Neuköllner Künstlerverein Artistania geht in die Offensive

plakat hoffest artistania neuköllnDas frühere Lagerhaus der Kindl-Brauerei in der Neckarstraße ist seit Ende letzten Jahres das Domizil vom Artistania e. V., einem kleinen gemeinnützigen Kulturverein, der seine Arbeit am vergangenen Sonn- abend bei einem Nachbarschafts-Hoffest vorstellte. „Kunst ist schon etwas Elitäres“, sagt Claire Chaulet vom Verein. „Wir befürchten, dass die Nachbarschaft artistania neuköllngegen uns Künstler agi- tiert, weil wir den Kiez kaputt machen könnten, indem es zu Aufwertung und steigenden Mieten kommt, sodass die alteingesessenen Bewohner sich ihren Kiez nicht mehr länger leisten können. Dabei sind Künstler selbst von steigenden Mieten betroffen!“ Also gingen die Artistania-Mitglieder mit einem Hoffest in die Offensive, um mögliche Probleme offen anzuspre- chen und sich zugleich im Wohngebiet bekannter zu machen. „Wir wollen Leute in unsere Arbei einbeziehen, die denken, dass Kultur eigentlich für sie nichts ist“, hoffest artistania neukoellnfasst Claire Chaulet den Anspruch ihres Vereins zusammen.

Im Untergeschoss des weitläufigen Lagerraums sind Arbeiten von Bouka zu sehen. Die Künst-lerin, die mit bürgerlichem Namen Mebrouka Hadjadi heißt und ursprünglich aus Algerien kommt, lebt seit 1984 in Frankreich. Auf dem Boden liegt eine meterlange Arbeit, die Anfang bouka_hoffest artistania neuköllndes Jahres nach den Attentaten in Paris und Kopenhagen entstand.

Nebenan im Raum sind zahlreiche Bilder an den Wänden und auf dem Boden ausgestellt. Bouka, die erst spät ihr künstlerisches Talent entdeckte, ist mit dem Verein Frères Poussière nach Berlin gekommen. Zum Verein gehören 15 junge Künstler und Kulturarbeiter. Ihr größter Erfolg war es bisher, Leben in das alte Theater von Aubervilliers zu bringen. Rund 70.000 Einwohner hat der nördliche Vorort von Paris, 30 Prozent davon sind Staatenlose, 42 Prozent jünger als 30 Jahre, und 54 Prozent der jungen Erwachsenen sind ohne Berufsqualifikation. „Kunst ist ein äußerst geeignetes Mittel, um Menschen über Grenzen, Kulturen und Sprachen hinweg zu verbinden“, erklärt Guilain Roussel vom Verein Frères Poussière. „Wir arbeiten mit Partnern im britischen Stoke-on-Trent lichtkunst fasto_ hoffest artistania neuköllnsowie in Oslo und Kopenhagen gut zusammen“, berichtet er weiter.

Der Lichtkünstler Fasto macht Besucher mit seiner Arbeit vertraut. Mit unterschiedlichen Lampen und Lichterketten sollen sich die Gäste vor einer Kamera bewegen, die mit langer Belichtungszeit ein Foto aufnimmt, so dass hoffest artistania neuköllnLichtspuren auf dem Bild entstehen. Vorne probt eine Band für ihren Aufftritt am Abend, und die Artistania-Theatergruppe „Theatre of Details“ stellt ihre düstere Zukunftsvision 56GDP2_ hoffest artistania neuköllnfür das Jahr 2050 vor: Der Mensch hat sich verflüchtigt. Meinungen, Gefühle, Empö- rungen besitzen keine Bedeutung mehr. Jedoch hat das System seine Lücken. Durch die flüchtet Protagonist 56GDP2 in die Welt der Träume.

Über die Arbeit von Artistania gibt Claire Chaulet gerne weitere Informationen. Am Karneval der Kulturen werde man in diesem Jahr nicht teilnehmen, erklärt sie. Stattdessen wird am Pfingstwochenende im Vereinsatelier in der Neckarstraße zur Vernissage einer neuen Ausstellung eingeladen. Und sei da noch der Workshop zum Maskenbauen für Kitas, den Artistania anbietet.

=Christian Kölling=