711 erstaunliche Fakten über Berlin – und einige davon über Neukölln

fernsehturm berlinDass der Fernsehturm am Alex offiziell Fernmel- deturm 32 heißt, dürfte kaum einen Berliner in Erstaunen versetzen. Amtliche Bezeichnungen sind den meisten ohnehin egal. Dass die 32 aber gleich zweimal bei den Maßen des Bauwerks auftaucht, das so hoch wie 77 Giraffen ist, könnte schon eher zu Verblüffung führen: Nicht nur seine Basis hat einen Durchmesser von 32 Metern, sondern auch die Turmkugel. Sogar, wie viele Badewannenfüllungen in diese passen würden, haben André und Mirela Stanly für ihr kürzlich erschienenes Buch „Unnützes Wissen Berlin“ recherchiert, das „711 erstaunliche Fakten“ ver- sammelt.

Selbstverständlich bleibt auch Neukölln in dem Kuriositätenkatalog nicht unerwähnt. Nur bis zur Seite 14 muss man sich schmökern, um erstmals auf Bemerkenswertes aus dem Bezirk zu stoßen: Um den Spätkauf „Eck-Oase“ geht es in dem Fakt, der zwischen einer Information über Gesteinsbrocken mit Berlin-Bezug auf dem Mars und der Berechnung, wie lange das Erwandern der Hauptstadt auf der gesamten Süd- Nord-Achse dauert, aufgeführt ist. Schon acht Seiten später trifft man auf die nächste Neuköllner Kuriosität: den SC Tasmania 1900 Berlin, der bis heute als erfolglosester sitzkissen_neukölln ist vorneClub der Fußballbundesliga-Geschichte das vom Bald-Ex-Bezirksbürgermeister verschlis- sene Bonmot, dass vorne ist, wo Neukölln ist, auf den Kopf stellt.

Auch Erstaunliches aus der lokalen Ökono- mie gibt das Buch preis. Wobei die Auskunft, die sich um die von Kraft in Mondelèz umbenannte Neuköllner Firma und Currywurst-Erfinderin Herta Heuwer rankt, mit dem Wort „angeblich“ versehen ist. Keine Zweifel gibt es jedoch daran, dass Neukölln – wie auch der zu Marzahn-Hellersdorf gehörende Ortsteil Biesdorf – eine Hunde-Waschanlage und ein Wohnungsbau- unternehmen hat, dessen Gewerbemietverträge Klauseln gegen rechtsextreme Nutzung beinhalten. Von der Aktualität vom Thron der Besonderheiten gestoßen wurde indes der verblüffende Fakt bezüglich eines Neuköllner Bio-Ladens, der friedrich ludwig jahn, turnvater jahn-denkmal, hasenheide, neuköllndiverse Artikel offen verkauft bzw. sie in mitgebrachte Gefäße der Kunden abfüllt.

Unbegrenzt haltbar sind hingegen die aus der ferneren und näheren Historie ausgegrabenen Tatsachen um den Turnvater Jahn, das von David Bowie und Brian Eno komponierte Instrumentalstück „Neuköln“ sowie den Türkischen Friedhof am Columbiadamm. Eigentlich nichts, aber irgendwie doch mit Neukölln hat ein weiteres Kuriosum zu tun, das von den Autoren aufgestöbert wur- de: Es war ein gewisser Richard Platz, der am 17. Mai 1913 eine Flaschenpost in die Ostsee warf. Erst am 4. März 2014 wurde diese entdeckt und gilt nun als älteste Flaschenpost der Welt. (Dass, wie wir aus zuverlässigster Quelle erfuhren, am unnützes wissen berlin_emonsRichardplatz auch jemand wohnt, der einmal glücklicher Finder einer Flaschenpost war, findet in dem Buch keine Erwähnung.)

Wissen muss man all das natürlich nicht, was André und Mirela Stanly auf 192 Seiten zusammengetragen haben. Aber es ist sehr unterhaltsam und kurzweilig. Und es dürfte auch kaum schaden, wenigstens einige der 711 erstaunlichen Fakten im Langzeitgedächtnis zu verstauen, um sie bei Bedarf abrufen zu können. Als Smalltalk-Einstieg sind sie allemal geeignet.

Das Taschenbuch „Unnützes Wissen Berlin – 711 erstaunliche Fakten“ (12,95 Euro) ist beim Emons Verlag erschienen und dort sowie im Buchhandel erhältlich.

=ensa=

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