Fragen und Antworten zu Bauplänen auf dem Areal der ehemaligen Frauenklinik Neukölln

ehemalige frauenklinik neuköllnUm bei Bauvorhaben Irritationen und Überraschungen in der Nachbarschaft zu vermeiden, trat vor kaum zwei Jahren eine Änderung des Verwaltungsverfahrens-gesetzes in Kraft: Bauherren müssen bei größeren Bauvorhaben nun laut Paragraph 25 Absatz 3 des Gesetzes eine frühe Bürgerbeteiligung durchführen, mit der die betroffene Öffentlichkeit über Ziele und voraussichtliche Auswirkungen des Bauprojektes informiert wird.

Dr. Douglas Fernando und seine Mitarbeiter von der Avila Projektmanagement GmbH stellten deshalb vorgestern in der Albrecht-Dürer-Oberschule allen Interessierten ihre Pläne für das Gelände der ehemaligen Frauenklinik Neukölln vor. Fernando, der 2003 das katholische Petruswerk übernahm, war bereits im Februar im Ausschuss für Stadtentwicklung der Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung zur Vorstellung des Bauvorhabens gewesen. In der Aula des Gymnasiums ging es an diesem Abend allerdings nur um das Baufeld 1, auf dem an der Grenze zu Tempelhof zwischen der Eschersheimer Straße und der Silbersteinstraße sowie dem Marien- dorfer Weg einmal rund 550 Wohnungen errichtet werden sollen. „Wenn alle mithelfen, kann ich 2017 bauen“, erklärte Fernando. Das zweite Baufeld auf der groth_bauprojekt frauenklinik neuköllngegenüberliegenden Seite des Mariendorfer Weges soll erst anschließend entwickelt werden.

Bezirksbaustadtrat Thomas Blesing (SPD) und Rolf Groth (l.), der Leiter des Stadtplanungsamtes Neukölln, waren ebenfalls zur Veranstaltung gekommen. Groth erklärte das Verfahren den Anwesenden detailiert: „Die frühe Bürgerbeteiligung durch den Bauherrn ist nur eine Ergänzung zum hoheitlichen Bebauungsplanverfahren. Der aktuelle B-Plan mit der Nummer XIV-293 ist zur Zeit zwar nicht im Internet einsehbar, weil es andauernd Änderungen gibt, Sie können ihn aber nach Voran-meldung bei mir einsehen.“

alvarez_bauprojekt frauenklinik neuköllnDie Fragen der erschienenen Anwohner konzentrierten sich zunächst auf den rund 65 Meter hohen Hochhausturm. „Schatten wer- den Sie haben, aber nicht ständig“, ent- gegnete Architekt Manuel Alvarez (r.) einer Frau, die in der Eschersheimer Straße lebt. „Wir halten alle Abstandsflächen nach Paragraph 6 der Berliner Bauordnung ein“, versprach der Architekt. Eine Mitarbeiterin des benachbarten Seniorenwohnheims Sunpark ließ sich noch einmal bestätigen, dass die Tiefgaragenzufahrt nicht an den Mariendorfer Weg neben die Senioren-Wohnanlage kommt. Die Zufahrten zur Tiefgarage sollen stattdessen an der Escherheimer Straße und an der Silbersteinstraße sein. Schließlich fragten die Anwohner nach Infrastruktur und Zugänglichkeit des Geländes. Bauherr Fernando erläuterte, dass die Versorgung mit Geschäften und Ärzten behutsam im Einklang mit infoveranstaltung_bauprojekt frauenklinik neuköllnbisherigen Angeboten im Sunpark entwickelt werden soll. Die alten Mauern des denkmal- geschützten Klinikbereiches müssten erhalten bleiben; ob weitere Zäune um das Gelände gezogen werden, sei noch nicht endgültig beschlossen.

Der SPD-Bezirksverordnete Dieter Jendralski, der neben seinem BVV-Kollegen Michael Morsbach im Publikum saß, erkundigte sich nach der Energieversorgung der Wohnhäuser und erfuhr, dass sehr wahrscheinlich Fernwärme eingesetzt werde. Marlis Fuhrmann (Linke) und Bertil Wewer (Grüne) aus der BVV fragten, ob die Wohnungen des Petruswerkes zu bezahlbaren Mieten angeboten würden. „Was sind bezahlbare Mieten? Ich bin nicht Caritas-Direktor. Ich bin ein Unternehmer“, erwiderte Dr. Douglas Fernando. Zur Orientierung nannte er jedoch als Untergrenze eine Miete von 9,80 Euro pro Quadratmeter, die das Wohnungsunternehmen im Entwicklungsgebiet Alter Schlachthof in Prenzlauer Berg verlangt. Ebenso reserviert begegnete Fernando der Frage, ob er ausschließlich Mietwohnungen anbieten wolle: „Wir haben sehr selten Eigentumswohnungen. Wir denken an die Normalverdiener gelände ex-frauenklinik neuköllnund an Familien mit Kindern. Wir halten unsere Wohnungen meistens im Bestand“, sagte er und vermied damit eine eindeutige Aussage zur Frage nach Eigentumswohnungen.

Max von Heckel, Leiter vom Avila-Projektmanagement, fasste am Ende zusammen: „Fakt ist, wir fangen an, die nicht denkmalgeschützten Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Frauenklinik abzureißen. Wir fangen an, Schadstoffe zu sanieren.“ Stadtpla- nungsamtsleiter Groth ergänzte, dass das Bezirksamt offiziell bekanntgeben werde, wann das Einspruchs- verfahren zum hoheitlichen Bebauungsplan läuft. Ob es viele oder wenig Einwände geben wird und wie begründet die Bedenken sein könnten, ist heute noch nicht abzusehen. Zu einer sachlichen Beschäftigung mit den Neubauplänen hat die Veranstaltung zweifellos beigetragen.

=Christian Kölling=

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