Dorf für Kreative am Neuköllner Schiffahrtskanal

berlinstudios_neuköllner schiffahrtskanalSo richtig festlegen mag sich Vera Ritter nicht. Weil der Bau-Fortschritt schon mehrfach erheblich ins Stocken geraten ist, ist sie vorsichtig geworden. Denn eigentlich hätte das, was nun auf dem Eckgrund-stück Kiehlufer/Brockenstraße entsteht und vom gegenüber liegenden Weigandufer Rätsel aufgibt, bereits 2014 eröffnet werden sollen.

„Allein bis die Vorbereitungen abgeschlossen waren und mit dem Bau begonnen werden konnte, verging ein Jahr.“ Den Grundstein für die Verzögerungen habe das Ergebnis der Bodenproben gelegt, erklärt Vera Ritter.  Sie wiesen aus, dass unter dem Gelände, das zuvor und ohne vorherige Untersuchung von Kleingärtnern zwischengenutzt wor-den war, ein Schuttberg liegt, der 1905 beim Aushub des Neuköllner Schiffahrts-kanals entstand: „Eine Umnutzung war also sowieso vorgezeichnet, weil sich der Boden für Kleingärten als denkbar ungeeignet herausstellte.“  Deshalb beschloss die visiting creatives studios_kiehlufer neuköllnErbin des Grundstücks, hier – nach dem Aufschütten einer 30 Zentimeter dicken Hu-musschicht – ihr Herzensprojekt zu reali-sieren, dem sie den Namen Visiting Crea-tives Studios gab.

Ausgangspunkt war eine Erfahrung, die Vera Ritter als eine, die seit vielen Jahren als Film- und Kommunikationswissenschaftlerin in der Kreativszene etabliert ist, bestens bekannt ist: Wer einen Projektauftrag fernab des eigenen Wohnorts erhält, findet selten angenehme, inspirierende Arbeitsbedingungen vor. In diese Marktlücke will sie nun mit sieben voll ausgestatteten Gaststudios und Ateliers sowie einem 40 Quadratmeter großen Meetingraum in einem Ensemble aus drei pavillonartigen visiting creatives studios neuköllnHolzhäusern stoßen, die in die grüne Umge-bung integriert sind und sich zum Kanal hin öffnen. Zusätzlich wird es auf dem 17.000 Qua-dratmeter-Grundstück ein kleines Appartment als Dienstwohnung geben.

„Gemessen an den Kosten wird alles auf ein Non-Profit-Projekt hinauslaufen“, schätzt Vera Ritter die Situation ein, die sie als Privatinitiative schultert. „Ein einzelner Würfel wäre bedeutend günstiger gewesen als die Pavillons, aber ich wollte einfach etwas, was in die Umgebung passt.“ Bei der Nutzungsdauer geht die langjährige Neuköllnerin von drei bis acht Monaten aus, will sich jedoch vor allem nach den Bedürfnissen der internationalen Mieter sämtlicher Sparten der Kreativwirtschaft richten. Die Vermietung der Visiting Creatives Studios, schwebt ihr vor, werde überwiegend durch Mundpropaganda vonstatten gehen. „Momentan rechne ich mit einer Fertigstellung im Spätherbst“, kalkuliert Vera Ritter. Vielleicht klappe es aber doch erst zum Winteranfang.

=ensa=

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