Gemeinsam starten, miteinander siegen

wasserstelle sovd inklusionslauf_tempelhofer feldVorgestern auf dem Tempelhofer Feld. Es ist früher Nachmittag und hochsommerlich warm. Der Qualm glimmender Holzkohle wabert über den Grillzonen, alle Liegestühle im Luftgarten sind vergeben.

„Verdammte Sonne!“, flucht die Frau, die am Rand der Süd-Landebahn steht und sich am schweißnassen Arm einer anderen festhält. „Ohne die Wasserstelle“, japst sie, „wäre ich auf der letzten Runde verreckt.“ Ein Rollstuhlfahrer, für den die erste die letzte Runde war, weil er sich für die 5 Kilometer-Strecke angemeldet hatte, gratuliert ihr dazu, die doppelte Distanz durch-gehalten zu haben. Dass er anerkennend seine Daumen in die Luft reckt, bemerkt die drahtige Mittvierzigerin nicht, die weder weiß, wie die Sonne oder das Tempelhofer Feld aussieht, noch die Wasserstelle auf der Neuköllner Seite ohne die Hilfe ihrer Begleiterin gefunden hätte: Denn die Frau ist von Geburt an blind. Andere, die wie sie am SoVD Inklusionslauf teilgenommen haben, helfer sovd inklusionslauf_tempelhofer feldhaben andere körperliche oder geistige Behinde-rungen oder sind frei von Handicaps.

Es ist nicht nur das im besten Sinne barrierefreie und so gleiche Bedingungen für alle bietende Tempel- hofer Feld, das dafür sorgt, dass bei diesem Sport- Event Inklusion Realität statt nur ein Wort ist. Die Konzeption der Laufveranstaltung, die erstmals im vergangenen Jahr stattfand, trägt ebenso wesentlich dazu bei: Die Teilnehmer melden sich für eine Dis- sovd inklusionslauf_tempelhofer feldtanz an – für 5 oder 10 Kilome- ter, für den 4 x 400 Meter Staffel- oder den 400 Meter Bambini-Lauf – und bewältigen diese samt des Kampfes gegen die Uhr zusammen. Am Ende bekommt jeder eine Medaille wie auch eine Urkunde, die die elektronisch gemessene Zeit ausweist. 151 Läufer und Rollstuhlfahrer waren es diesmal, die sich für die 5 Kilometer-Strecke entschieden hatten; 167 haben die Runde über die Nord- und Süd-Landebahn zweimal und somit 10 bühne_sovd inklusionslauf_tempelhofer feldKilometer absolviert, teilt Moderator Rafael Treite mit, als alle im Ziel sind. Zwei Gebärdendolmetscherinnen übersetzen für die, die ihn nicht hören können. Die Teil- nehmerzahl der Bambini- und Staffelläufe werde er noch nachreichen, verspricht er. Insgesamt seien es jedoch mehr als bei der Premiere des Inklusionslaufes gewesen, und „2016 werden wir vierstellig“, hofft er für den Sozialverband Deutschland (SoVD) rollstuhl-hindernisparcours_sovd inklusionslauf_tempelhofer feldals Veranstalter, der in diesem Jahr erneut den Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband sowie den Ber- liner Leichtathletik Verband als Kooperations-partner gewinnen konnte.

„Gemeinsam starten. Miteinander siegen“ ist das Motto des Laufwettbewerbs, bei dem Leistungsdenken weitgehend vom Spaß am Dabeisein, der Verwirklichung von Inklusion und dem Abbau von Berührungsängsten in den Hintergrund verdrängt wurde. „Diese Bullenhitze hat doch allen zu schaffen gemacht, egal ob behindert oder nicht behindert“, resümierte eine Zuschauerin, die nichts von der Veranstaltung wusste, als sie aufs Tempelhofer Feld kam. Sie ging nicht nur mit der Erfahrung, einen Rollstuhl-Hindernisparcours bewältigt zu haben: „Das sollte jeder mal machen, Politiker und Stadtplaner vorweg!“

=ensa=

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