„Helden der Hauptstadt“: Demnächst im Netz, Premiere auf einer Neuköllner Kinoleinwand

helden der hauptstadt-premiere_cineplex neukölln„Helden der Hauptstadt“ heißt eine neue fünfteilige Serie, die hauptsächlich in Neu- kölln spielt und eine „Culture-Clash-Story zwischen Alternativ-Kiez und Neuköllner Ghetto“ erzählt. Im Fernsehen wird sie jedoch nicht gesendet, sondern ausschließlich als Web-TV-Produktion bei YouTube und Vimeo. Bei der Premiere zeigten sich die „Helden der Hauptstadt“ aber am vergangenen Frei- tag zunächst auf großer Leinwand, passen- derweise im Cineplex-Kino in den Neukölln Arcaden. Ebenso passend für eine Premiere: der rote Teppich, Regisseur und Drehbuchautor Ingo Vollenberg im Smoking und Mitwirkende wie Erkan Sulcani (l.), die vor einer Plakatwand auf dem erkan sulcani_helden der hauptstadt-premiere_cineplex neuköllnroten Teppich im Blitzlichtgewitter für die Foto- grafen posen.

Der Produzent der Serie, Walandi Tsanti, gab vorab ein Interview. Er arbeitet in der Film- und TV-Branche und gab an, schon über 2.000 Stunden Live-Fernsehen verantwortlich produ- ziert zu haben. Von dem Drehbuch, das ihm Ingo Vollenberg anbot, der auch Regie führte, war Tsanti von Anfang an begeistert. „Ursprünglich war vorgesehen, nur einen Pilotfilm zu drehen“, erzählte er, „doch das Drehbuch gab so viel her, dass daraus eine Staffel mit fünf 30-minütigen Folgen wurde.“ Vorbild sind erfolgreiche Web-Serien in Amerika, die dort einen immer größeren Zuschauermarkt erobern. Neukölln als Drehort wurde gewählt, weil es hier, wie Tsanti sich ausdrückte, den „Clash der Kulturen“ gibt. Die Dreharbeiten der No-Budget-Produktion über „kleine Helden, geplatzte Träume, die Suche nach dem Glück und vor allem Freundschaft“  fanden hauptsächlich an Wochenenden statt. Al-

szenenbilder helden der hauptstadt

le Darsteller, sowohl ausgebildete Schauspieler wie auch Laiendarsteller, mussten zuvor ein Casting durchlaufen. Da hörbar viele ihrer Freunde ins Cineplex gekommen waren, gab es schon bei der Einblendung der Namen der Mitwirkenden lautstarken Beifall.

Im nahezu vollbesetzten Kinosaal wurde durch drei kurze Vorfilme in die an- schließend mit zwei Folgen vorgestellte Serie eingeführt. Die erste handelte von Max (Tom Veit-Weber), der nach gescheitertem Studium wieder bei seinen Eltern in Neukölln wohnt. Über das Arbeitsamt muss er an einer Fortbildung teilnehmen. Hier trifft er auch auf Agron (Erkan Sulcani) und Hassan (Ilker Yigit), die er noch von der Schulzeit her kennt und nun mit ihm gemeinsam vor traumatischen Problemen stehen. Um Liebe und Sexualität geht es natürlich außerdem. Besonders diese Szenen, finde ich, sind sehr witzig umgesetzt, was nicht zuletzt der professionellen Kameraführung und dem pointierten Schnitt zu verdanken ist. Leider hat die Serie aber auch einen sehr großen Mangel – weshalb ich mir nur die erste der beiden Folgen angeschaut habe: promofoto helden der hauptstadtSämtliche Dialoge wirken aufgesagt und nicht authentisch, wenn man berücksichtigt, dass die Zielgrup- pe sicher in der Altersspanne der Darsteller, also bei den 16- bis 30-Jährigen, liegt. In jedem Satz glaubte ich Vollenbergs Dreh- buchmanuskript herauszuhören. Jedem Pro- tagonisten wollte ich zurufen: „Wie würdest du das denn in deiner Sprache, in deinem Sprachduktus sagen?“ Ihren Reiz hat die Serie aber unbedingt durch die Streifzüge durch Neukölln, wenn es gilt, Gegenden als Drehorte wiederzusehen, durch die man sich täglich bewegt, oder zu raten, wo im Bezirk die Szenen aufgenommen wurden.

Einen ersten Eindruck, wenn auch ohne sichtbaren Neukölln-Bezug, liefert die Pre-Episode namens „Teenagerliebe“ – bevor demnächst die erste komplette Folge ausgestrahlt wird. Um auf dem Laufenden zu sein, empfiehlt es sich, den „Helden der Hauptstadt“ via Facebook oder Twitter zu folgen. Der größte Wunsch, den Produzent Walandi Tsanti mir nannte, würde sich aber erst beim nächsten Schritt erfüllen: „Möglichst viele Klicks für die Serie“.

=Reinhold Steinle=

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