Erinnern durch Comics

1_redrawing stories from the past_galerie saalbau neukoelln„Vergangenheit und was sie in der Gegenwart bedeuten kann, historische Ereignisse und wie sie persönlich erlebt wurden – das bringt das Format Graphic Novel besonders gut zusammen. Mit Bild und Text vereint es mehrere Erzählweisen in sich. Das hilft uns, einen kritischen Umgang mit Ge-schichte und ihrer Darstellung zu entwickeln“, sagt Elisabeth Desta, die mit Ludwig Henne für das Ausstellungsprojekt verantwortlich, das seit einem Monat in der Galerie im Saalbau gezeigt wird.

„Redrawing Stories from the Past“ heißt es, und dahinter steckt die Idee, Geschichten von Opfern des Nationalsozialismus im Comic-Stil darzustellen, um eine neue Form des Erinnerns zu entwickeln. Vor allem junge Menschen sollen so einen zeitgemäßen und lebendigeren Zugang zur Aus-einandersetzung 6_redrawing stories from the past_galerie saalbau neukoellnmit weltgeschichtlichen Ereig-nissen erhalten.

Für „Redrawing Stories from the Past“ waren es Jugendliche aus Chemnitz und Pancevo/Ser-bien, die sich auf diese, vom MitOst e. V. konzi-pierte Herangehensweise einließen. Zusammen mit den Graphic Novel-Zeichnern Max Baitinger und Paula Bulling (Deutschland), Zosia Dzierzawska (Polen), Vuk Palibrk (Serbien) 4_redrawing stories from the past_galerie saalbau neukoellnund Martin Zutis (Lettland) recherchierten sie zunächst in Workshops Biographien von NS-Opfern und ihre ver-gessenen Geschichten. Ole Frahm und Sascha Hom-mer, beide Experten für Geschichte und Comics, brachten den Jugendlichen anschließend Grundlegen-des zum historischen Erzählen und zur Verwendung der Archiv-Materialien in der neuen medialen Darstellung als gezeichnete Erzählung bei.

„Bald können keine Augenzeugen mehr von den Ver-brechen des Nationalsozialismus berichten.“ Das war die Meta-Ebene des Projekts, dessen Ergebnis dank der engagierten Recherchen unterschiedlichste Erinne-rungen und teils eher unbekannte Vorkommnisse sind. Den Galerie-Besuchern präsentiert sich aber nicht nur eine neuartige  Form der  Aufarbeitung der  Vergangen-

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heit: Durch die Ausstellungsarchitektur wird ihnen zudem ermöglicht, die Entwicklung des Projekts mit ihren Etappen „Diskutieren“, „Recherchieren“ und „Zeichnen“ 7_redrawing stories from the past_galerie saalbau neukoellnnachzuvollziehen. So erschließt sich das Ziel des We-ges auch für all jene, deren Interesse an Comics nur mäßig ausgeprägt und die Ausstellung, die Zeitge-schichte, Kunst und Jugendkultur vereint, folglich gewöhnungsbedürftig ist. Ein innovatives Experiment, die Verbrechen des Holocausts und das Leid seiner Opfer zu vermitteln, ist sie zweifellos.

„Redrawing Stories from the Past“ ist noch bis zum 7. Februar in der Galerie im Saalbau (Karl-Marx-Str. 141) zu sehen. Öffnungszeiten: Di. – So. 10 – 20 Uhr; am 24., 25. und 31.12. sowie am 1.1.2016 ist die Galerie geschlossen.

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