Korrektur eines großen Fehlers in Planung

raeumungsverkauf c+a neukoelln_jan2012Ginge es nach der Neuköllner CDU, wäre längst Realität, was Bezirksbürgermeisterin Giffey (SPD) gestern als „geplant“ vermeldete. Schon bei ihrer Klausurtagung im März letzten Jahres hatten die Christdemokraten eine Neuköllner Erklärung for-muliert, die auch eine Vorschlagsliste für Stand-orte von Asylbewerberunterkünften beinhaltete: Ganz oben auf dieser stand das seit Januar 2012 leerstehende C&A-Gebäude an der Karl-Marx-Straße.

Eine Anregung, die wohl mancher für einen verfrühten April-Scherz hielt, und die Ende März 2014 bei der Bezirksverordnetenversammlung hitzig diskutiert wurde. „Das Bezirksamt hat einstimmig eine Haltung zur Ansiedlung von Flüchtlingsunterkünften im Bezirk Neukölln beschlossen, die auch von der Bezirksverordnetenversammlung getragen wird. Demzufolge wird eine Ansiedlung von Unterkünften im Norden des 1_schließung_c+a karl-marx-straße_neuköllnBezirks aufgrund von infrastrukturellen und sozialen Gegebenheiten nicht befürwortet“, stellte Sozialstadtrat Bernd Szczepanski (Grüne) damals in seiner Beantwortung der Großen Anfrage fest. Zudem erklärte er abschließend, dass er dem LAGeSo mitteilen werde, „dass das Bezirksamt die angestellten Überlegungen für geschäftsaufgabe c&a karl-marx-straße 95 neukölln, räumungsverkaufvöllig unrealistisch hält“.

Seitdem wird, wenn lokalpolitisch vom C&A-Haus oder auch der gegenüber liegenden und ebenfalls seit Jahren leerstehenden Alten Post die Rede ist, oft das Wort Schlüsselimmobilie hinzu gefügt. Diese böten „Potenziale zur Herausbildung einer besonderen Nutzungsmischung, die sich von anderen Geschäftszentren abheben könne“, hatte Dr. Franziska Giffey noch vor sechs Wochen betont und auf die „interessanten Kombinationen klassischer Nutzungen mit denen der Neuköllner Mode- und Kreativ-wirtschaft“ verwiesen.  Indes hielt die CDU Neukölln an ihrer als unrealistisch eingeordneten Anregung fest und untermauerte sie nochmals in einer am letzten Wochenende verschickten Presseerklärung: „Mit den Eigentümern müssen jetzt kurzfristig Gespräche aufgenommen werden, um die Nutzung des C&A Gebäudes und der 2_schließung_c+a karl-marx-straße_neuköllnAlten Post zu prüfen“, fordert der CDU-Kreis-vorsitzende und -Bürgermeisterkandidat Falko Liecke in dem Schreiben.

Gestern Vormittag teilte Bezirksbürgermeisterin Giffey der-weil per Pressemitteilung mit, dass das Bezirksamt Neu-kölln „in Absprache mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales und der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) die Unterbringung von Flüchtlingen im ehe-maligen C&A Gebäude an der Karl-Marx-Straße 95″ prüfe. In den Bereich der Möglichkeiten rückte die Planung nicht zuletzt dadurch, dass das Haus seit Mitte Oktober im Besitz eines neuen Eigen-tümers ist, führte sie aus und lobte dessen „Bereitschaft, den Bezirk bei der Suche ehemaliger c&a neuköllnnach Alternativen zur Flüchtlingsunterbringung in Turnhallen zu unterstützen“.

Seinerzeit seien viele der Auffassung gewesen, die Vorschläge der CDU „ungeprüft vom Tisch zu wischen und uns dafür zu beschimpfen. Dies stellt sich nun als großer Fehler heraus“, reagierte Falko Liecke gestern auf Anfrage. Das ehemalige C&A-Gebäude, so seine damals wie heute gültige Einschätzung, sei geeignet und infrastrukturell gut in den Sozialraum eingepasst. Wenn alle Voraus-setzungen geschaffen sind, sich der Eigentümer und das LAGeSo als Vertrags-partner einig sind und es keine bautechnischen Probleme gibt, rechnet Liecke, könne eine Inbetriebnahme der 9.200 Quadratmeter großen, sich über fünf Etagen erstre-ckenden Fläche als Flüchtlingsunterkunft „in circa vier Wochen“ einrichten lassen.

Wie Bezirksbürgermeisterin Giffey hofft auch der Stadtrat, dass es zu einer baldigen Einigung mit dem LAGeSo kommt. „Die Nutzung als Not-Unterkunft ist keinesfalls im Sinne einer Schlüsselimmobilie und auch nicht der Wunsch des Bezirks“, so Falko Liecke weiter, „sie ist aber der Notsituation des Landes geschuldet.“ Eine Nutzung des Gebäudes z. B. als „Gründerzentrum der Innovations- und Kreativ-wirtschaft und von Startups, die den Bezirk mit Erfindungsreichtum und Unternehmer-geist bereichern und nach vorn bringen“, wäre ihm zweifellos lieber: „Trotzdem ist es derzeit das Gebot der Menschlichkeit, genügend Unterkünfte zu schaffen. Das C&A-Gebäude ist ein Beitrag dazu.“

=ensa/Christian Kölling=

Advertisements