Neuer Inhaber, neuer Name und neue Pläne: Frischer Wind für einen alten Neuköllner Familienbetrieb

berliner blechschild manufaktur_neuköllnZu einer Führung durch die Berliner Blechschild Manufaktur hatte der Eigentümer der Firma die Mitglieder des Unternehmensnetzwerk Neukölln Südring in der vergangenen Woche eingeladen. Rund 60 Interessierte konnte Hamid Djadda dazu lager_berliner blechschild-manufaktur_neuköllnempfangen.

2014 hat der gebür-tige Iraner, der in Hamburg aufwuchs, die Firma, die zuletzt unter dem missver-ständlichen Namen Plakat-Industrie als Familienbe-trieb in vierter Generation geführt wurde, gekauft. Gleich bei der Begrüßung erklärte er, dass er den Firmennamen in Berliner Blechschild Manufaktur geändert habe, denn: „Hier werden Blechschilder und keine Plakate produziert.“

Djadda führte weiter aus, dass die Firma ein Archiv mit 120.000 Schildern und 100.000 Postkarten habe und dies die größte Sammlung in der Welt sei. „Einzigartig in Deutschland ist es, dass sämtliche Arbeitsschritte bis hin zum fertigen Blechschild in der Firma gemacht werden“, betonte er. In anderen Betrieben würden dagegen rechnungsbuch mai1905_plakatindustrie neuköllnheute nur noch bestimmte Teile des Fertigungs-prozesses hergestellt. In diesem Jahr feiert die Firma ihr 111-jähriges Bestehen. Mit der Bemer-kung „Ihre Handelsregisternummer ist 73“ versetzte Djadda die Besucher in Erstaunen. Dass von den Unternehmen, die mit den Nummern 1 bis 72 eingetragen wurden, noch viele bestehen, sei fraglich, ergänzte er.

In zwei Gruppen aufgeteilt, von ihm und seinem stellvertretenden Geschäftsführer begleitet, ging es dann durchs ganze Gebäude. Die Führung begann im Keller, wo in Regalen riesige Mengen an Blechschildern gelagert werden. „75 Prozent der Produk-

lager_berliner blechschild manufaktur neuköllnlager_berliner blechschild manufaktur neukoellnlager_berliner blechschild manufaktur_neuköllnlager_berliner blechschild manufaktur_neukoelln

tion wird in Deutschland verkauft, der Rest geht ins europäische Ausland. Ein kleiner Teil gelangt bis nach Amerika. Die Mindestauflage für einen Auftrag sind 250 Stück“, erfuhr man. Beibehalten werde aber auch weiterhin die Möglichkeit, von einem privaten Photo ein Blechschild anfertigen zu lassen. Dazu müssten dann aber produktion_berliner blechschild manufaktur_neuköllnnatürlich keine 250 Stück abgenommen werden.

Die Offset-Druckmaschinen stehen im 1. Stock. Jede Farbe im Vier-Farben-Druck müsse einzeln aufgedruckt werden, wurde erklärt. Anschließend würden die Schilder brennofen_berliner blechschild manufaktur_neuköllnim Ofen gebrannt, bevor sie in die Endfertigung im Erdgeschoss gelangen.

Und in den langen Wegen zwischen unterschied-lichen Ebenen liegt dann auch das Problem, das dazu führte, dass sich der neue Eigentümer entschloss, die Produktionsstätte von Neukölln nach Tempelhof in die Teilestraße 11 zu verlegen. „Die Arbeitsschritte für die Herstellung eines Blechschildes sind auf mehrere Stockwerke verteilt. Das heißt, es ist umständlich eingang hochparterre_berliner blechschild manufaktur_neuköllnund arbeitsintensiv die Schilder hin und her zu transportieren. Das macht einfach keinen Sinn“, meinte Hamid Djadda. Am neuen Standort könne die komplette Produktion hingegen ebenerdig stattfinden. Zudem sei er dabei, einen neuen Vertrieb aufzubauen, informierte der Unternehmer. An solchen Maßnahmen zur Expansion, kritisierte er, habe es beim vorherigen Firmenchef produktionshalle_berliner blechschild manufaktur_neuköllngemangelt.

Natürlich hoffen die derzeit 21 Beschäftigten, dass der geschäftliche Erfolg gelingt und ihre Arbeits-plätze erhalten bleiben. Zu ihnen gehört auch Jaqueline Howaldt, die schon seit 1996 in der Firma ist und in dieser Zeit in ganz unterschiedlichen Bereichen gearbeitet hat. Gefragt, ob unter dem neuen Eigentümer bereits neue Motive hinzugekommen sind, erzählt sie, dass „die Beatles- und VW-Motive und Sternzeichen-Kalender“ jetzt auch als berliner blechschild manufaktur neuköllnBlechschild zu erwerben sind.

Mit einer naheliegenden Spekulation angesichts der rasanten Veränderungen und des Einfalls von Investoren im Reuterkiez hatte Hamid Djadda schon vor der Führung aufgeräumt. Er habe nicht vor, aus dem Gebäude in der Schinkestraße 20 schicke Lofts zu machen und diese dann zu verkaufen. Das Gebäude bleibe in seinem Besitz, versicherte er. Die weitere Nutzung sei zwar noch unklar, werde aber in den nächsten Monaten beschlossen. „Der Firmensitz der Berliner Blechschild Manufaktur soll, wenn die neue Produktionsstätte in Tempelhof gut läuft, wieder in die Schinkestraße zurück verlagert werden“, ist nur eines von Hamid Djaddas Vorhaben.

=Reinhold Steinle=

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