege, die für die maschinelle Reinigung im Winter 2015/2016 ungeeignet sind“ mit einem Fahrverbot für Schneeräumfahrzeuge belegt wurde. Eine Herausforderung für die Winterdienste, von denen nur manche personell so aufgestellt sind, dass sie – wie die in Neukölln ansässige BEST Hauswartung – die maschinelle und manuelle Schnee- und Eisbeseitigung im Portfolio haben. Beauftragt werden sie von Haus-verwaltungen und Grundstückseigentümern, die nach der Berliner Winterdienst-regelung winterdienst_gehwegräumung neuköllnverpflichtet sind, „unverzüglich nach Beendigung des Schneefalls“ auf Gehwegen eine Schneeräumung und Glätteabstreuung vorzunehmen.

Am zügigsten und preisgünstigsten geht das mit Räumfahrzeugen, die vorne mit rotierenden Bürsten und hinten mit einer Vorrichtung zum Streuen von Sand ausgestattet sind. Erlaubt ist es nach § 35 Abs. 6 StVO auch, aber eben nur, wenn ausgeschlossen werden kann, dass die maschinelle Schneeräumung nicht mit einer Beschädigung der Bürgersteige einhergeht oder gar darunter liegende Versorgungsleitungen in Mitleidenschaft gezogen werden. Das zu gewährleisten, wird allerdings ob kaputt-gesparter Infrastruktur immer schwieriger. Statt marode Gehwege zu sanieren und sie wieder für die maschinelle Schneebeseitigung zu ertüchtigen, so der Vorwurf vieler Unternehmen, lassen die Bezirke ihre Bürger für die Erhaltung des Status quos winterdienst neukoellnblechen. Denn die Kosten für die Umsetzung der Streu- und Räumpflicht der Hauseigentümer schlagen in der Nebenkostenabrechnung zu Buche – und bei manueller Schneeräumung liegt der Preis leicht beim drei- oder vierfachen dessen, was für die maschinelle Variante aufgerufen würde.

Marzahn-Hellersdorf und Reinickendorf sind auch in dieser Saison wieder Spitzenreiter in der von den Tief-bauämtern aller Bezirke erstellten Liste der Gehwege, die für die maschinelle Reinigung im Winter 2015/2016 ungeeignet sind. Beide Bezirke weisen mehr als zehn-mal so viele Gehwegzonen als Neukölln auf, die No-Go-Areas für Schneepflüge sind. Paradiesische Zustände für Winterdienstleister herrschen zwischen Reuterkiez und Rudow dennoch nicht. Bei vielen Bürgersteigen, auf denen maschinell gearbeitet werden dürfe, sagt BEST-Chef Sinan Battaloglu, behindern Sperrmüllhalden und abgestellte Fahrräder das Vorwärtskommen der motorisierten Schneeräumer.

=ensa=

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