„Bruno Tauts Hufeisensiedlung“ in Buchform will Touristen informieren und Bewohner für Denkmalschutz sensibilisieren

gästebuch infostation hufeisensiedlung neuköllnDie Hufeisensiedlung lag noch im tiefsten Dornröschenschlaf, als sie 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde. Seitdem ist in teich hufeisensiedlung neuköllndem von Bruno Taut konzipierten Areal im Neuköllner Ortsteil Britz viel passiert, um es nicht nur für die Bewohner attraktiver zu machen. Auch architek-turinteressierte Touristen kommen immer häufiger in die Siedlung und schlendern durch die Straßen, die zu Ehren des niederdeutschen Dichters Fritz Reuter nach Protagonisten seiner Erzählungen oder Stationen seines Lebens benannt sind. Seit gut drei Jahren haben sie zudem – so sie freitags oder sonntags nachmittags kom-men – die Möglichkeit, sich in der Infostation Hufeisensiedlung eine Ausstellung über die Historie und Entwicklung der ben buschfeld_wolfgang colwin_infostation hufeisensiedlung neuköllnHorseshoe Hou-sing Estate anzusehen. „Das wird lebhaft ange-nommen“, sagt Wolfgang Colwin (r.) vom Freunde und Förderer der Hufeisensiedlung Berlin-Britz (FFHBB) e. V., der die Infostation betreibt. Bei der immer wieder gestellten ben buschfeld_infostation hufeisensiedlung neuköllnFrage, ob es die Fotos, Skizzen und zweispra-chig gehaltenen Texte der Ausstellung auch als Buch zum Mitnehmen gibt, musste jedoch gepasst werden – bisher.

Denn nun hat der Grafikdesigner Ben Buschfeld (r.), der bereits die Ausstellung in der Infostation gestaltete, beim nicolai-Verlag ein Druckwerk herausgegeben, das die Bedürfnisse der Touristen erfüllt: „Bruno Tauts Hufeisen-siedlung“ gedenkstein bruno taut_hufeisensiedlung neuköllnheißt das 144-seitige Taschenbuch, das mit Abbildungen und Plä-nen illustriert ist und in deutscher und englischer Sprache Wissenswertes über das Ergebnis der „sozialpolitischen Großtat“ des 1938 verstorbenen Architekten vermittelt. „Taut hat, als in Berlin die Woh-nungsnot grassierte, mit seiner Hybride von Gartenstadt und Großsiedlungsbau Architekturgeschichte geschrieben. Eigentlich müsste er mit einem Museum geehrt erweiterungsbauten max taut_hufeisensiedlung neuköllnwerden“, findet Buschfeld, der seit 1998 in der Hufeisensiedlung lebt, die zur „Blaupause für alle GEHAG-Siedlungen“ wurde.

Doch Touristen aus dem Bundesgebiet, aus euro-päischen Ländern und häufig sogar aus Japan, wo Taut während der Nazi-Zeit im Exil lebte und „eine Marke ist“, sind nicht die einzige Zielgruppe für das als Architektur- und Denkmalführer konzipierte Buch. Dass sich die Besitzverhältnisse in der denkmal-geschützten reihenhaus-verkauf_hufeisensiedlung neuköllnSiedlung geändert haben, führt dazu, dass Nachhilfe erfor-derlich ist, damit die Bewohner, wie Ben Buschfeld es formuliert, „wieder das große Ganze in den Blick kriegen“. Zwar gehören die 1.285 Wohnungen mit der Deutsche Wohnen AG noch einem Großeigentümer, die 679 Reihenhäuser sind aber im Privatbesitz ein-zelner Eigentümer bzw. sollen diesen Status erlangen. „Beim Denkmalschutz gibt es etliche Sachen, die sehr kompliziert sind. Es ist ein ben buschfeld_führung hufeisensiedlung neuköllnschwieriges Erbe, das zu erhalten, was von Bruno Taut hier angelegt wurde“, weiß der Mitt-vierziger.

In den Reihenhäusern, kritisiert er, finde man alle Haustürmodelle, die Baumärkte in den letzten 30 Jahren angeboten haben. Zwischen der Farbgebung nach Renovierungen und dem Originalzustand liegen oft Welten. Die Denkmal-schutzbehörde hüsung_hufeisensiedlung neuköllndefiniere zwar Vorgaben, sei aber mit deren Kontrolle überfordert. „Und man selber will ja die Nachbarn nicht anschwärzen“, ergänzt er. Gründe dafür liefern die allerdings – aus Unwissenheit oder Ignoranz – reichlich. „Es wäre schön, wenn weniger Gartenhäuser errichtet wür-den“, nennt Buschfeld als Beispiel. Seine Frau, die Landschaftsarchitektin Katrin Lesser (r.), fügt ben buschfeld_katrin lesser_tautes heim_hufeisensiedlung berlin-neuköllnweitere hinzu: „Einheitliche Vor-gärten als grüner Rahmen waren den Planern der Hufeisensiedlung wichtig. Dieses homogene Ge-samtbild geht aber an vielen Stellen durch das tautes heim_hufeisensiedlung berlin-neuköllnAufstellen von Fahrrad-ständern oder Brief-kästen verloren.“

Nahezu sklavisch hielt sich dagegen das Paar an die historischen Vorgaben, als es ein Reihenendhaus kaufte und es zwischen 2010 und 2012 mit akribischer Liebe zum Detail zum mietbaren Ferienhaus machte. Tautes Heim heißt das Anwesen, bei dem von der Gestaltung des Gartens über die Fassade bis hin zur Inneneinrichtung alles von Authentizität und Stimmigkeit geprägt ist: Das Möbel wurden größtenteils nachgebaut, die Wandanstriche entsprechen dem

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Farbkanon der Taut-Ära, passgenaue Utensilien und Accessoires runden das Bild ab. Gut, gesteht Ben Buschfeld, das Bad sei mit moderner Technik und das Haus, trotz funktionierender Kachelöfen, mit Heizkörpern ausgestattet worden. Außerdem hätten sie beschlossen, die vom Architekten bevorzugte Sachlichkeit wenigstens mit einigen Bildern an den Wänden zu durchbrechen. Eines, ein Motiv mit dem Spruch „Tautes Heim – Glück allein“, hat Katrin Lesser selber gehäkelt: „Und weil es im Handel keine Bettwäsche gab, die im Ton der Wandfarbe entsprach, haben wir sie infostation hufeisensiedlung neuköllneben handgefärbt.“

Dass es alle Besitzer eines Hauses in der Hufeisensiedlung so dermaßen genau nehmen, erwartet Ben Buschfeld wahrlich nicht: Er wäre schon mit „Denkmalschutz mit Augenmaß“ zu-frieden und hofft, dass sein Buch dazu anregt.

Am 26. August um 19 Uhr laden Ben Buschfeld und der FFHBB e. V. im Beisein von Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher zur Buchpräsentation in die Infostation Hufeisensiedlung (Fritz-Reuter-Allee 44) ein; der Eintritt ist frei.

=ensa=

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