Keine Heimat mehr!

boom-theater neuköllnHeimat, ausgerechnet um das Thema Heimat ging es bei der Aufführung, die die letzte im Boom!-Theater war, weil das nämlich seine Heimat verliert. Nach acht Jahren, in denen im Parterre des Gartenhauses in der Thomasstraße 27 Konzerte, Theater, Performances und kündigung kunstraum t27 neuköllnFeste stattfanden, ist Schluss: Der Boom! e. V. erhielt eben-so wie der Kunstverein Neu-kölln, der im Vorderhaus den kunstraum t27 betreibt, die Kündigung und muss zum Monatsende ausziehen. Da-nach, heißt es, werden die Räume saniert, um anschließend als Eigentumswohnung verkauft werden zu können. Der Kunstverein Neukölln darf noch bis Ende Oktober in dem Haus im Körnerkiez weitermachen, dann muss auch er die Heimat vis-à-vis talentcampus 2015_heimat_boom-theater neuköllnder Thomashöhe verlassen.

„Wir erfinden ein Stück zum Thema Heimat, spielen, tanzen, singen, improvisieren“, hatte Boom!-Chefin Elvira Möller Mädchen und Jungen zwischen 10 und 18 Jahren zum letzten Som-merferien-talentCAMPus in ihr Theater eingela-den. Zwei Wochen lang probten die Kinder und Jugendlichen, bevor sie vor stolzen Verwandten und Freunden die erarbeiteten Szenen rund um den Aufruf von Flug 111 in Richtung Heimat auf der Bühne präsentierten.

„Ich liebe es, mich in meine Heimat zu zaubern“, „Meine Heimat ist zuhause“, „Ich vermisse meine Heimat Bangladesh“, „In meiner Heimat ist Kung Fu Tradition“: Es waren  leidenschaftlich vorgetragene  Sätze wie diese, die  jeden im  Publikum daran

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erinnerten, dass Neukölln für das Gros der Menschen, die im Bezirk leben, nicht die talentcampus 2015_heimat_boom-theater neukoellnHeimat, sondern nur das Zuhause ist – und damit eine Variable statt einer Konstanten.

Ein Dutzend talentCAMPus-Workshops, allesamt kosten-los für die Teilnehmer, stehen im aktuellen Sommerferien der Volkshochschule Neukölln. Einige sind bereits Anzeige tC2015_vhs neuköllnabgeschlossen, andere laufen derzeit. 25 talentCAMPus-Pro-jekte sind es insgesamt, die in diesem Jahr über das Bundesprogramm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bil-dung“ finanziert werden, um die Kreativität von Kindern zu fördern – damit ist der Bezirk bundesweiter Spitzenreiter. Mit rund 350.000 Euro beziffert Klaus Dieter Ryrko, Leiter des Programmbereichs Politik, Gesellschaft, Umwelt bei der VHS Neukölln, den Etat, der so in den Bezirk floss.

Auch der Boom! e. V. hat etwas davon abbekommen. Die Spielstätte des Vereins ließ sich trotzdem nicht retten. Der Ort, der zur Heimat einer Institution für die „kiezorientierte, soziokulturelle Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im Gebiet Körnerpark“ wurde, wird zum Zuhause.

=ensa=