Berliner Feuerwehr kämpft gegen Windmühlenflügel, weil immer wieder Überlebenswichtiges abhanden kommt

Foto © ABIX_wasserrettung berliner feuerwehr_wildenbruchbrücke neuköllnEine Verkettung unglücklicher Zufälle, Leichtsinn oder Unfälle führen immer wieder dazu, dass Menschen ins Wasser stürzen und anschließend mit fremder Hilfe herausgezogen gezogen werden müssen. Erst Ende Mai retteten Feuerwehrleute bei einem spektakulären Einsatz an der Wil-denbruchbrücke eine Person, die nach Mitternacht ins Wasser gesprungen war und dann erschöpft aus der Mitte des Neuköllner Schiffahrtkanals allein das Ufer nicht mehr erreichen konnte. „Vier Mal in zwei Monaten mussten wir diesen Sommer zu Einsätzen ausrücken, um Personen aus dem Wasser zu holen“, berichtet Stephan Bernhardt, Hauptbrandmeister auf der Feuerwache Neukölln: „In zwei Fällen waren die Personen bereits an Land, als wir eintrafen. In den beiden anderen Fällen mussten unsere Rettungsschwimmer aber wasserrettungsstelle berlinins Wasser.“

Kleine Wasserrettungsstellen mit Rettungsring, von denen es insgesamt 327 in Berlin gibt, sind deshalb also kein überflüssiger Zierrat, sondern können im Notfall tatsächlich Menschenleben retten. Oft fehlt jedoch – wie z. B. an der Rettungsstelle 11/51 am Britzer Kanal – das runde rotweiße Rettungsgerät mit dem unübersehbaren schild teltowkanal neuköllnAufdruck „Berliner Feuerwehr“ an den Stationen: Geklaut oder grundlos vom Haken gerissen und einfach ins Wasser ge-worfen. Ein seit Jahrzehnten bekanntes Ärgernis, das kürzlich mit einer Parlamentarischen Anfrage des Piraten-Abgeordneten Christopher Lauer wieder einmal aufgegrif-fen wurde.

„Es sind mehrere Menschen gefordert, um eine Person zu retten. Retten sollte schon jemand, der sich mit dem Metier auskennt“, warnt Bernhardt, der selbst das Silberne Rettungsabzeichen hat. Beim Einsatz an der Wildenbruchbrücke, erzählt er, gingen zwei Einsatzkräfte mit dem Rettungsanzug Ice-Commander ins Wasser. Die Anzüge sorgen für ausreichend Auftrieb, halten die Körpertemperatur und schützen so vor Unterkühlung im kalten Wasser. Stephan ice commander_stephan bernhardt_feuerwache neuköllnBernhardt (l.) erklärt: „Der Rettungsanzug schwemmt auf, sodass man mit dem Ice-Commander nicht untergehen kann. Zusätzlich wird der rettende Kollege mit einer gelben Leine gesichert.“ Fahrzeuge, die zum Einsatz „Person im Wasser“ gerufen werden, führen ein aufblasbares Schlauchboot mit. Routinemäßig werden ebenfalls die beim Technischen Dienst in Charlottenburg stationierten Einsatztaucher alarmiert. Und selbstverständlich rücken Rettungs- bzw. Notarzt-wagen beim Einsatz zum Unglücksort mit an. Trotzdem rettungsstelle rungiusbrücke neuköllnwill die Berliner Feuerwehr, deren Aufgaben im Feuerwehrgesetz definiert sind, ihre Wasserrettungsstellen für die Ersthilfe nicht aufgeben.

„Jede Berliner Feuerwehrwache hat 20 bis 30 Wasserrettungsstellen, die im Winter an Seen bei Bedarf auch mit Eisleitern und Eishaken ausgestattet werden“, sagt Hauptbrandmeister Stephan Bernhardt: „Wir haben eine Liste und fahren die Neuköllner Stellen ab.“ Fehlende Ringe können von jedem bei der Feuerwehr-Zentrale unter der Nummer 030 – 387 29 144 gemeldet werden. Idealerweise gibt man die mit einem Schrägstrich getrennte Nummer der Rettungsstation sowie ihren Standort bei der Meldung mit an. Doch das Ersetzen der Ringe ähnelt einem Kampf gegen Wind-mühlenflügel. „An der Britzer Brücke habe ich erst am Freitag einen Rettungsring aufgehängt und am Sonntag war er schon wieder weg!“, klagt Bernhardt. Ob er eine Erklärung für das Verschwinden der Rettungsringe hat? „Ich habe einmal selbst gesehen, wie ein Junge, der in einem Klassenverband lief, einen Ring aus Übermut oder um seinen Klassenkameraden zu imponieren ins Wasser warf“, antwortet der Feuerwehrmann. Er habe sich daraufhin im Sekretariat der Schule, aus der die rettungsring detail_berliner feuerwehrSchüler kamen, beschwert. „Aber die Sekretärin hat sich um meine Beschwerde überhaupt nicht gekümmert. Das hat mich schon wütend ge-macht“, gesteht Stephan Bernhardt.

Rettungsringe werden von Sportbootfahrern, der Wasserschutzpolizei und dem Wasserschutzamt rettungsringe_wsv sieversuferimmer wieder in den Gewässern gefun-den. Allein ein Dutzend Ringe nimmt der Neuköllner Feuerwehrmann an diesem Tag vom Hof der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung am Sieversufer mit in seine Wache an der Kirchhofstraße. Für gewöhnlich werden die gefundenen Styroporringe zum Feuerwehr-Materiallager nach Pankow gebracht und von dort – sofern sie noch zu gebrauchen und nicht beschädigt sind – an die Berliner rettungsring-kasten_wsv neuköllnFeuerwachen verteilt. Etwa 400 werden jährlich entwen-det und müssen ersetzt werden.

Ob es ein Mittel gibt, um das Verschwinden der Ret-tungsringe zu verhindern? „Ich persönlich finde einen Kasten für den Rettungsring gut“, meint Bernhardt. So ein Kasten steht beispielsweise auf dem Gelände der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung in Neukölln. Der Hauptbrandmeister ist überzeugt: „Der Rettungsring darf nicht angeschlossen sein, damit er sofort benutzt werden kann. Wenn der Ring aber in einem Kasten ist, muss man rettungsring-kasten_wsv neukoellnsich erst einmal die Mühe machen, um ihn herauszuholen. Das hält von spontanen Taten ab. Der Ring schreit doch förmlich: Wirf mich ins Wasser rein! Das provoziert.“

Wenn eine Person aus dem Wasser gerettet werden muss, sollte grundsätzlich zuerst die Feuerwehr unter der Notrufnummer 112 ange-rufen und möglichst genau angegeben werden, wo die verunglückte Person gesehen wurde. Sofern ein Rettungsring ins Wasser geworfen werden kann, ist es wichtig, die Leine des Ringes in der Hand zu behalten und auf die Eigensicherung zu achten. Bei starkem Wind muss beim Werfen außerdem die Windrichtung beachtet werden, weil der Styroporring sehr leicht ist. Wer selber in einen der Neuköllner Kanäle gestürzt ist, sollte ruhig überlegen, wo an der Spundwand eine Möglichkeit zum Festhalten ist, nach einer gelb lackierten Leiter zum Herausklettern schauen und laut um Hilfe rufen.

=Christian Kölling=