Traditionelles und Neues im Jubiläumsjahr der Neuköllner Maientage

1_giffey fassbieranstich_50.neuköllner maientageSie solle Kleidung zum Wechseln mitbringen, haben Kollegen Neuköllns Bezirksbürger-meisterin vor dem ersten Fassbieranstich ihrer Karriere geraten. Optimistischere Naturen gaben mit „Kurz und kräftig! Der erste Schlag muss sitzen!“ Hinweise zur Technik zum Besten. Beispiele, was im Falle des Misslingens droht, hatte nicht nur der stellvertretende Bezirks-bürgermeister Falko Liecke (CDU) bei der Eröffnung der Britzer Baumblüte gegeben, sondern auch Ex-Bezirksbürgermeister Busch-kowsky beim Opening der Neuköllner Maientage im Vorjahr„Das hat mich schlaflose Nächte gekostet“, gestand Dr. Franziska Giffey (SPD) angesichts dessen noch Sekunden, bevor sie zum Hammer griff, um die 50. Neuköllner Maientage im Volkspark Hasen- 2_giffey fassbieranstich_50.neuköllner maientageheide zu eröffnen. Dass etliche Bezirksverordnete der SPD-CDU-Zählgemeinschaft im Publikum saßen (die Oppositionsfraktionen feierten zeitgleich im Rathaus ihren kommunalpolitischen Frühlingsempfang), das Bezirksamt mit drei Stadträten in 3_giffey fassbieranstich_50.neuköllner maientagebeschlussfähiger Stärke anwesend war und sich auch Neuköll- ner Landes- und Bun- despolitiker das Er- eignis nicht entgehen lassen wollten, dürfte den Erfolgsdruck noch verstärkt haben. Die skeptischen Blicke von Rummel-Organisator Thilo-Harry Wollenschlaeger (r.) und denen, die direkt vor der Bühne Platz genommen hatten, machten die Angelegenheit auch nicht leichter. Doch dann: Mit einem kräftigen Schlag trieb Neuköllns erste Bezirksbürgermeisterin freibier_50.neuköllner maientageden Zapfhahn ins Bierfass, setzte noch drei leichtere Schläge nach und o’zapft war’s!

Doch nicht nur für Franziska Giffey sind das diesjährige Volksfest etwas Besonderes. „Als es 1965 zum ersten Mal stattfand“, erinnerte sie, „herrschte eine schwierige Stimmung in der Stadt.“ Umso wichtiger sei damals der Schulterschluss zwischen dem Bezirksamt als Veranstalter und der Schausteller-familie Wollenschlaeger als Organisator gewesen. „Und das“, so Giffey, „ist er noch heute, weil er ein gemeinsames Bekenntnis ist, dass wir dieses fröhliche, friedliche Familienvolksfest hier haben thilo-harry wollenschlaeger_50. neuköllner maientagewollen.“ Inzwischen hätten sich die Maientage zu einer Institution und einem „bedeutenden Botschafter Neuköllns auf dem Berliner Veranstaltungsparkett entwickelt.“

Dessen ist sich auch Thilo-Harry Wollenschlaeger bewusst, der den Betrieb seit 1989 in fünfter Generation führt. Über 70 Schausteller, von denen mehr als die 50.neuköllner maientageHälfte aus Berlin seien, wollen im Jubiläumsjahr die Erfolgsgeschichte der Neuköllner  Maientage fortsetzen. Waren es 2014 noch rund 400.000 Besu- cher, die zu Berlins größtem Parkfest kamen, wird in diesem Jahr auf das Knacken der nächsten Hundert-tausender-Marke gehofft. Was sie erwartet, sind „tolle Fahrattraktionen“, sagt Wollenschlaeger: Zwei Geisterbahnen, zwei Achterbahnen, von denen eine durchs Dunkel fährt, ein Riesen-Looping, die größte mobile Rafting-

