Auf Landesebene „an sich gut“, in Neukölln voller Plattitüden

pariser_platz_12_12_12UhrVerhaltene Freude herrschte gestern, am 12.12. um 12 Uhr, vor dem Brandenburger Tor bei einer Kundgebung für den raschen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas, als sich abzuzeichnen begann, dass es beim Weltklimagipfel in Paris einen Durchbruch für ein Klimaabkommen geben könnte, mit dem die globale Erderwärmung in Zukunft auf einen Wert zwischen 1,5 und 2 Grad Celsius begrenzt werden kann. Matthias Krümmel, Referent für Klima-schutzpolitik beim Landesverband Berlin des BUND sagte: „Jetzt sind konkrete Schritte gefragt, damit der Klimawandel aufgehalten werden kann! Ansatzpunkt unserer weiteren Arbeit ist das an sich gute Berliner Energie- und Klimaschutz-programm.“ Was bedeutet das zum Beispiel in Neukölln? Denn damit die Ener-giewende gelingt, müssten vor allem die Städte mitmachen.

„Etwa 70 Prozent der Deutschen leben und arbeiten in Städten. Und circa 40 Prozent der Emissionen kommen aus dem Gebäudesektor“, erläuterte der Klima-Experte. Für stark verdichtete innerstädtische Quartiere – wie etwa den Reuter- und den Schil-lerkiez buechner_auftakt_bek_2014im Norden Neuköllns – seien deshalb neben Maßnahmen im Verkehr, die Timm Büchner (l.) für die lokale Klima AG der Grünen im Bezirk fordert, jetzt insbesondere Wärmedämmung sowie die energetische Sanierung des Gebäude-bestands notwendig. Um soziale Härten zu vermeiden und überhaupt erst Akzeptanz für die Sanierungsmaßnahmen herzustellen, empfehlen BUND und insbesondere der Berliner Energietisch, dass eine energetische Sanierung wärmemieten-neutral sein muss. Die Definition von umlagefähigen Modernisierungsmaßnahmen müsse zusätzlich dringend überarbeitet werden. „Wir müssen aber nicht nur die Kohlendioxid-Emissionen drastisch reduzieren, sondern müssen uns gleichzeitig schon jetzt auf die Auswirkungen des Klimawandels blume_luftmessstelle rathaus neukoellnvorbereiten“, fügte Krümmel hinzu.

Die dicht bebauten, auch mit sozialen Heraus-forderungen konfrontierten Gebiete des Neuköllner Nordens weisen durchgängig mittlere bis hohe Belastungen auf, wie auch der Umweltatlas des Landes Berlin belegt. Auch sind die Werte des Blume Luftgüte-Messnetzes für die Silberstein- und die Karl-Marx-Straße seit Jahren zu hoch. Klima-Experten aus Verwaltung, Nicht-Regierungsorganisationen und Politik sind sich weitgehend einig, dass die gesamtstädtische Gestaltung auf den Klimawandel ausgerichtet werden muss. Für den BUND fordert Krümmel deshalb ausdrücklich, 23september2012dass das Gesetz zur Nachnutzung des ehemaligen Flughafens Tempelhof nicht ausgehöhlt werden darf. Grundsätzlich müssten Flächen entsiegelt und zusammenhängende Grünzüge geschaffen werden, damit die Feuchtigkeit in den Quartieren bleibt und screenshot20151212eine gute Durchlüf-tung geschaffen wird.

Über Auswirkungen des Klimawandels auf die Stadtentwicklung informieren die Webseiten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt-schutz inzwischen gut. Die Information des Bezirks-amtes Neukölln, die mit der Aussage „Im Herzen ist grabice_kerkwitz_aug2014_rathaus neukoellnjeder Neuköllner“ beginnt, strotzt hingegen zur Zeit noch vor Plattitüden.

Damit die Energiewende gelingt, bleibt der politische Druck aus der Zivilgesellschaft deshalb wohl unver-zichtbar. Aktive wie Timm Büchner haben die Entste-hung des Berliner Energie- und Klimaschutzpro-gramms seit der Auftaktveranstaltung im Herbst 2014 verfolgt. Für den Ausstieg aus dem Braunkohletagebau in Polen und Deutschland zwischen den Orten Grabice und Kerkwitz gab es zuletzt im August 2014 einen Greenpeace-Protest vor dem Rathaus Neukölln.

=Christian Kölling=

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