Als grauer Block durch Neukölln: Senioren demonstrieren vor JobCenter und Rathaus

sylvia-fee wadehn_seniorendemo neukoellnSenioren gehören nicht gerade zur Spezies der eifrigen Demonstranten. „Es ist meine allererste“, sagt eine Rentnerin aus dem Rollbergviertel, die sich über die hohe Teilnehmerzahl wundert. Andere sitzen in Rollstühlen, auf bereitgestellten Klapp-hockern oder den Sitzen ihrer Rollatoren. Es wirkt, als würden die Bewohner eines Altenheims auf die Abfahrt zu einer Tour ins Grüne warten. Dass Trillerpfeifen verteilt werden, einige Rasseln und Topfdeckel dabei haben und „Die Internationale“ aus einem transportablen Lautsprecher dröhnt, stört den Eindruck ebenso wie die große Polizeipräsenz. Neukölln erlebte heute Mittag etwas, was noch seltener vorkommt als Senioren bei einer Demo: eine Kund- seniorendemo neuköllngebung, die von ihnen selber organisiert wurde.

Aufgerufen dazu hatte der Beirat der MoRo Seniorenwohnanlagen im Rollberg- und im Reuterkiez. Von der Morusstraße ging es über die abgesperrte Werbellinstraße zunächst zum JobCenter Neukölln in der seniorendemo_jobcenter neukoellnMainzer Straße und anschlie- ßend zum Neuköllner Rathaus, wo Bezirksbürger-meisterin Dr. Franziska Giffey den Groll der Senioren zu hören bekommen sollte.

„Das JobCenter ist ein Unsozialcenter“, brachte Sylvia-Fee Wadehn, die Vorsitzende des Senioren- beirats, per Lautsprecher den Kern des Protests auf den Punkt. Vier Projektanträge, die die Weiterbeschäftigung seniorendemo_jobcenter neuköllnvon MAE-Kräften zum Inhalt hatten, um den Begleit- und Beratungsservice in den Wohnanlage aufrecht erhalten zu können, so der Vorwurf, seien von der Behörde abgelehnt worden. Und damit habe sie eindeutig gegen die Befür-wortung von Sozialstadtrat Bernd Szczepanski entschieden. „Wenn das JobCenter Neukölln seine Politik des sozialen Kahlschlags beibehält, gehen in unseren Seniorenwohnanlagem am 31. Mai die Lichter aus“, prognostiziert Wadehn. Denn ohne MAE-Kräfte könnten die Begegnungsstätten nicht mit Leben gefüllt werden. Inzwischen, sagt die engagierte Seniorin, habe sie auch Berlins Regierenden Bürgermeister einge- schaltet, der eine Stellungnahme vom JobCenter Neukölln erwarte.

=ensa=

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2 Antworten

  1. Es ist schon etwas gewöhnungsbedürftig zu akzeptieren, dass Seniorinnen und Senioren FÜR den Einsatz von 1-Euro-Sklavenarbeitern demonstrieren!

  2. Traurig das sich Rentner für solche Aktionen hergeben. Sie sollten sich mal überlegen, ob sie ihre Kinder und Enkel für 1€ die Stunde begeistern könnten und wollten.

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