Singen kann Eici Sonoda nicht, aber einzigartige Bilder malen

1_eici sonoda-ausstellung_stadtbibliothek neukoellnWer mit einer Kamera durch Neukölln läuft, um Straßenszenen im Bild festzuhalten, zieht leicht Argwohn auf sich. Auf feindselige Blicke oder Bemerkungen muss sich indes gefasst machen, wer Häuser fotografiert. Schließlich könnte es der Abgesandte eines Investors sein, der nach einer profitablen Immobilie sucht.

In diesen Verdacht gerät Eici Sonoda nicht, obwohl auch er häufig Gebäude fokussiert, um sie auf seinen Bildern wiederzugeben. Kommentiert wird das Tun des Malers, der aktuell 66 Neukölln-Momentaufnahmen in Öl in der Stadtbibliothek ausstellt, trotzdem. „Was machst Du da und warum machst Du das?“, fragten ihn beispielsweise fünf Männer, die sich ihm beim Malen auf der Hermannstraße in die Blickrichtung stellten. „Weil ich nicht singen kann. Wenn ich singen könnte, würde ich Gitarre spielen und dazu singen. Kann ich 8_eici sonoda-ausstellung_stadtbibliothek neukoellnaber nicht, deswegen male ich“, habe er erwidert, erinnert sich Eici Sonoda. Das leuchtete den 5_eici sonoda-ausstellung_stadtbibliothek neukoellnPassanten offenbar ein, die ihn umgehend ungestört weitermalen ließen.

Die Besonderheit der Ölgemälde des in To-kyo geborenen Künst-lers ist, dass sie „alla prima“, d. h. in nur einer Sitzung auf der Straße, auf Plätzen, in Bahnhöfen oder Cafés entstehen. Dass jedes im 18 x 24 Zentimeter messenden Querformat gemalt ist, hat praktische Gründe: Einerseits den, dass der 57-Jährige unter der Woche bis 17 Uhr einem Brotjob nachgeht. Bei diesem Format, erklärt der 57-Jährige, bleibe ihm bis zum 4_eici sonoda-ausstellung_stadtbibliothek neukoellnEinbrechen der Dunkelheit so viel Zeit, dass er das Bild fertigstellen kann. Im Sommer, wohlgemerkt. Ein weiterer Grund sei der von ihm benutzte Farbkasten: „Die Leinwand passt genau in den Deckel.“

Am längsten, sagt Eici Sonoda, dauere die Suche nach dem Motiv, das sowohl charakteristisch für den Bezirk, als auch stellvertretend für andere Motive in der Stadt sein soll. Ebenso wichtig bei der Auswahl ist aber, dass weder Fußgänger, noch Rad- oder Autofahrer behindert werden. Selbstverständlich ist für den Künstler auch, dass er Anwohner, Gastwirte und Geschäftsinhaber vorab über seine Arbeit informiert.

Vor allem die zufälligen Passanten seien es aber, die ihn häufig „dazu verleiten, die gewohnte Herangehensweise beim Malen zu ändern“. Traditionell entstehe der Hintergrund zuerst, um das Bild anschließend nach vorne aufzubauen. „Aber durch die Anwesenheit und Kommentare von Zuschauern ergeben sich für mich oft interes-

2_eici sonoda-ausstellung_stadtbibliothek neukoelln 7_eici sonoda-ausstellung_stadtbibliothek neukoelln 9_eici sonoda-ausstellung_stadtbibliothek neukoelln

sante Feedbacks. Der Betrachter sieht mit mir eine Straßenszene, eine bestimmte Situation, und wir beide ‚lesen‘ sie simultan. So bin ich manchmal gezwungen, von vorne nach hinten zu arbeiten oder von rechts nach links nachträglich Per-spektiven sinnvoll einzubauen. So ergeben sich spontane Cityscapes, die mit dem 6_eici sonoda-ausstellung_stadtbibliothek neukoellnOrt, wo das ganze passierte, selten etwas zu tun haben.“ Manchmal reichen aber auch einfache Erklärungen, um die traditionelle Arbeitsweise beizubehalten: Wenn ihm beispielsweise Kinder lange zuschauen und plötzlich anmerken, dass das parkende Auto doch gar nicht blau sei, versichert Eici Sonada ihnen glaubhaft: „Stimmt, zuerst war da aber eines, das schon weggefahren ist.“ Es ist zugleich ein Hinweis auf 3_eici sonoda-ausstellung_stadtbibliothek neukoellndie Einzigartigkeit seiner Gemälde, die – anders als Atelierbilder – nicht inszeniert und deshalb nicht wiederholbar sind.

Schon seit vier Jahrzehnten bringt Sonoda, der in Baden-Württemberg aufwuchs und 1978 nach Berlin kam, seine impressionistischen Outdoor Paintings auf die Leinwand. Von diversen Bezirken der Hauptstadt sind bereits Serien entstanden. Die Arbeit an den Neukölln-Ansichten war für ihn jedoch etwas Besonderes. Der Bezirk sei seit etwa 25 Jahren „quasi der Lebensmittelpunkt“, und obwohl er aktuell in Mitte wohne, sei er immer noch oft hier, wo er auch seine Familie gründete: „In den Neuköllner Bildern erkennt man Nostalgisches und Ecken, die nach und nach verschwinden, aber auch ein Gefühl des Zuhause-Seins.“ Im Café Rix, erzählt Eici Sonoda, waren bereits vor 19 Jahren Werke von ihm zu sehen.

Die Ausstellung „Mit dem Ölmalkasten unterwegs“ wird noch bis zum 19. Dezember in der Stadtbibliothek Neukölln in den Neukölln Arcaden gezeigt. Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 11 – 20, Sa. 10 – 13 Uhr.

=ensa=

Advertisements