Die Tücken des Vorführeffekts

gastro-weihnachtsurlaub neukoellnDass hier alles so anders sein würde als in Potsdam, wo er vorher wohnte, hatte sich der Neu-Neuköllner nicht vorstellen können. Im Herbst hatte er seine Eltern zum Weihnachts-besuch eingeladen, um ihnen die Lieblings-Locations in seiner neuen Nachbarschaft und seinen neuen Freundeskreis vorzustellen. Dass alles nicht wie geplant ablaufen würde, zeichnete sich dann schon in letzter Zeit ab, und als die Eltern am Spätnachmittag vor dem Heiligabend aus dem Saarland anreisten, waren die meisten Hipster-Freunde zum Weihnachtenfeiern in heimatlichen Gefilden aufgebrochen und an vielen der Lieb-lings-Läden, -Restaurants, -Bars, -Cafés und -Eisdielen hingen Zettel, die die Schlie-ßung über Weihnachten, bis zum Jahresbeginn oder für noch länger ankündigten. So erlebten die Eltern, bis sie gestern Abend wieder abfuhren, ein Neukölln, das eine Pause vom Hype einlegte. Und ihr Sohn lebte zeitweilig in einem Bezirk, der so ver-schnarcht wie vor Jahren war und ihn als Wohnort kein bisschen interessiert hätte.

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