Künstlich-künstlerische Illusionen von Natur

andere gärten_galerie im körnerpark neuköllnAusgerechnet in der Galerie im Körnerpark, die von mehr Grün als alle anderen Neuköllner Galerien umge-ben ist, eine Ausstellung zu zeigen, die das Thema Gärten fokussiert, hat schon etwas von Eulen nach lätitia norkeit_andere gärten_galerie im körnerpark neuköllnAthen zu tragen. Andererseits aber passt die Ausstellung „Andere Gärten“, die Arbei-ten von sieben Künstlerinnen und einem Künstler präsen-tiert, insbesondere wegen des satten Grüns vor den raumhohen Fenstern ausge-sprochen gut in diesen Ort, dem so eine moderierende Rolle zukommt: beim Dialog zwischen dem Draußen und Drinnen, zwischen Gartenbau-Architektur und künstle-risch barbara eitel_andere gärten_galerie im körnerpark neuköllngestalteten künstlichen Gärten.

„Bitte nicht betreten!“, das gilt sowohl in der Galerie im Körnerpark, als auch für die Beete und Rasen-fläche vor ihr. Während sich bei letzterer aber kaum jemand daran hält, wird die Aufforderung von Barbara Eitel respektiert. Ihre von verschiedenen Kulturen inspirierte Bodenarbeit „Vorgärten aus dem Hier und Da“ schließt sich im Eingangsbereich der Orangerie an eine Video-Installation an, um mit der Grenze farkhondeh shahroudi_andere gärten_galerie im körnerpark neuköllnzwischen Privatem und Öffentlichem, Schönheit und Ordnung in Szene zu setzen.

Abstrakter hat dagegen Farkhondeh Shahroudi das Thema Garten in ihrem Werk „gülüzar“ umgesetzt. Das türkische-persische Wort, erklärt sie, weise auf einen Blumengarten hin, sei aber zugleich der Begriff, der als Synonym für den Görlitzer Park in Kreuzberg verwendet werde. Zu Doppeldeutigkeit gelangt auch der Teppich als Sinnbild für einen mobilen Garten in der von der Künst-lerin nele ströbel_andere gärten_galerie im körnerpark neuköllnangefertigten Fotomon-tage.

Während Shahroudi ebenso wie Juliane Laitzsch, die filigrane Zeichnungen ausstellt, oder die Videoarbeit „Quasi Grün“ von Lätitia Norkeit mit wenig Platz auskommen, haben Jörg Finus und Nele Ströbel raumgreifende Installationen zu „Andere Gärten“ beigetragen. Die in einem Atelier in Steglitz arbeitende Bildhauerin hat für ihr Projekt „hortus conclusus“ außer sieben, für gefällte Stadtbäume stehenden Wandelhölzern klingende Terracotta-Schalen mit Mini-Gärten in ihrem jörg finus_andere gärten_galerie im körnerpark neuköllnInneren mitgebracht. Zu-dem setzt sich eine Aquarelle-Serie von ihr mit dem Urban Gardening in Neukölln auseinander.

Die Raumcollage „Implantat“ von Finus bedient sich indes der Botanik vor der Galerie, um sie in einer Gartenlandschaft aus klinisch weißen Fliesen, Ab-flussrohren, grünen Schläuchen und Kunstgras zu konterkarieren. Filmsequenzen von Menschen, die mit Autos in die Natur fahren und ihren akkurat geschnittenen Rasenflächen per Staubsauger den letzten Feinschliff geben, führen so letztlich zur Frage, ob Stadtgärten nicht doch nur eine Illusion von Natur sind.

„Andere Gärten“ sind noch bis zum 11. Oktober in der Galerie im Körner-park (Schierker Str. 8; Öffnungszeiten: Di. – So. 10 – 20 Uhr) zu sehen. Immer sonntags um 15 Uhr wird eine Führung durch die Ausstellung angeboten.
Das Begleitprogramm besteht aus einer Stadtwanderung am 12. Septem-ber, einer Klangperformance am 13. September und einer Performance mit mysteriösem Ritual am 19. September.

=ensa=

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