Hörmuseum auf dem Tempelhofer Feld eröffnet

hoerstationen_hörmuseum tempelhofer feld_berlinAuf dem Tempelhofer Feld trifft man immer wieder einmal auf temporäre Installationen. So ragen seit letztem Freitag in unmittelbarer Nähe des nördlichen Grillplatzes sechs Stahlrohre mit Photovoltaikelementen an der Spitze in den Himmel. In Brusthöhe sind gelbe Kästchen angebracht, denen man durch Knopfdruck Töne entlocken kann bzw. können sollte. Bei der Einweihung des Parcours, der das Hörmuseum Tem- pelhofer Feld bildet, funktionierte das aber nur bei vier hörstation_hörmuseum tempelhofer feld_berlindieser Hörstationen, die anderen bleiben stumm.

An den Kästchen sind unter Verwendung von Doppelkreuzen Schlag-wörter (oder Neudeutsch: Hashtags) angeklebt, die ihre Haltbarkeit noch beweisen werden müssen. Das Audio-Erlebnis einer Station, an der es tatsächlich etwas zu hören gibt, beginnt mit einer Toncollage von Besucherbefragungen zur aktuellen Nutzung sowie zu Kennt-nissen über die Historie. Die Antworten reichen von „Gassi gehen mit dem Hund“ bis zu „Kitelandboarding“ und von der Luftbrücke über das KZ Columbia-Haus bis zum hier gegründeten ersten deutschen Fußballverein, dem heute noch existierenden B.F.C. Germania 88. Es folgen Interviews mit Thomas Schneider, Mitautor des Buches hörmal-hinweisschild_hörmuseum tempelhofer feld_berlin„Fußlümmelei. Als Fußball noch ein Sport war.“ und Tim Retzlaff von der Berliner Kiteschule.

Neugierig geworden, sucht man nach weiteren Informationen. Ein witterungsan-fälliges Schild, an zwei Mauersteine gelehnt, erteilt Auskunft. Unter anderem ist hörmal-broschüre_hörmuseum tempelhofer feld_berlinauf ihm zu erfahren: „An den Info-Points gibt es die HÖRMAL!-Broschüre zum Mitnehmen!“ Ein Hinweis darauf, wann die roten Tonnen an den Feld-Eingängen geöffnet sind, fehlt jedoch.*

Eingeladen zur Eröffnung des Hörmuseums hatte der Globale Medienwerkstatt e. V., der das Projekt initiierte und seit August 2014 durchführte, wie Jessica Zeller, Joel Vogel und Tim Zülch (v. l.) als Vereinsrepräsentanten erläuterten. Vor allen zeller_vogel_zülch_hörmuseum tempelhofer feld_berlinDingen war HÖRMAL! ein Projekt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die dem Albrecht-Dürer-Gymnasium, in Neukölln, der Brandenburgischen Schule für Blinde und Sehbehinderte Königs Wusterhausen, dem Campus Berufs-bildung e. V., einer Klasse der Steglitzer Fichtenberg-Oberschule und 10. Klassen der Hugo-Gaudig-Schule in Tempelhof angehören. Ziel sei es gewesen, in der pädagogischen Arbeit – anders als sonst im Geschichtsunterricht üblich – an den Themenkreis Tempelhofer Feld heranzugehen. In Workshops, insbesondere aber durch Interviews wurde das Material zusammengetragen, bearbeitet, und mündete in hörstationen_hörmuseum tempelhofer feld_berlindie nun vorliegenden akustischen Resultate.

Es folgten Grußworte und kurze Ansprachen von Dr. Michael Krebs, dem Grün Berlin-Parkmanager des Tempelhofer Felds, Beate Winzer vom Förderverein für ein Gedenken an die Naziverbrechen auf dem Tempelhofer Flugfeld, Dr. Irene von Götz vom Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße sowie den Historikern Dr. Cord Pagenstecher und Prof. Dr. Reinhard Bernbeck von der FU Berlin. Da sie auch Partner des Projekts waren, wundert es nicht, dass – trotz des Titels „Die Geschichte vom Tempelhofer Feld“ – der Zeitraum von 1933 bis 1945 den thematischen Schwerpunkt des Hörmuseums bildet. Andere Epochen werden leider lediglich durch den Sport-Aspekt repräsentiert; die Ära des Areals als Berliner neuenfeldt_hörmuseum tempelhofer feld_berlinZentralflughafen wird gänzlich ausgeklammert.

Zwischen den einzelnen Redebeiträgen sang und spielte Isabel Neuenfeldt, die bereits mit dem Lied „Wenn ich nicht mehr bin, dann weine nicht …“ von Karl Ladé, der einst in Neukölln zur Schule ging, die Veranstaltung musikalisch eröffnet hatte. Insbesondere das von ihr sehr einfühlsam vertonte Gedicht „Einzelhaft“ von Erich Mühsam rührte die Zuhörer an.

Bei den Machern dieses Hörmuseums war es wie so oft: Die, mit der langen Anreise waren gekommen, wie z. B. brandenburgische schule_hörmuseum tempelhofer feld_berlineine Delegation der Brandenburgischen Schule für Blinde und Sehbehinderte Königs Wusterhausen (l.). Die, die um die Ecke zuhause sind, nicht. Mitglieder des Campus Berufsbildung scharten sich noch einmal um Dr. Reinhard Bernbeck (r.), mit dem campus3_hörmuseum tempelhofer feld_berlinsie ihr Teilprojekt erarbeitet hatten, und standen für Fragen zur Verfügung. Andere inte- ressierten sich für die jeweils etwa sechsminütigen Vertonungen ihrer eigenen projektteilnehmer_hörmuseum tempelhofer feld_berlinProjekt-Ergebnisse und die anderer Teilnehmer.

Eigentlich sollten alle Arbeiten bereits auf der HÖRMAL!-Projekt-Website präsentliert werden, doch diese konnte leider nicht pünktlich an den Start gehen. „Es gibt sie aber ganz bald – mit einem Hörspaziergang, den Hörstationen zum Nachhören, einer Audio-Wegbeschreibung zur Ausstellung für Sehgeschädigte und eben Fotos und Texten zum Projekt, die teilweise identisch mit denen aus der Broschüre sind“, ver- spricht Jessica Zeller.

Das Hörmuseum steht noch bis Oktober 2015 in der Nähe des Haupt-eingangs Columbiadamm auf dem Tempelhofer Feld. * Die Info-Points sind an den Wochenenden nachmittags geöffnet und unter der Woche nur sporadisch besetzt. Lt. Parkmanager Dr. Michael Krebs sind die Infoboxen „während der Saison wochentags von 12 – 18 Uhr, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 12 – 20 Uhr geöffnet.“

=kiezkieker=

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