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bahn und die Bayern Rutsch’n vom Oktoberfest gastieren u. a. in der Hasenheide. Nicht dabei sind jedoch in diesem Jahr ein Riesenrad und der Kettenflieger, die in den letzten Jahren zu den Highlights auf dem Rummelgelände zählten – aber vermutlich finanziell weniger attraktiv als optisch waren. „Die Situation der Schaustel-

aufbau 50. neuköllner maientage

steller ist schwierig“, hatte Thilo-Harry Wollenschlaeger bereits zwei Tage vor der Eröffnung bei der Maientage-Pressekonferenz betont: Nur 180 Tage hätten sie durchschnittlich pro Jahr, um mit ihren Buden und Karussells zu verdienen, in der restlichen Zeit seien sie mit dem Auf- und Abbau oder den Fahrten von einem Volksfest zum nächsten beschäftigt. Wegen des finanziellen Aspekts habe man sich plakat_50.neuköllner maientagefranziska giffey_darin merhi_th wollenschlaeger_50.neuköllner maientageauch ganz bewusst dafür entschieden, die 50. Neuköllner Maientage an einem Mittwoch, dem traditionellen Familientag, zu eröffnen.

Ebenfalls fest in der Maientage-Historie verankert ist der Schüler-Malwettbewerb, der die Grundlage für die Werbeträger des Rummels schafft. In diesem Jahr überzeugte Darin Merhi (M.) vom Albert-Schweitzer-Gymnasium mit ihren Kirmes-Impressionen. „Deine Zeichnung prägt momen- tan das Gesicht Neuköllns, darauf kannst Du ganz schön stolz sein“, lobte Schulstadtrat Jan-Christopher Rämer (SPD) gestern die 17-Jährige, als er ihr bei der Eröffnungsfeier das Preisgeld nebst sonderbriefmarke_50.neuköllner maientageFreifahrscheinen überreichte.

Doch darüber hinaus ergeben sich aus dem runden Jubiläum des Volksfests auch Neuigkeiten: Eine Broschüre, die für 5 Euro im Biergarten erhältlich ist,  gewährt Einblicke in „50 Jahre Maientage“. Den Erlös, so Wollenschlaeger, werde er dem Alpha-Bündnis Neukölln spenden. Nur 62 Cent muss investieren, wer zum Besitzer der Maientage-Sonderbriefmarke werden will. Dass die rechtzeitig zur Eröffnung ausgeliefert werden konnte, habe allerdings der Post-Streik verhindert: „Wir hoffen, dass wir sie in den nächsten Tagen kriegen.“ Pünktlich wurden indes die Songs für den Wettbewerb „Lied zum Jubiläum“ fertig, zu dem Jugendstadtrat Falko Liecke Neuköllner Schülerbands aufgerufen hatte. Bei der Eröffnung durften die drei Erstplatzierten ihre Hymnen vor großem Publikum vortragen: Den Songcontest gewann die Mädchenband  „Escape & Hope“ (r.) mit dem ohrwurmverdächtigen Titel

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„May Song“ vor den „Szenemädchen“ (M.) und der Gruppe „Cool at School“. Sich nur für einen Siegertitel entscheiden zu müssen, sei eine große Herausforderung gewesen. „Ich habe großen Respekt vor der Leistung aller Bands. Sie haben nicht nur tolle Texte und Musik in Teamarbeit entworfen, sondern auch enormen Mut crazy mouse_50. neuköllner maientagebewiesen, ihre Songs bei der Eröffnungsfeier vorzustellen“, attestiert Liecke den Nachwuchs- Künstlern.

Die 50. Neuköllner Maientage dauern noch bis zum 25. Mai; der Eintritt ist frei. Öffnungszeiten: Mo., Di. + Do. 15 – 23, Fr. 15 – 24, Mi. + Sa. 14 – 24, So. 14 – 23, feiertags ab 14 Uhr. Mittwochs, freitags sowie an den Wochenenden wird im Biergarten an der Löwenhütte ein Bühnenprogramm geboten.

Für eine Verlosung unter den Leserinnen und Lesern des FACETTEN-Magazins stellen die Schausteller der 50. Neuköllner Maientage drei „Volksfest-Pakete mit Gutscheinen für Freifahrten, Leckereien und Lose sowie weiteren attraktiven Präsenten“ zur Verfügung. Wer eines davon facettengewinnen möchte, beantworte per E-Mail an bis zum 2. Mai d. J. die Frage: Auf wie viele Besucher hofft Thilo-Harry Wollenschlaeger im Maientage-Jubiläumsjahr? (Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.)

Update: Die drei Gewinner der Volksfeste-Pakete wurden ausgelost und über ihr Glück informiert; die richtige Lösung lautete „über 500.000“.

 =ensa/kiezkieker=

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